Monatsarchive: Januar 2014

Epilog auf eine Schwiegermutter – eine Horrorstory in Versen

Epilog_Schwiegermutter
EPILOG AUF EINE SCHWIEGERMUTTER

Du wolltest nur sein Bestes,
Ich war dir nicht gut genug.
War nur zweite Wahl für dich,
Nettes Lächeln, blond, nicht klug.

Du wolltest nur sein Bestes,
Mochtest nicht, wie ich die Wäsche gemacht,
Nicht ordentlich genug gefaltet,
Über mein Bügeln hast du nur gelacht.

Du wolltest nur sein Bestes,
Mein Kochen hat dir nicht gepasst,
Kochte anders nur als du,
Schmeckte es ihm, hast du mich gehasst.

Du wolltest nur sein Bestes,
Deswegen zogst du bei uns ein,
Das Zimmer gleich neben unsrem,
Was anderes durft‘s nicht sein.

Du wolltest nur sein Bestes,
Deswegen kam ich zu dir in der Nacht,
Du sprichst sogar im Schlaf,
Aber da hatte ich ‘was mitgebracht.

Du wolltest nur sein Bestes,
Ja, selbst im Schlafe tust du‘s kund,
Ich nahm das Küchenmesser
Schnitt dir die Zunge aus dem Mund.

Du wolltest nur sein Bestes,
Und das Beste, das bin ich,
Kochen und Bügeln sind ihm egal,
Deswegen tötete ich dich.

Du wolltest nur sein Bestes,
Und das hat er nun bekommen,
Hat geholfen, dich zu vergraben,
Dann hat er mich genommen.

Du wolltest nur sein Bestes,
Und dein Bestes hast du ihm gegeben,
Wir haben nun unsere Ruh,
Für sein Glück gabst du dein Leben.

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Dendritenflipper – eine Szene mit Lichterblinken und Pling

Ralf Boscher - Engel

Alex Unbehagen stieg mit jeder Stufe, die er im Hausflur hinabging, und plötzlich, auf dem Fuß der Treppe, hatte Alex die Frage. Und nur einen Schritt weiter hatte er auch die Antwort.

Wann hatte Helen eigentlich den Unfall? so lautete die drängende Frage, und sie ging zusammen mit dem bohrenden Unbehagen in genau der Antwort auf, die er am wenigsten hören wollte: An dem Abend, an dem ich sie abgekanzelt habe! Er schlug die Tür des alten Audi zu, drückte die Zigarette aus, startete, gab Gas und KLACK! schoss er los. Sein schlechtes Gewissen katapultierte ihn in einen ganzen Apparat von Schuldgefühlen. Dendritenflipper: Überall blinkten Lichter, und PLING! stieß ihn das Vonsichselbstenttäuschtsein durch den Raum, durch den er, konfus sich um alles andere als um seine Achse drehend, raste.

Er knallte vor das ZU SPÄT! und das BRÜLLEN des Schaffners ertönte wieder: ABGELAUFEN! Abgelaufen! dröhnte es in Alex Ohren, während eine Art magnetischer Sog ihn auf der Stelle festhielt. Abrupt hörte das Dröhnen auf, Farben wechselten rasend schnell und der Sog löste sich. Alex bekam einen Schlag von hinten und schoss wieder quer durch den Flipper. AN DEM ABEND, DA ICH SIE ABGEKANZELT HABE! sang quäkend eine etwas leiernde Automatenstimme und bei: ICH HAB’ ES NOCH NICHT MAL GEWUSST! gab es ein Freispiel.

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Historisches: Rosa Ferkel – oder ein kindlicher Fiebertraum von Freiheit…

Rosa_Ferkel

Rosa Ferkel

Leise, ein wenig säuselnd, ähnlich dem Wind, der über eine raue Fläche weht, pulsieren rosa Wolken in sein kleines Zimmer hinein. Durch jeden auch noch so feinen Ritz im Fensterrahmen, durch jeden Spalt zwischen Tür und Türrahmen schieben sich die rosa Wolken in seine von Betonmauern begrenzte Welt. Ihr Rosa ist so zart wie das Rosa allerjüngster Ferkel, die saugend an den Zitzen der Muttersau liegen.

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Überall ihre Hände, ihre Lippen… – Engel spucken nicht in Büsche. Roman über Liebe, Tod und Teufel. Leseprobe

Ralf Boscher - Engel„Woran denkst du?“ fragte Angie an die Badezimmertür gelehnt, in der einen Hand eine Zigarette, den anderen Arm vor der nackten Brust verschränkt, „An Helen?“
„Ja!“, antwortete Krish und blickte, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, an die Decke, an der sich der Rauch sammelte, als sähe er in den Schwaden Gestalten sich tummeln,
„Vermisst du sie?“
„Nein, eigentlich nicht. Ich erinnere mich bloß. Einmal nachts lag ich mit ihr hier auf dem Boden, und wir hatten einen Haufen Kerzen überall im Raum angezündet. Es war Sommer und sehr warm hier oben unter dem Dach, heiß geradezu, wir schwitzten beide aus allen Poren, wir waren nackt…“
Angie setzte sich im Schneidersitz neben ihn auf den Boden. Krish stützte sich auf seine Ellbogen und zog an ihrer Zigarette. Dann ließ er sich wieder zurückfallen,
„… Helen saß auf mir und goss sich Massageöl auf die Handflächen, als wären wir noch nicht nass genug, und jedes Mal wenn sie mir die Schultern massierte, fielen ihre Haare wie ein Wasserfall über mein Gesicht. Überall ihre Haare…”
Angie verstand ihn kaum noch, so leise sprach er mittlerweile,
„… überall ihre Hände… ihre Lippen…“, flüsterte er.
Angie saß ruhig daneben, die Arme um die Beine geschlungen und zog am Zigarettenstummel. Lächelnd beobachtete sie seine wachsende Erregung, durch den dünnen Stoff der Pyjamahose zeichnete sie sich deutlich ab. Und ganz allmählich, während Angie den nun stumm in Erinnerungen daliegenden Krish ansah und sich eine neue Zigarette ansteckte, glitt die unbeteiligte, sozusagen stoische Ruhe von ihr ab. Ihre Blicke veränderten sich, waren nicht mehr länger gelassene, unberührte Beobachter, sondern glichen in zunehmendem Maße greifenden Händen. Zufassende, begehrende Blicke warf sie nun auf Krish, ihre Augen griffen nach seinem nackten Oberkörper, fassten durch den Stoff der Hose. Angie drückte die Zigarette aus und legte sich neben ihn. Sie strich Krish übers Haar. Krish lächelte, aber lächelte er in Gedanken oder wegen der Berührung durch Angies Hand, die nun zärtlich über seine Brust strich? Angie tastete nach seinen Rippen, er war schlank, sehr schlank. Zieh den Slip aus und hock dich auf ihn! Es machte sie an, unter der glatten Haut seine Knochen und Muskeln zu fühlen. Angie rückte näher an Krish heran, ihre Brüste berührten seine Haut, sie erschauderte und glitt mit einer Hand unter den Bund seiner Hose.
„Helen!“ murmelte Krish da, weit entfernt von Angie, und während deren Verlangen abrupt erlosch, kam er wieder zu ihr zurück:
„Weißt du, Angie, Helen hat mich wirklich inspiriert…“
Angie zündete sich, wütend auf sich wegen ihres unbedachten Vorstoßes, enttäuscht‑erregt eine neue Zigarette an, setzte sich einen Meter von ihm weg. Der Appetit auf Krish war ihr gründlich vergangen.
„…das ging so tief bei ihr. Bei ihr konnte ich mich fallen lassen. Ich fühlte mich aufgehoben…“
Sie unterbrach ihn:
„Im Hegel’schen Sinne, meinst du?“ und lächelte beinahe schon wieder, begann, die Enttäuschung mit Ironie wegzustecken. Krish überhörte ihre Frotzelei:
„Alleine schon wenn sie mich anblickte… Ihre Augen! Wenn da nicht immer auch gleich das Verlangen nach unseren Körpern gewesen wäre, hätte ich sie wohl tagelang nur angeschaut, in der Anschauung verloren hätte ich mich“, lachte Krish dieses Bekenntnis heraus und setzte sich nun ebenfalls auf. Angie konnte es nicht lassen:
„Und das war dann wohl Schopenhauer, nicht wahr?“ fragte sie mit einer Kleinmädchenstimme ehrfurchtsvoll den großen Weisen.
„Nein, das war Alex“, gab Krish zurück, dieses Mal war ihm die Spitze nicht entgangen. Aber er ging nicht weiter darauf ein: „Gibst du mir mal den Tabak rüber!“ bat er, und zusammen mit dem Päckchen Tabak warf Angie ihm hin:
„Nur gut, dass ich auf dich nicht scharf bin! Gegen so ein Überbild wie Helen kommt ja keine Normalsterbliche an“, sie wollte noch etwas hinzufügen, aber Krish unterbrach sie:
„Nur leider ist auch Helen eine Normalsterbliche!“ und stand auf.

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Nicht mehr in die Röhre gucken – wieder über Sex schreiben können…

Endlich kann ich wieder über Sex schreiben oder, wenn ich denn je auf diese Idee komme, über Xavier Naidoo.

Gebraucht_Neu
Gebraucht – ein Wort, dass mich seit dem Auszug bei meinen Eltern begleitet. Was habe ich nicht alles mitgenommen. Einen gebrauchten Herd, einen Kühlschrank, die Kaffeemühle… Und nicht zu vergessen, die schönen alten Küchenutensilien meiner Oma, die ich in einem alten Schrank ausgegraben hatte. Der Quirl, das Besteck, der Suppenschöpflöffel, alles mit Holzgriff. Fein – und auch heute noch in Gebrauch. Gebraucht – ein Gedanke, der altmodisch ist und dennoch in seiner Nachhaltigkeit topaktuell.

Altmodisch: Weil doch heutzutage alles neu sein muss. Denn Neu!, das heißt doch: Gut!
Nachhaltig: Weil vieles auf dem Müll landen würde, wenn ein anderer es nicht im gebrauchten Zustand in Gebrauch nehmen würde.

Jemand, wie ich zum Beispiel. Blicke ich in meinem Arbeitszimmer herum, dann sehe ich viele gebrauchte Gegenstände. Der Tisch, an dem ich gerade sitze. Das Regal zu meiner Linken, bestehend als alten Brettern und Weinkisten. Alles erzählt eine Geschichte. Dort und dort besorgt. Von dem oder der geschenkt bekommen. Mitgenommen aus meiner ersten Wohnung, meiner zweiten, mit mir von Wuppertal an den Bodensee umgezogen… Der Schrank in meinem Rücken zum Beispiel. Der stammt aus der Auflösung eines Büros in Wuppertal. Wie viele Möbel haben wir nicht damals, als ich mir am Wochenende einen Teil meiner Miete als Möbelpacker verdiente, diverse Treppen hinunter geschleppt, sie in den 7,5 Tonner gewuchtet, nur um sie, weil sich kein Abnehmer fand, zur Müllverbrennungsanlage zu karren. Aber nicht diesen schönen, alten Dokumentenschrank mit variabler Fächereinteilung. Ein schweres Teil, dass mich schon einige Umzüge begleitet hat. Ideal, um meine CDs aufzunehmen.

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Am liebsten hätte er nicht hingesehen – eine Familientragödie in 7 Strophen

Tragoedie
Am liebsten hätte er nicht hingesehen

Er ist zufrieden und sitzt wohlig warm
Vor dem Fernseher, das Töchterchen im Arm,
Plötzlich hört er einen schrillen Schrei,
Besorgt eilt Inge, seine Frau, herbei:

„Wo kam das her, dieses Schreien?“
„Es wird aus dem Fernseher gekommen sein!
Ich bringe jetzt die Kleine ins Bett,
Und dann machen wir es uns so richtig nett!“

Als er am Bett des Töchterchens steht,
Hört er, dass das Schreien weitergeht.
Er gibt ihr ein Küsschen und sagt ihr im Gehn:
„Träume schön, ich werd den Fernseher leiser drehn,

Jetzt schließ die Augen. Gute Nacht!“
Ganz leise er die Tür zumacht.
Das Schreien unterdessen hat aufgehört.
Endlich, denkt er, ist man ungestört.

„Endlich ruhig!“, sagt Inge, „Gott sei Dank!
Und Karin übernachtet heut bei Frank!“
Ja, und die Kleine schläft, endlich allein.
Komm, lass uns etwas gemütlich sein!“

Später, als sie ein Wimmern hören,
Lassen sie sich davon nicht mehr stören.
Am Fernseher drehen sie die Lautstärke rauf,
Da hört das Wimmern auch schon auf.

Am Morgen dann, er wollte zur Arbeit gehn,
Hat er, am liebsten hätt er nicht hingesehn,
Karin neben der Garage gefunden,
Nackt, tot, einen Gürtel um den Hals gebunden.

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Kommentare, Reaktionen, Gedanken: „8400 Wörter für 7,95 Euro – ist der Preis korrekt? – ein Nachtrag

Umfrage_Preis_Ralf_Boscher
In meinem Beitrag „8400 Wörter für 7,95 Euro – ist der Preis korrekt?“ ging es um folgende Ausgangssituation: Der günstige Preis (manchmal sogar gratis) war für Indie-Autoren auf dem neu entstandenen eBook-Markt der Fuß, den sie in die Tür zu den Lesern bekamen. Daran schlossen sich meine Fragen an: Aber befinden wir uns heute immer noch in dieser Situation? Oder verkaufen wir Indie-Autoren uns unter Wert? Gleichzeitig habe ich auf meinem Blog zu diesem Thema eine kleine Umfrage gestartet.

Im Folgenden möchte ich die Reaktionen auf meinen Beitrag skizzieren, wie sie sich aus den Kommentaren auf meinem Blog und auch in einigen Literatur-Gruppen auf Facebook ergeben haben.

Es gibt zwei divergierende Haupteinschätzungen zur Preisgestaltung.

1. Die Qualität bestimmt den Preis. Also können auch Indie-Autoren höhere Preise verlangen – wenn sie denn Qualität bieten.
2. Indie-Autoren sind nicht in der Lage höhere Preise zu verlangen, da der günstige Preis das bislang wirksamste Mittel ist, um bekannt zu werden.

Zu 1.: Wichtigstes Kriterium für die preisrelevante Qualität eines Buches ist die handwerkliche Qualität zu sein.

Rechtschreibung, Grammatik, Stil, Cover-Aufmachung, Formatierung, Schriftbild, Satz, gravierende logische Fehler, Lektorat, Korrektorat.. All das sind Punkte, die – wenn sie denn ordentlich abgearbeitet wurden – für ein Indie-Buch einen Preis rechtfertigen, der auf dem derzeitigen Niveau von Verlagsbüchern liegt.

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dies irae – Liebeskummer-Gedichte

Liebeskummer

Wir sind uns so fern

Du bist mir so fern,
Dabei wäre ich so gern
Dir so nah und Du
Wirfst Blicke mir zu,
Diese Blicke.
Wir lieben uns und sehen,
Wir wollen nicht auseinander gehen.
Dies hätte ich so gern,
Aber ich bin Dir so fern.

circulus vitiosus

Ich lag auf dem Bett,
Versuchte, zu lesen,
Und dachte doch an Dich.
Da fielen mir die Augen zu,
Und ich träumte davon,
Dass ich, als mir die Augen zu fielen,
An Dich dachte,
Obwohl ich versuchte, zu lesen,
Dort auf dem Bett,
Auf dem ich liege,
versuche, zu lesen,
Und doch an Dich denke.

carpe diem

Der Tag verlor sich in Stunden,
Da ich nur Zeit durch Adern presste.
Geronnen in Trägheit klumpten Sekunden
Zu Minuten, die aufhäuften sich zu Stunden,
In denen Tag um Tag belanglos verstrich
Und ich allmählich verblich.

dies irae

Bleib, wo du bist,
Und wo das auch ist,
Ich will es nicht wissen,
Will nicht erfahren müssen,
Wie es dir geht,
Wie es um dich steht,
Rühr mein Herz nicht an,
Damit es irgendwann
Nicht mehr wehtut,
Nicht so wehtut.

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Hunger – oder der Mannwolf und das Mädchen. Kurzgeschichte von Ralf Boscher

Ralf Boscher - Best of_AusschnittHunger

1. Als Peter an jenem Sonntag durch den Garten zum Hintereingang von Manus Haus ging, hatte er für einen Moment das Gefühl, als sei die Zeit stehen geblieben. Denn Manus 9jährige Tochter saß wie schon am Tag zuvor in der Sonne auf dem Rasen und spielte mit Playmobilfiguren. Die Decke auf der Kira saß, war die Gleiche. Sie hatte das gleiche T-Shirt und die gleiche Hose wie am Vortag an, die Figuren, die sie in ihren Händen hielt, waren dieselben. Selbst der Schatten, den der Holzhaufen warf, Meterweise alte Bretter, die Manu vor einer Woche geliefert bekommen hatte, schien derselbe zu sein.

Und doch: Etwas war anders. Ihm fiel es auf in dem Moment, als Manu mit einem Tablett belegter Brote in Händen aus dem Haus kam. „Kira hat schon wieder Hunger”, sagte sie lächelnd und doch lag ein besorgter Zug um ihre Mundwinkel. Und da sah Peter den Unterschied zum Vortag: Kira schien abgenommen zu haben. Von einem Tag zum nächsten so deutlich abgenommen, dass es an ihrer ganzen auf der Decke sitzenden Statur zu sehen war.

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