Monatsarchive: Dezember 2013

Der Liebesbrief – eine Silvester-Kurzgeschichte. Erotik, Thrill zum neuen Jahr…

Ungekürze Kurzgeschichte aus dem Buch “Tiefer in die Dunkelheit. Erotik, Thrill, Horror” von Ralf Boscher.
Ralf Boscher - Tiefer
Der Liebesbrief

Es ist dunkel geworden, ein Glas Rotwein steht neben mir, und ich bin müde. Es ist ein wohliges Müde-Sein, weiß ich doch genau, warum ich es bin, habe ich doch wegen Dir nur so wenig Schlaf bekommen. Du. Ich denke an Dich. Gerade habe ich erneut versucht, Dich anzurufen, Deine Stimme zu hören. Aber ich konnte Dich nicht erreichen, und so schreibe ich Dir wieder einmal, von Dir, von uns, horche Deiner Stimme in mir nach, lausche auf Deine Worte, Deinen Tonfall, der nach mir greifenden Händen klingt, nach Deinen Lippen auf den meinen, Deinem Körper ganz nah …, und versuche, Dich mit meinen Worten zu berühren.

Zwei Wochen sind vergangen, seitdem sich unsere Wege kreuzten, zwei Wochen, in denen ich kaum an etwas anderes denken konnte als an unsere herrliche Nacht, unsere Silvesternacht, in der wir uns gegenseitig auf den Grund gingen und tief unter der Haut spürten. Du. Ich. Wir. Unser Begehren des anderen. Unsere Lust, das Begehren des anderen zu spüren, unsere Lust, den anderen das eigene Begehren hören zu lassen. Ach Du, wie ich Dich in der Silvesternacht erleben durfte, Du, mich hingebungsvoll in Dir, in Deinem Leben willkommen heißend …

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An der Schwelle. Abschied. Mordsroman-Aktion zum Jahresende

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Rückblick. Bald schreiten wir wieder über eine Jahresschwelle. Was nehmen wir mit aus dem sich verabschiedenden Jahr? An Freude und Glück, an Kummer und Schmerz? An Hoffnungen für das kommende Jahr? Was lassen wir zurück? Würden wir gerne zurücklassen, wenn wir es denn könnten? An der Schwelle. Abschied. Hoffentlich im Herzen lächelnd. Gelassen betrachtend, was war. Gelassen erwartend, was kommt. Morgen. Dann.

Als Schriftsteller möchte ich das Jahr gerne mit einer Aktion für alle Leserinnen und Leser verabschieden. Somit gibt es meinen zweiten Roman „Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman“ als eBook bei Amazon vom 29. bis zum 31. Dezember kostenlos. Viel Lesefreude – und ein frohes, glückliches, gesundes neues Jahr! Eurer Ralf

»Werd’ ich nie vergessen, diesen Anblick! Und dann seh’ ich mich um: Alles verbrannt, verrußt, verraucht, aber der Kleine hier…«. Er tätschelte Hassos Kopf. »Der Kleine hier, völlig intakt. Steht einfach in der Ecke ‘rum. Nicht ein Brandfleck. Das gibt doch Anlass zur Hoffnung und ist Ansporn, sage ich!«, sagte Gerdas Mann und sah uns der Reihe nach an, während Vater ihm noch einen Kurzen einschenkte. »Hoffnung und Ansporn sage ich. Denn wenn so etwas geschehen kann…!« Er schwenkte Hasso vor unseren Gesichtern. »Dann lohnt es sich immer die Arschbacken zusammenzukneifen und rein ins Feuer. Denn beim nächsten Mal ist es vielleicht nicht nur ein Plüschhund, sondern ein Kind, das man ‘rausholt, nicht wahr!«

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Ein alter Feind neu entdeckt. Die Saat, von Guillermo Del Toro und Chuck Hogan – Rezension

Die Saat, del Toro
Kennt Ihr das? Ihr lest ein Buch und findet plötzlich einen alten Bekannten wieder? Ich dachte schon, es gäbe ihn nicht mehr. Den bösen Vampir, den alten Feind der Menschheit. Ich dachte schon, diese Art des literarischen Blutsaugers wäre ausgestorben, ersetzt durch nette, sensible Vampire, sehr ansehnlich, gut gebaut, in der Sonne glitzernd, mit guten Umgangsformen.

Aber Pustekuchen. Es gibt sie noch, und was das Wiedersehen erfreulich macht: Sie sind wieder da, die Bezüge zum wirklich Beängstigenden. Unter der Oberfläche der von uns Menschen so fein eingerichteten Welt lauert etwas Mächtiges, was uns alle auslöschen kann. Der alte Hauch von Pestilenz. Der alte Gedanke, dass nur ein dünne Haut zwischen unserer zivilisierten Welt und dem Chaos liegt. Dass jeder von uns im Handumdrehen (und nicht durch eine gewollte romantische Handlung) das, was uns als Menschen ausmachte, verlieren kann. Der Vampir hatte immer etwas von einer Krankheit an sich. Und in „Die Saat“ wurde dieser Gedanke (man denke nur an die Blutbild-Bilder aus Coppolas Dracula) konsequent und in aller Grausamkeit durchgespielt.

Ein sehr spannendes Buch. Hart. Apokalyptisch. Aber nicht ohne Hoffnung. Sei wachsam, sei mitmenschlich, achte auf die Zeichen (und besorge dir richtigen Waffen!). Ein Buch für alle, die „The Stand“ von Stephen King mochten (gerade wenn sie bei allem Mögen sich des Eindrucks einer gewissen Langatmigkeit nicht erwehren konnten und sich ein wenig mehr Action gewünscht haben). Ein Buch für alle, denen es im Zwielicht zu wenig zwielichtig zuging.

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Da lachte das Herz des Eisenbahner-Kindes… Erlebnis Bahnfahren

Wenn einer eine Reise unternimmt, dann kann er was erzählen… Nun, ich habe wieder einmal meinen Koffer gepackt und habe eine Bahnreise quer durch Deutschland unternommen. Ob ich etwas anderes zu erzählen habe, als nach meiner letzten Bahnfahrt vergangenen Sommer?

Lok Sept 76
Da lachte das Herz des Eisenbahner-Kindes…

„Du fährst mit der Bahn? Auch noch ICE? Na dann viel Spaß ohne Klimaanlage!“ „Über Mainz? Ha, Mainz, wie es singt und alles über das Bahnchaos lacht!“ „Grüße die Merkel von mir, Bahn ist ja jetzt Chefsache, vielleicht stellt sie ja euch persönlich die Weichen!“

HA HA HA! Ich, das Kind eines Lokführers, schmiss mich weg vor Lachen. Hat man einmal als Dreikäsehoch im Führerstand einer mächtigen E-Lok auf dem Sitz des Lokführers sitzen dürfen (natürlich im Betriebswerk, mit nicht laufender Maschine), dann betrachtet man Deutschlands Eisenbahnen wohl nicht mehr wirklich objektiv – selbst wenn man den Kindheitstraum, Lokführer zu werden (und die Tausende PS mal zum Dröhnen zu bringen) nicht verwirklicht. HA HA HA! Also zückte ich unverdrossen meine Kreditkartennummer und buchte 1. Klasse. Ein Schnäppchen, knapp über der 2. Klasse. 700 Kilometer First-Class-Reisen – und dann ließ ich mir übers Internet die Staumeldungen und -prognosen heraus: A81 Unfall, 5 Kilometer Stau, A5 Stau, A8… A61 Prognose rot, Alternativen noch röter. Ha Ha, der Klügere fährt Bahn. Prognose: 6,5 Stunden Fahrtzeit, angenehme Buchlektüre nur unterbrochen durch 2x Umsteigen (mit hoffentlich nahe gelegener Raucherecke an den beiden Bahnhöfen), und sollte ich mir andere Lektüre wünschen: übers WLAN im ICE einlocken und einfach ein neues eBook auf mein Tablett laden. Und also trat ich meine Reise an.

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Historisches: Multimediale Gehversuche… Erste Literaturvideos…

Literaturvideos_Ralf_Boscher

Als Autor, gerade als Indie-Autor, sollte man keinen der Social Media-Kanäle ungenutzt lassen, so heißt es. Also wohlan. Dachte ich. Youtube – ich komme. Und so versuchte ich mich, weil ich eh sehr visuell orientiert schreibe, sprich immer auch in filmischen Dimensionen denke, an Videos zu meinen Texten…

Meine neuesten Versuche in diese Richtung sind hier anzusehen, die Buchtrailer zu meinem zweiten Roman „Abschied“ und zu meiner Kurzgeschichte-Sammlung „Tiefer“.

Aber es gab schon lange vorher Versuche… Mein Equipment: Headset, Gitarre und Mundharmonika für die musikalische Untermalung (bei meinen neueren Versuchen habe ich auf Profis zurückgegriffen, siehe Credits der Buchtrailer), diverse selbst geschossene Fotos oder mit großem Aufwand an Requisiten und Personal erstellte Videosequenzen, und dann: Der Videoschnitt. Windows Movie Maker sei Dank (oder Undank, je nachdem wie das Urteil über meine Versuche ausfällt).

Wie auch immer: Es macht einfach Spaß, sich auch in dieser Richtung auszutoben, etwa an einem Abend, wenn der Kursor mitten in der tollen Textidee blinkt und blinkt, weil ich mit dieser tollen Textidee nicht weiterkomme, da sie dann doch nicht so toll war… Den Geist mit etwas anderem beschäftigen, ein probates Mittel, um Schreibblockaden aufzubrechen.

Zumeist habe ich mich dann an der „Verfilmung“ eines meiner Gedichte versucht. Viel Spaß beim Durchschauen meines „Videoarchivs“.

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Verbunden, umschlungen Rose und Wolf sich küssen – Liebesgedichte

Lange bevor ich die erste Prosageschichte zu Papier gebracht habe, schrieb ich Gedichte. Poesie der Freude, der Trauer, Wut, Angst - und auch Liebeslyrik. Und auch wenn ich seit Jahren vor allem Prosa schreibe, fließen mir doch immer mal wieder einige Verse aus der Feder. Die Liebesgedichte sind im Laufe der Jahre entstanden. Das neueste Gedicht „Gefunden“ habe ich im Herbst 2013 geschrieben.

Die Liebesgedichte sind im Laufe der Jahre entstanden. Das neueste Gedicht „Gefunden“ habe ich im Herbst 2013 geschrieben.

Ihre Augen

Sie zogen mich tief in sie hinein,
Und ich brachte ihr meine Augen dar.
Sie suchte mich, sie suchte sich
In meinem Blick,
Und dann
Fanden wir uns.

 

 

 

Zwischen Himmel und Erde

Eingetaucht in das Laken lagst Du nackt
Unter dem Abendhimmel Deines Haares,
Und weich bog sich Dein Körper meinem Blick,
erzählte mir nächtliche Geschichten,
geschwungen eingeschrieben
in den Fluss Deiner Weiblichkeit.

Mit Sternen geschrieben

Ich gab es dem Wind mit,
Damit er es Dir ins Ohr flüstert.
Spürst Du die Tropfen auf Deiner Haut,
Fühlst Du, was sie Dir von mir erzählen?

Könnt’ ich’s doch den Donner brüllen lassen,
Mit Blitzen es in Wolken schreiben!
Nein, nein! Leise … heimlich … Dein …
Kannst Du es aus den Sternen herauslesen?

 

Ungesagt

Ich hätt‘ ihr gern einen Liebesbrief geschrieben,
Von ihren Haaren, ihren Lippen, hab‘ ich gedacht,
Von ihren Händen und Blicken im Fahrstuhlschacht
Könnte ich schreiben.
Aber ich träumte und träumte, sah sie in mir,
Sah sie an, sah ihr zu, brachte nichts zu Papier.
Und was ich erblickte, ist ungesagt geblieben.

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Take The Long Way Home – oder: Kummer kam zu mir hinter die Theke geschlendert. Kurzgeschichte

Ungekürzte Kurzgeschichte von Ralf Boscher.

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Take The Long Way Home

Ich hatte kaum etwas zu tun, nicht einmal ein Bruchteil aller Tische war besetzt. Vereinzelte Gestalten hielten sich an ihrem Getränk fest, grimmig entschlossen, es bei diesem einen Getränk zu belassen. Die schwarzen Zeiger der Uhr schlichen über das Zifferblatt als wäre es aus Leim. Und Hand in Hand mit der Ereignislosigkeit kam der Kummer zu mir hinter die Theke geschlendert: Hey, wie war das noch mal?, meinte er hinterlistig grinsend, Weswegen genau hat sie dich verlassen?

Aber ich hatte ein Mittel gegen derlei Anwandlungen. Ich legte die Achtziger Jahre Mix-Kassette ein, die wirklich noch aus den Achtzigern stammte. Los ging es mit Our House von Madness. Ich zapfte mir ein Pils und setzte mich zu meinem Chef, der wie jeden Abend am erhöhten Tisch gleich neben der Tür auf seinem Hocker saß. Mit den Worten „Zäh heute“ öffnete ich seinen unermesslichen Fundus an wehmütigen Erinnerungen. Lauschte bei Bier und Zigarette seinen Geschichten von vergangenen, besseren Zeiten, als der Laden immer brechend voll, der Tabak billiger und die Frauen williger gewesen waren. Ja, ja, früher…, meinte mein Chef. Die Talking Heads sangen: We`re on the road to nowhere. Das half immer, meinen eigenen Kummer auf Abstand zu halten. Ich zapfte meinem Chef und mir noch ein Pils.

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Die Grenze des guten Geschmacks – “Hello Kitty” oder ein Wichteln des Grauens. Eine Weihnachtsgeschichte von Ralf Boscher

Ungekürzte Kurzgeschichte aus Ralf Boschers eBook “Ein haariger Heiligabend. Drei unbesinnliche Geschichten zur Weihnachtszeit”

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Die Grenze des guten Geschmacks

3 Staffeln „Hör mal wer da hämmert“ auf DVD, „Nightmare on Elm Street“ Teil 1 bis 5 und „Bernhard und Bianca“ – dies war mein Weihnachten im vergangenen Jahr. Dazu grob geschätzt: 3 Tüten Paprika-Chips, 1 Tüte Chips mit Salzgeschmack, 2 Packungen Marzipan-Kartoffeln, Erdnüsse, 2mal gesalzen, 1mal ohne Fett geröstet, Salami-Pizza 2mal, 1mal Quattro Stagioni, das Ganze runtergespült mit 6 Flaschen Rotwein. Es war mein erstes Weihnachten seit 5 Jahren ohne Anna, einige Wochen zuvor hatte sie sich von mir getrennt. Einmal machte ich den Fehler, die Fernbedienung in die Hand zu nehmen und zappte vom Heimwerker-König weg ins TV-Programm hinein. Prompt landete ich bei Mary Poppins – und musste weinen. „Schim schiibi di schimm schibbi schimm schi schi bu…“. Mary sang und tanzte und drehte sich auf ihren Stiefeln im Kreis, diesen Stiefeln, die so schlanke Fesseln machen – und ich musste daran denken, wie Anna eines Tages kurz vor Heiligabend zur Tür hereinkam und dann ihren Mantel von ihren Schultern gleiten ließ und nichts weiter trug als ein tief ausgeschnittenes, sexy rotes „Ich bin Deine Weihnachtsfee“-Kleidchen und sich dann auf ebensolchen Stiefeln vor mir drehte… – und ich schaltete schnell zurück zum rülpsenden Tim, öffnete eine weitere Flasche Wein und später zu „Bernhard und Bianca“ noch eine.

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Historisches: Lesungen – Literatur ist geil oder Futter für die Bestie im Secondhand

Lesungen… das heißt Lampenfieber, die spannende Frage, ob ich das Publikum packe, die Freude, wenn ich spüre, ja, jetzt habe ich die Anwesenden gepackt. Was für ein Gefühl, wenn diese unglaubliche Verbindung zwischen Lesendem und Hörenden hergestellt ist, eine ganze eigene Art von Kribbeln, auch ein Gefühl der Macht, wenn man spürt, wie sie mit dem Text mitgehen, wenn man die Reaktionen der Zuhörer voraussagen kann „Gleich lachen sie, gleich stöhnen sie auf, gleich gefriert ihn das Lächeln im Gesicht, nun werden sie aufatmen…“ Wie wichtig dabei auch Humor ist, ein gewisses Augenzwinkern, vermitteln einige der Bilder, und mein Video zu meinem Gedicht „Epilog“. Denn dies ist ja bei einer Lesung unter anderem das Schöne: Hier ist der Dichter nicht alleine, hier gibt es ganz direkt Feedback. Ich denke: Ich sollte wirklich wieder einmal lesen.

Ein Rückblick:

Literatur_ist_geil_qlt_Artikel
„Unter anderem gibt es ein Wiedersehen mit der Krähe des Todes, Tante Marthas Hintern, dem in Weihnachtslieder vernarrten Metzger und einem liebeslüsternen Briefeschreiber. Achtung: auch dieses Mal wird gesungen. “ (so lautete ein Teil der Ankündigung der letzten „Literatur ist geil“-Lesung im Lebensart, dem Weinfachgeschäft der Spitalkellerei, welches es in dieser Form leider nicht mehr gibt).

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