Archiv der Kategorie: Boschers Schreibe

Leseproben aus den eBooks und Taschenbüchern von Ralf Boscher. Einblicke in die Texte, an denen Boscher zur Zeit arbeitet.

Das Jojo-Herz – Leseprobe aus Boschers Roman über Liebe, Tod und Teufel


Leseprobe aus dem Roman „Engel spucken nicht in Büsche: Roman über Liebe, Tod und Teufel“ von Ralf Boscher (aus dem Kapitel “Das Jojo-Herz”).

 

Das Jojo-Herz

I.

 

Etwa zur selben Zeit, da Krish schreiend erwachte, wurde Tanja beerdigt. Der Pfarrer, der sie getauft hatte, bei dem sie die erste heilige Kommunion empfangen und der sie zur Firmung begleitet hatte, begrub sie auch.

Den Sonntag zuvor hatte er aus gegebenem Anlass über ein, bei vielen seiner Schäfchen seiner Meinung nach in Vergessenheit geratenes Jesuswort gepredigt: Wer ohne Sünde sei, werfe den ersten Stein! Denn es war bekannt geworden, was mit der kleinen Stewens geschehen war, und vor allem unter welchen Umständen. Daraufhin waren einige Gemeindemitglieder an den Pfarrer herangetreten und hatten es als seine Pflicht bezeichnet, hier eindeutig und unmissverständlich, unmissverständlich! Stellung gegen Abtreibung zu beziehen. Es sei geradezu eine moralische Notwendigkeit, der kleinen Stewens das kirchliche Begräbnis zu verweigern, habe sich ihre Familie auch noch so verdient um die Gemeinde gemacht, und sei das alles auch noch so tragisch, denn solcherlei Frauen seien wegen ihrer sündigen Tat unweigerlich, unweigerlich! aus dem Schoß der Kirche zu entfernen.

 

II.

 

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“Ich kill dich”, Stuffkamp Cola und Heavy Metal: Aus dem Roman-Manuskript “Der Knochenturm” von Ralf Boscher

Der_Knochenturm
Etwas, an dem ich arbeitete, mein Niederrhein Horror-Roman “Der Knochenturm”… (aus Boschers Werkstatt)

Erstes Kapitel: Hells Bells

[...]

„Ich habe es dir gesagt, ich kill Dich, du Pisser, ich versprech’ es dir, ich hab dich mit ihr gesehen, du kleiner Wichser bist so gut wie tot!“

Und nun lag Peter mit vor Schmerz pochendem Unterleib vor Cuypers und seinen zwei lachenden Kumpels auf dem Rahmer Kirchweg und in Cuypers Augen glimmte eine Brutalität auf, welche die Möglichkeit, dass er sein Versprechen ernst meinte, schrecklich real werden ließ. Cuypers beugte sich vor, schlug Peter mit dem Handrücken aufs Auge, dann griff er in Peters Haare, zog ihn hoch, nah an seinen Mund: „Weißt du, du Wichser, ich habe sie geküsst, und sie hat mir ihre geile Zunge in den Hals geschoben!“, sagte er, „Mary ist der schärfste Fick, den ich seit langem vor’m Rohr hatte. Mein Gott diese Titten! Und sie ist Jungfrau! Und du Pizzafresse glaubst, du könntest mir da in die Quere kommen?!“

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Die Seite 99 aus „Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman“

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Die Idee bei einem unbekannten Roman die Seite 99 zu lesen, um sich von der Qualität zu überzeugen, geht auf den britischen Autor Ford Maddox Ford (u.a. „Keine Paraden mehr“) zurück. Gefällt einem diese Seite, will man erfahren, was auf den 98 Seiten zuvor geschah, wird man neugierig auf das, was noch folgen mag. Das erste Mal von dieser Idee von Maddox habe bei Béla Bolten gelesen. Auf der Internetplattform Seite 99 findet Ihr viele entsprechende Leseproben.

Und hier nun die Seite 99 meines zweiten Romans „Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman“:

“Sie hätte mich ja auch wirklich sehr gern. Richtig verliebt hätte sie sich in mich. Doch dann sagte sie, in einem Tonfall, als wäre dies das Selbstverständlichste auf der Welt, ja, gerade als sie ihre liegende Haltung verlassen hatte und auf mir sitzend ihre Arme und Beine um mich schlang, da meinte sie mir ins Gesicht lächelnd: »Ich habe meinem Freund die letzten Tage so viel von dir erzählt, er ist schon ganz gespannt, dich kennenzulernen!«

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Buchvorstellung: Engel spucken nicht in Büsche. Roman über Liebe, Tod und Teufel

Ralf Boscher - Engel
Es war nach Mitternacht. Ein kräftiges, ein leuchtendes, ja beinahe ein brennendes Rot schoss hervor. Krish konnte sie riechen. Er spürte den Hauch ihres Atems auf seinem Arm. Ihm schauderte. Seine Augen tasteten über die Leinwand. Der dicke Borstenpinsel zuckte hinterher. Wo mochte Helen sein? Seit drei Jahren etwa kannte er sie jetzt, und sie war in dieser Zeit öfter, nur einen kurzen Abschiedsbrief hinterlassend, für einige Wochen verschwunden. Aber dieses Mal erschien ihm die Zeit ihrer Abwesenheit unerträglich lang.

Anfangs hatten ihn Zeilen wie: Mach’ Dir keine Sorgen, Liebster, bin wieder on the road! Weiß’ nicht, wann ich wiederkomme! zutiefst getroffen. Auch wenn Helen ihm jedes Mal versichert hatte, zurückzukommen, so hatte ihn ihr eigensinniges Handeln zunächst sehr gekränkt.
Aber dieses Gefühl hatte von Mal zu Mal an Raum in seinem Herzen verloren. Denn schließlich war sie bisher wirklich jedes Mal zu ihm zurückgekehrt. Um so stärker war stattdessen die Sehnsucht nach ihr in Krish gewachsen.

Doch nun verspürte Krish zum ersten Mal neben dieser schon fast schmerzhaften Sehnsucht eine Empfindung, die er bislang nicht mit Helen in Verbindung gebracht hatte. Denn noch niemals zuvor hatte er sich um sie gesorgt.

Leserinnen- und Lesermeinungen zu Ralf Boschers erstem Roman:

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Historisches: Das Geschwulst – Horror-Kurzgeschichte von Ralf Boscher

Historisches: Ich habe wieder einmal ein wenig in meinem Archiv geblättert. Lange ist es her, dass ich diese Kurzgeschichte schrieb. Hier das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. “Das Geschwulst”, geschrieben 1990.

GeschwulstDas Geschwulst

Dieser Schmerz war anders als gewöhnlicher Kopfschmerz, und er spürte dies, ja er wusste das wohl auch, aber wahrhaben wollte er es nicht. Er wollte gewöhnliches Kopfweh haben, (nimm ne Pille und weg sind sie), und wirklich: Anfangs ließ der Schmerz bald nach, verschwand, und er vergaß.

Aber im Laufe der nächsten Zeit litt er immer häufiger an einem schmerzhaften Druck im Kopf. Dennoch machte er sich eigentlich keine Gedanken, zumal der Schmerz weiterhin nach kurzer Zeit nachließ.

Dann wurden die schmerzfreien Perioden kürzer. Zudem dauerte es nun Tage, bis dieser Kopfschmerz ihn verließ. Jetzt gelang es ihm nicht mehr, den Schmerz zu ignorieren. Wenn er mit anderen zusammen war, wenn sie mit ihm redeten, ihn ansahen, ihn berührten, wenn sie sich im gleichen Raum aufhielten, drängte sich der Schmerz zwischen ihn und die anderen Menschen. Er fühlte sich isoliert und unsicher. Wie normal ihm doch alle erschienen. Wie beneidenswert.

Aber als die Tage der Qual vorbei und die Schmerzen abgeklungen waren, machte sich mit der Erleichterung wieder Gedankenlosigkeit breit. Und noch einige Zeit verging.

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“Mr. Crowley”, Leseprobe aus dem Roman-Manuskript “Der Knochenturm” von Ralf Boscher

Der_KnochenturmEtwas, an dem ich arbeitete, mein Niederrhein Horror-Roman “Der Knochenturm”… (aus Boschers Werkstatt)

Zweites Kapitel: Mr. Crowley

[...]

V.

Am nächsten Tag war Peter pünktlich zur Stelle. Mary und seine Freunde hatte er den ganzen Tag nicht gesehen. Aber das war Wochentags nichts Ungewöhnliches. Schule und Hausaufgaben nahmen viel Zeit in Anspruch. Einmal hatte er kurz mit Mary telefoniert, und so schön es war, ihre Stimme so lieb an seinem Ohr zu hören, so sehr rumorte auch das schlechte Gewissen in seinem Bauch. Einen kurzen Moment war er versucht gewesen, Mary von Elisabetha zu erzählen. Er wollte keine Geheimnisse vor Mary haben. Es war einfach nicht richtig. Aber die Versuchung, Elisabetha wiederzusehen, war stärker gewesen. Selbst wenn sie ihm nicht das Versprechen abgenommen hätte, nichts zu sagen, er hätte geschwiegen. Er wollte wieder spüren, was er in ihrer Nähe gespürt hatte – ohne Mary zu verlieren. Und so hatte er sich mitsamt seinem Geheimnis im Herzen nach Einbruch der Dunkelheit auf den Weg gemacht. Sein Vater war noch bei einem Kunden. So musste er nur seine Mutter anlügen, welcher er erzählte, er sei zur Bandprobe.

Die Obereyllerstraße lag verlassen da, als er vor der Rattenburg, welche verdeckt von Bäumen inmitten eines weitläufigen verwilderten Parks im Dunkeln lag, von seinem Fahrrad stieg. Nebel kam vom nahen Bruch auf, waberte dicht über die angrenzenden Felder.

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Zwischen Nietzsche und viel zu kurzem Bademantel: Ein Diskurs über Serienmörder

Ralf_Boscher_Krimi_Mordsroman_Abschied
Ein Diskurs über Serienmörder, aus: “Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman”

Magdalena studierte Literaturwissenschaft und Philosophie, wobei ihre Lektürevorlieben nicht ganz dem Bild einer Geisteswissenschaftlerin entsprachen: »Ich les’ furchtbar gerne Krimis, Psychothriller und Horrorromane. Wenn mir beim Lesen das Blut gefriert, wie man so sagt, dann bin ich in meinem Element. Hauptsache heftig packend! Möglichst abgedreht! Denn mit der Normalität, da hab’ ich es nicht so!«, wie sie mir sagte, als wir in der Cafeteria der Universität aufgrund des Buches, das ich las, Die Seele des Mörders von John Douglas, jenem FBI-Agenten, der als Vorbild für die Ermittler in Der Rote Drache und Das Schweigen der Lämmer gedient hat, ins Gespräch gekommen waren.

»Na!«, hatte sie lächelnd gemeint, »ein bisschen gruseln?«, als sie sich mir gegenüber an den Tisch gesetzt und meinen Tabak zur Hand genommen hatte, um sich eine Zigarette zu drehen. »Das ist aber keine Lektüre, die uns im Nietzsche-Seminar empfohlen wurde«, meinte sie noch, »Obwohl, wenn man Douglas’ Analyse der Serienmörder-Motive folgt (offensichtlich hatte Magdalena das Buch gelesen), gibt es schon gewisse Berührungspunkte, man braucht ja nur an Nietzsches Satz von der Geschlechtlichkeit zu denken, die bis in die höchsten Äußerungen des Geistes reiche.« Da wusste ich auch, woher ich ihr Gesicht und dieses knappe Kleid kannte, das ihre barocken Formen geradezu aufklärerisch mehr ent- als bedeckte.

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Eine Love & Crime Story: Plötzlich brach die Sonne. Ungekürzt

Plötzlich brach die Sonne

1.

Eine Love & Crime Story: Plötzlich brach die Sonne, von Ralf Boscher

Eine Love & Crime Story: Plötzlich brach die Sonne, von Ralf Boscher

Zusammen mit einem Kasten Wasser und einem Kasten Bier packte ich eine gehörige Portion Sonnenschein in den Kofferraum meines Audi. Ich legte Kühlakkus zwischen die Flaschen und wickelte die Kästen sorgfältig ein in nasse Handtücher, um den Bogen der Harmonie, vibrierend zwischen dem lichtdurchfluteten Himmel und dem kalten Bier, möglichst bis zum Nachmittag gespannt zu halten. Der Ölstand stimmte aufs Haar, Kühlwasser hatte ich nachgefüllt, der Tank war voll bis an den Rand. Die Dinge standen in ihrem richtigen Verhältnis zueinander.

Ich setzte mich auf die Treppe vor der Haustür – gemächlich rumpelte in der Ferne die Schwebebahn durchs Tal –, zündete mir lächelnd eine Zigarette an und dachte an Carmen, die jeden Augenblick aus Richtung der aufgegangenen Sonne auftauchen musste.

Drei Wochen zuvor war sie in mein Leben getreten. Ich hatte mich zu der alten Turnhalle in der Nähe meiner Wohnung begeben, um meinem Körper etwas Gutes zu tun. Doch anscheinend hatte ich mich im Datum geirrt. Denn statt der von mir erwarteten Gymnastik wurde Kampfsport gegeben. Ich trat also durch die Hallentür und lief in ihren Schrei hinein. KIAY! Wenn ich mich an ihre Schreie erinnere…

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Buchvorstellung: Best of… und andere schaurige Kurzgeschichten von Monstern und Kindern

Ralf Boscher - Best of
Sie lachte laut auf. Auch der Spiegel lachte. Das hatte ihm gefallen. Das war doch mal Einsatz! In diesem Moment schlug Alex das erste Mal mit der Axt gegen die Tür: „Ich komm Zoe!“, schrie sie, und holte mit der Axt wieder aus, während Zoe sich mit der Nagelschere erneut eine Haarsträhne abschnitt…

„Diese drei Kurzgeschichten haben es wirklich in sich und greifen dabei auch noch aktuelle Themen wie den Schönheitswahn der Kinder und Jugendlichen auf… Jede Story für sich ist spannend und regt, anders als viele andere Horrorgeschichten, zum Nachdenken an. Gesellschaftliche Probleme in eine Horrorgeschichte gepackt; eigentlich traurig, dass die Storys so viel Wahrheit enthalten. … Wer auf Horrorgeschichten steht, der wird nicht enttäuscht sein. Der Autor schafft es ein schillerndes Kopfkino zu erzeugen…“ (Kathrin Bolte, Rezension auf Amazon).

“Was haben ein Spiegel, ein Stück Holz und ein totes Haustier gemeinsam? Sie alle sind die Hauptdarsteller in Ralf Boschers neuen Kurzgeschichten. Alltägliche Dinge und Begebenheiten werden hier in Horrorszenarien verpackt, die den Leser länger beschäftigen als vielleicht gedacht…” (Kubine, Rezension auf Lovelybooks)

Best of… und andere schaurige Kurzgeschichten von Monstern und Kindern

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