Midlife Crisis Vampir Roman – aus Ralf Boschers Werkstatt. Ein erstes Kapitel

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Leseprobe, ein erstes Kapitel aus dem Romanprojekt von Ralf Boscher „Midlife Crises Vampirroman“

Midlife Crisis Vampir Roman
Hengst und Stute

1. Nicht von schlechten Eltern! Das war sein erster Gedanke an diesem Morgen des 2. Januar, gefolgt von einem Lächeln und einem Griff unter die Bettdecke. Der erste verheißungsvolle Moment, den das neue Jahr für ihn bereithielt, nachdem er das alte Jahr sternhagelvoll verlassen hatte und Neujahr eine einzige Quälerei mit Kopfschmerzen, Brand und einer nachhaltig verstimmten Marina gewesen war. Wann hatte ich eigentlich das letzte Mal eine Morgenlatte? Ach egal, was lange währt, wird endlich gut, sagte er sich angesichts des angenehm spannenden Gefühls in seiner Pyjamahose und hob ein wenig seine 44 Jahre alten Hüften an. Angenehm. Sehr angenehm. Sehr unvorsichtig. Der Schmerz fuhr ihm ins Kreuz. Die gottverdammte Matratze. Der gottverdammte Schreibtischjob. Seine gottverdammte Trägheit. Schon seit Jahren stand Mehr Sport! auf seiner Liste guter Vorsätze ganz oben. Gleich hinter Weniger Zigaretten! Weniger Alkohol! Noch vor Mehr auf Marina eingehen! Für das angebrochene Jahr hatte er die Liste in seinem Geiste kopiert. Was lange währt, wird vielleicht endlich gut. Marina war in dieser Beziehung weiter als er: Sie hatte an Neujahr ihre Laufschuhe entstaubt und war eine Stunde gelaufen.

Vorsichtig verlagerte Peter sein Gewicht auf seiner Seite des Bettes. Der Schmerz ließ nach. Die Latte blieb. Gesegnet seist Du guter Geist des neuen Jahres! Neben ihm regte sich Marina. Sie drehte ihm den Rücken zu, zog dabei ihre Decke mit sich, so dass nun ihr üppiger, nackter Hintern im weichen Morgenlicht, das durch die Vorhänge fiel, weiß und einladend schimmerte. Offensichtlich war ihr, die seit Monaten zum Einschlafen immer eine Wärmflasche brauchte, zum Morgen hin wieder so heiß geworden, dass sie sich ausgezogen hatte. Jetzt oder nie!, sagte Peter sich.

Seine Absicht war es gewesen, sich zu ihr umzudrehen und sie spüren zu lassen, was ihr Mann an diesem Morgen zu bieten hatte. Doch schon eine leichte Drehung seines Körpers ließ ihn reglos verharren. Was tat das weh! Als würde ihm der Rücken knapp oberhalb seiner Hüften durchgebrochen. Aber er gab nicht auf. Wann ist ein Mann ein Mann? Habe ich in meiner aktiven Zeit nicht Schlimmeres überstanden? Tief atmete er gegen den Schmerz an und wagte noch einen Versuch. Langsam und unter Schmerzen schaffte er es, sich auf die Seite zu drehen. Er begann doch tatsächlich zu schwitzen. Dann endlich war es getan – und sein bestes Stück zeigte sich gottseidank unbeeindruckt von der ganzen Schinderei. Er hob die Decke und ließ durch die Pyjamahose hindurch Marina spüren, was für ein Hengst ihr Mann immer noch war.

2. Mein Gott, jemand hat meine Beine mit Beton ausgegossen! Das war Marinas erster Gedanke, als Peter sie aufweckte. Die Lauferei (vom dem Anderen ganz zu schweigen) gestern war wohl doch etwas zu viel des Guten. Als sie einige Stunden zuvor erwacht war, weil ihr wieder einmal zu heiß gewesen war und sie auf die Toilette musste, war ihr der Muskelkater noch nicht so schlimm erschienen. Nun gut, die Unterschenkel schmerzten, als sie sich auf den kalten Klodeckel setzte. Ein wenig Ziehen in den Oberschenkeln. Aber Holá! Da lächle ich doch stolz! Nicht schlecht dafür, dass ich mich Jahre nicht mehr so bewegt habe. Von diesem stolzen Gefühl, war nun nichts mehr übrig. Sie wollte lediglich die Beine anziehen, um ein wenig kühle Luft unter die Decke zu lassen – aber… Holá die Waldfee, was für ein Muskelkater. Sie unterließ den Versuch, mit ihren Beine etwas zu unternehmen, vielmehr drehte sie sich auf die Seite. Die kühle Luft an ihrem Po tat gut, sie entspannte sich, begann, wieder einzuschlafen. Was war das herrlich, nicht zur Arbeit zu müssen.

Gerade als sie im Begriff war, über die Schwelle zum Schlaf zu gleiten, spürte sie, wie Peter sich hinter ihr rührte. Das Bett ruckte, als er sich schwerfällig auf die Seite drehte. Dabei atmete er ebenso schwer, wie er es letzter Zeit manchmal tat, wenn er eine Treppe hinaufstieg (oder wie an Weihnachten, als er sich mit dem festgefressenen Deckel eines Gurkenglases abmühte).

Es hatte eine Zeit gegeben, da hatte ihr seine Schwerfälligkeit ein ebenso zärtliches, wie besorgtes Lächeln entlockt. Verbunden mit dem mütterlichen Rat, doch endlich mal mehr Sport (oder überhaupt Sport) zu treiben. Das war lange her. Mittlerweile machte sie Peters Trägheit nur noch traurig. Nein, das war so nicht wahr. Ehrlich gesagt, machte sie die Trägheit wütend. Seine zunehmende Schwerfälligkeit erinnerte sie an ihr eigenes stetiges Zunehmen. An ihr Älterwerden. Mein Mann, mein Spiegel. Und was sie im Spiegel sah, machte sie wütend. Wo war der Elan hin? Die Leichtigkeit? Wohin meine Taille?

Was hatten sie sich früher gut ergänzt. In ihrem Hunger nach Unternehmungen. Beide waren sie gierig nach Action gewesen. Doch das hatte sich in Lauf der letzten Jahre geändert. In zunehmendem Maße war Peter nach einem langen Arbeitstag im Büro einfach froh gewesen, seine Ruhe zu haben oder mit Marina alleine (bei einem Rotwein und unzähligen Zigaretten) in der Küche zu hocken, zu erzählen und Musik zu hören. Sie aber wollte, wenn immer es denn die Kinder zuließen, auszugehen. Tanzen. Ins Kino gehen. Freunde treffen. Wollte. Denn irgendwann brachte auch sie dafür nicht mehr die Energie auf. Gemütliches Essen mit Freunden – okay. Aber Ausgehen, Tanzen… Da musste sie nur an den Abend zuvor denken: Die Mädchen bei den Großeltern, Marinas Eltern, endlich mal wieder sturmfrei, da sich selbst Lena, bei der dieses Wochenende mal keine Party angesagt war (oder mit Kumpels in der Bude chillen), überreden ließ, ihre Zeit bei den alten Herrschaften zu verbringen. Und was macht sie: Sie räumt in den Zimmern der Mädchen auf. Bügelt vor dem Fernseher. Meine Güte, ich bin zu einem langweiligen Hausmütterchen mutiert. Wie sie das hasste. Was sie das wütend machte. Auf sich selbst. Auf Peter. Kurz: Immer wenn sie in den Spiegel blickte, keimte in ihr der Verdacht auf, dass Peter sie mit seiner Trägheit angesteckt hatte. Bei Hunden und ihren Besitzern heißt es doch, Tier und Herrchen würden sich im Laufe der Jahre immer ähnlicher werden. Galt dies vielleicht auch für Paare, die seit Jahren zusammen sind?

Sie war müde, sie war ungerecht. Schließlich hatte Peter auf ihre Bitte hin den Außendienst aufgegeben, als sie mit Lena schwanger war. Lena sollte in normalen Umständen aufwachsen. Die Mutter die ersten Jahre daheim. Der Vater kommt am Abend von der Arbeit nach Hause. So hatte sie es gewollt, und sie hatte bekommen, was sie wollte. Ein normales Leben. Ein Kind, zwei Kinder. Eine normale Familie. Einen normalen Mann.
Endlich hörte Peter mit der Ruckelei auf. Er seufzte leise. Lag still. Er hatte es geschafft, lag auf der Seite. Und Marina hatte wieder ihre Ruhe. Doch dann spürte sie, wie Peter sich an sie drückte. Er war hart.

3. Heyho meine Stute, da bin ich! Das war immer eine von ihren Lieblingsstellungen gewesen. Erst sanft von der Seite, dann Marina auf alle Viere und er hinter ihr, ihren prallen Hintern vor Augen, ihre Hüften (oder wahlweise ihre langen Haare) gepackt, und fest, fest… FEST!

Na, was haben wir denn da? Lust auf einen Ausritt mein Hengst? So müde sie auch war, Peters harter Schwanz an ihrem Hintern hatte seine Wirkung noch nie verfehlt. Und insgeheim war sie froh, immer noch so leicht erregbar zu sein. Eine Langes-Vorspiel-Type war sie nie gewesen. Einmal geil, immer geil. Aber na hoffentlich! Einigen Freundinnen von mir erging es da mittlerweile anders. Die brauchten einen ordentlichen Anschub, um auf Touren zu kommen. Wenn sie denn überhaupt einmal die Lust überkam.

Marina streckte Peter ihren Hintern entgegen, griff nach hinten und umfasste mich mit geübtem Griff den freudig pochenden Stab und rieb dessen heiße Spitze zwischen ihren Pobacken. Peter wollte sich ob der deutlichen Bereitschaft seiner Frau nicht lange bitten lassen. Doch in dem Moment, als Peter sich näher an das Objekt seiner Begierde heranschieben wollte, meldete sich sein Rücken wieder. Er zuckte zusammen, stöhnte auf. Davon, sie von der Seite zu nehmen oder sie gar zu besteigen, konnte nun keine Rede mehr sein. Mehr Sport schrie jeder Muskel, jeder Knochen in seinem Leib – und sein durch den restlichen Körper gehandikapter Schwanz setzte das Ausrufezeichen dahinter!

4. Ja, war es das etwa schon?, dachte Marina enttäuscht, als Peter aufstöhnte. Doch es war keine verfrühte Ejakulation, pochend und hart lag sein Schwanz in ihrer Hand. Auf den war immerhin Verlass. Denn der Kerl, zu dem er gehörte, wälzte sich nun mühsam auf den Rücken. So haben wir aber nicht gewettet!

5. Ah, das tat gut. Ruhig auf dem Rücken liegend ließ der Schmerz in Peters Rücken nach. Jetzt fehlte ihm nur noch eins zum Glück. Also komm’ meine Stute, setz Dich auf mich! Auf dem Rücken liegen, die Hüften rhythmisch heben, während Marina im milden Morgenlicht auf ihm reitet, das würde er noch hinbekommen. Lange. Also sagte er: »Ich will Dich auf mir sehen, Deine geilen, prallen Brüste in meinem Gesicht spüren!«

6. Ich geb’ dir gleich pralle Brüste in deinem Gesicht! Da war sie wieder, diese Wut auf ihren Mann. Marina bekam ihre Beine nicht einmal hoch. Wie sollte sie sich da auf ihn hocken? »Ich…!« Doch bevor sie etwas Geeignetes auf Peters Wunsch erwidern konnte, gab es einen Höllenlärm.

Was zur Hölle? Die Fensterscheibe ihres Schlafzimmers explodierte förmlich, ein Riesenradau. Und nur einen Wimpernschlag später schwang er sich bereits durch das zerbrochene Fenster hinein. Ein ausgewachsener Vampir in all seiner nackten, unverstellten Grässlichkeit. Marina war wie gelähmt, griff haltsuchend nach Peters Arm. Dabei hatte es irgendwann passieren müssen. Dass uns die Vergangenheit einholt. Nein, das ist falsch ausgedrückt. Dass die Realität in ihre mühsam aufgebaute Normalität einbricht. Aber was hatte sie das gut verdrängt. Der Anblick des Vampirs ließ sie erstarren. Nicht nur ihre Beine, alles an ihr, in ihr, war wie mit Beton ausgegossen. Ach, ich Hausmütterchen. Schande über mich. Peter musste sich losreißen von ihr, um unters Bett zu greifen. Dann knallte es zweimal kurz hintereinander. Die Wucht der Kugeln, die in den Kopf der Kreatur eindrangen, sprengte diese förmlich auseinander. Ihre Körperfetzen bedeckten die Wände, den Boden des Schlafzimmers, ein widerliches Stück Vampirhaut landete in Marinas Gesicht. Dann zerfielen die zerstreuten Reste des Monsters zu Asche.

7. Baam, baam! Wie froh war er doch, dass er nicht auf Marina gehört hatte. Lächerlich, die Waffe unter dem Bett! Die Zeiten haben sich schließlich geändert! Ihr Wunsch nach Normalität in allen Ehren, aber in diesem Punkt hatte er sich durchgesetzt. Er hatte dem Frieden nicht getraut. Gottseidank! Und dem Schöpfer sei Dank, hatte er sich waffentechnisch auf dem Laufenden gehalten. UV-Strahlen-Projektile. So was hatten sie früher nicht. Eine feine Sache. Und was für ein Gefühl. Wieder einmal abdrücken zu können. Und dann dieser alles durchdringende, eklige Geruch von totem Vampir. Er fühlte sich Jahre jünger. Die Schmerzen in seinem Rücken waren wie weggewischt.

Hallo meine Stute! So hatte Marina ihren Mann schon lange nicht mehr lächeln sehen, als er ihr die Asche von der Wange wischte. Wie sie dieses Lächeln liebte! Im nächsten Moment war er schon über ihr. In ihr. Die rauchende Waffe noch in der Hand. Wie in alten Zeiten. Wie sie das liebte. Wie sie es in diesem Moment bereute, sich einem anderen hingegeben zu haben.

Ende der Leseprobe von Ralf Boscher (“Erstes Kapitel” aus dem neuen Romanprojekt von Ralf Boscher mit dem Arbeitstitel “Midlife Crisis Vampire Roman”)

Eine zweite Leseprobe findet Ihr hier

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