Schlagwort-Archive: Erotik

Eine Flasche im Bett

Waermflasche
„Manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre“, mit den Worten Freuds antwortete ich einem alten Freund, der mir sein Leid mit seinem Lebensgefährten klagte.

Was war passiert?

Das Corpus Delicti war eine Wärmflasche.

Sein Lebensgefährte sei eine Frostbeule, erklärte mir mein Freund. Das wäre ja eigentlich auch nie ein Problem gewesen – jedenfalls so lange ihr Schlafzimmer noch ein erotischer Ort war. Aber mittlerweile…

„Bei ihm auf dem Nachttisch liegen seine Tabletten gegen Rückenschmerzen und eine dicke Tube mit Pferdesalbe gegen seine Meniskusbeschwerden. Auf meiner Seite stehen auf dem Nachttisch japanisches Heilpflanzenöl gegen meine ständigen Erkältungen, neben einem Nasenspray liegt Iboprofen, daneben ein Krimi, damit ich wenigstens vor dem Schlafen noch ein bisschen etwas Spannendes erlebe… Ich komme mir schon vor wie so ein altes Heteropärchen!“, ätzte er, während ich in Gedanken die Dinge durchging, die bei meiner Liebsten und mir auf dem Nachttisch liegen.

„Vielleicht ist es auch einfach das Alter.“, sagte er dann, „Egal wo du hingehst, mit wem du auch redest, Wehwehchen überall – und leider bleibt es ja nicht dabei. Kaum eine Woche vergeht ohne Hiobsbotschaften. Der oder die hat Krebs, einen Schlaganfall erlitten, Diabetes ist ausgebrochen, Bandscheibenvorfall… Krankheiten und Tod wohin du nur siehst. Und da soll einer nicht empfindlich werden…“

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Buchvorstellung: „Tiefer in die Dunkelheit. Erotik, Thrill, Horror“

Ralf Boscher - Tiefer

Daphne schloss die Augen und lächelte. Der letzte klare Gedanke, bevor er das Vibrieren seiner Finger wieder verstärkte, war der, dass sie den Stadtwald gar nicht so groß in Erinnerung hatte. Die Fliegen, die über seinem Kopf kreisten, bemerkte sie nicht. Bemerkte nicht die Würmer, die bei jedem seiner Schritte aus dem feuchten Waldboden krochen. Die Käfer, die sich von dem dichten Farn fallen ließen. Die Spinnen, die ihre Nester und Jagdlöcher zurückließen und auf 8 Beinen ihnen folgten. All das Getier, das schließlich um sie herum kreuschte und fleuschte, bemerkte sie nicht, während der Lord sich seinem Ziel näherte.

„…Wer Fantasy, Horror, Sex in Büchern mag, kommt hier bestimmt auf seine Kosten.“ (Nach(t)lese auf Amazon).

„…Ich bin eine Liebhaberin von Horrorgeschichten, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie mit Andeutungen spielen und (zur Gänze) auf blutige oder schockierende Mittel verzichten. Ebenso verhält es sich mit erotischer Literatur. Auch dort genügen vage Hinweise, um eine knisternde Spannung zu erzeugen. Der Autor Ralf Boscher fordert den Leser bisweilen dazu heraus, fehlende Beschreibungen der Situation mit der eigenen Fantasie auszufüllen. Das gilt sowohl für die erotischen Elemente als auch für das Grauen, welches sich zunächst kaum spürbar manifestiert, um sich dann nur wenig deutlicher (aber dafür umfassend) seine Bahn zu schlagen…“ (Nephthys auf fantasy-foren.de).

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Lord of the Flies, aus: “Tiefer in die Dunkelheit. Erotik, Thrill, Horror”. Leseproben

Ralf Boscher - Tiefer

Daphne liebte ihren Körper, sie sah sich gerne im Spiegel an, drehte und wendete sich, folgte mit ihren Augen ihren Händen, die über ihre Haut strichen, probierte immer neue Anblicke aus, die sie mit ihrer Digitalkamera aufnahm – ob nun nackt oder in Outfits, die ihre körperlichen Vorzüge betonten. Dann bearbeitete sie die Bilder, um sich selbst in unterschiedlichem Licht zu sehen, hob mit verschiedenen Helligkeiten immer neue Facetten ihres Leibes hervor oder betonte mit Schwarz-Weiß-Bildern ihre Figur, die Mann um Mann an ihrem Profil in der Flirtline hängen bleiben ließ, wie Fliegen an den klebrigen Streifen einer Fliegenfalle.

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Ruhe im Kartong oder: WG-Leben kann so grausam sein

Ralf_Boscher_Krimi_Mordsroman_Abschied
Ja, ich muss zugegeben, dass ich mir zu dieser Zeit ein wenig Sorgen um mein sonniges Wesen machte. Die Tabletten, welche ich gegen meine Rückschmerzen schluckte, machten es wahrscheinlich auch nicht besser. Zu allem Überfluss erhielt ich zwei meiner Manuskripte von Verlagen dankend zurück, womit ich nun überhaupt nicht gerechnet hatte, war ich doch davon ausgegangen, dass ich mir den Verlag würde aussuchen können. Und Udo, ja Udo trieb es in diesen Tagen, da ich bei den Frauen kein Glück hatte, wie ein Wahnsinniger bei uns in der WG. Ausgerechnet Udo, um den doch die Frauen sonst immer einen solchen Bogen machen, wie er mit seiner Matte um den Friseur. Und wenn ich in der WG schreibe, dann meine ich auch in der WG.

Es musste doch wirklich nicht der Kühlschrank sein, und gerade zu der Zeit, da ich zumeist – wie Udo es doch mittlerweile wissen müsste – von der Arbeit nach Hause komme und gerne noch ein letztes Bier in der Küche trinke. Also, das Letzte, was ich in einer solchen Nacht noch sehen möchte, ist Udos Arsch, eingerahmt von zwei Beinen, die in der Luft hängen, untermalt von einem geradezu obszönen, so lauten Klatschen, dass ich dies eigentlich schon – wenn ich nicht so müde gewesen wäre – im Flur hätte hören müssen. Mal ganz abgesehen von Udos angestrengtem Keuchen, dem Geklirre und Geschepper im Kühlschrank und der hörbaren Freude von Udos Bekanntschaft an dieser ganzen Aktion. Als hätte dies noch nicht gereicht, schäumte mein Bier zudem über, das ich mir dann – als die Küche wieder frei war – genehmigen wollte.

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Eine Menage á trois, weißes Pulver und The Doors – neue Leseprobe aus “Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman”

Ralf_Boscher_Krimi_Mordsroman_Abschied„Johanna war Erstsemester Philosophie, hatte aber zuvor schon einige Semester Wirtschaftswissenschaften studiert. Ich lernte sie in der Cafeteria kennen, wo sie bei einer Zigarette über dem kommentierten Vorlesungsverzeichnis Philosophie saß, und sich, wie sie es ausdrückte, ansah und anstrich, was sie sich dann doch nicht ansehen würde. Sie machte einen etwas verlorenen Eindruck auf mich. Das Einzige, was sie sicher wusste, schien zu sein, dass sie Zeit bräuchte, um sich zu entscheiden, was sie denn jetzt aus ihrem Leben machen wollte (deswegen auch Philosophie als Fach, nicht da die Philosophen sich mit Lebenszielen auskennen würden, sondern da das Fach so strukturiert war, dass es einem die Zeit ließ, diese Frage wenn schon nicht zu beantworten, dann doch zu stellen). Und was sie noch sicher wusste, war, dass sie eine feste Liebesbeziehung wollte. »Bin halt hoffnungslos romantisch«, meinte sie, »Glaube halt daran, dass es jemanden da draußen gibt, einen mir vorbestimmten Jemand, mit dem ich mein Leben teilen und alt werden will.« Ob mit Männlein oder Weiblein, war dann schon wieder unsicheres, den gängigen romantischen Vorstellungen nicht entsprechendes Terrain. Als ich meinte, na, wenn bei mir auch manchmal alles zu schwimmen scheint, das wenigstens sei mir klar, schaute sie mich fragend an: »Du sagst das so sicher. Noch nie einen Typen getroffen, der dich anzog? Noch nie dieses Kribbeln gespürt, wenn die Grenzen, die einem so mühsam anerzogen wurden, zu zerfließen scheinen?« Nein, sagte ich, ich könne mir halt nicht vorstellen, einen Mann zu küssen, und dann vielleicht noch einen mit Bart. »Aber das jemand dich küsst, dich Mann mit Dreitagebart, das kannst du dir schon vorstellen?«, meinte sie schnippisch. Und dann meinte sie noch: »Stell’ dir doch nur mal vor, wie viele neue Möglichkeiten sich da für dich ergeben würden. So rein quantitativ!« Typisch Wirtschaftswissenschaftler, erwiderte ich, immer den Mehrwert im Kopf, vor lauter Quantitäten völlig die Qualität aus den Augen verlierend.

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Der Liebesbrief – eine Silvester-Kurzgeschichte. Erotik, Thrill zum neuen Jahr…

Ungekürze Kurzgeschichte aus dem Buch “Tiefer in die Dunkelheit. Erotik, Thrill, Horror” von Ralf Boscher.
Ralf Boscher - Tiefer
Der Liebesbrief

Es ist dunkel geworden, ein Glas Rotwein steht neben mir, und ich bin müde. Es ist ein wohliges Müde-Sein, weiß ich doch genau, warum ich es bin, habe ich doch wegen Dir nur so wenig Schlaf bekommen. Du. Ich denke an Dich. Gerade habe ich erneut versucht, Dich anzurufen, Deine Stimme zu hören. Aber ich konnte Dich nicht erreichen, und so schreibe ich Dir wieder einmal, von Dir, von uns, horche Deiner Stimme in mir nach, lausche auf Deine Worte, Deinen Tonfall, der nach mir greifenden Händen klingt, nach Deinen Lippen auf den meinen, Deinem Körper ganz nah …, und versuche, Dich mit meinen Worten zu berühren.

Zwei Wochen sind vergangen, seitdem sich unsere Wege kreuzten, zwei Wochen, in denen ich kaum an etwas anderes denken konnte als an unsere herrliche Nacht, unsere Silvesternacht, in der wir uns gegenseitig auf den Grund gingen und tief unter der Haut spürten. Du. Ich. Wir. Unser Begehren des anderen. Unsere Lust, das Begehren des anderen zu spüren, unsere Lust, den anderen das eigene Begehren hören zu lassen. Ach Du, wie ich Dich in der Silvesternacht erleben durfte, Du, mich hingebungsvoll in Dir, in Deinem Leben willkommen heißend …

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Zweite Leseprobe: Midlife Crisis Vampir Roman – aus Ralf Boschers Werkstatt.

Zweite Leseprobe aus dem Romanprojekt von Ralf Boscher „Midlife Crises Vampirroman“, aus dem Kapitel Von Vampiren und der großen Liebe:

Ralf Boscher - zweite Leseprobe neuer Roman
Geliebt habe ich sie, vom ersten Augenblick an! Meine eigene Oma war ja eher ein ausgewachsener Drachen. So der Typ Frau, der eine Wohnung betritt und noch vor dem ersten Hallo mit dem Finger über die obere Kante des erstbesten Bilderrahmens an der Wand streicht, um nach Staub zu fahnden. Und egal wie sehr meine Mutter vor jedem Besuch meiner Oma die Wohnung putzte, wienerte, entstaubte, meine Oma, ihre Schwiegermutter, fand immer, was sie insgeheim hoffte: Ein Zeichen der Unzulänglichkeit ihrer Schwiegertochter, ein Zeichen dafür, dass ihr alles geliebter Sohn, sie, seine Mutter, den Schoß, der alles ist, nie hätte verlassen dürfte. So wenig es mir damals auch gefiel, in ein Dorf zu ziehen – die Verwandlung meines Vaters, sein Aufblühen, jetzt da seine Mutter etliche Kilometer weit entfernt war, versöhnte mich mit der Entscheidung, an der Niederrhein zu ziehen.

Da meine zweite Oma wie meine Opas so früh gestorben war, dass ich mich nicht an sie erinnern konnte und sie somit auf mein Bild, was eine Oma sei, keinen positiven Einfluss haben konnte, war ich von Peters Wunsch, mir seine Oma vorzustellen, nicht sonderlich angetan.

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Erotik und Schreiben… Heute auf der Tagesordnung: eine erotische Szene für den neuen Roman

Erotik und Schreiben

Erotik und Schreiben


Heute Abend soll geschehen, was die Woche über nicht geschah. Die Arbeit des Tages, die einen einnimmt – und von der man viel zu viel mit nach Hause nimmt. Der Alltag, der einen beschäftigt. Was ist nicht alles zu tun, zu bedenken. Die Wäsche, die aufzuhängen ist. Die Böden, die gesaugt werden müssen. Und was nicht alles an einem Tag geschieht, das besprochen werden sollte, besprochen wird… Alles wichtig, aber heute, jetzt, alles nichtig, denn nun sollte es gelingen, einfach mal loszulassen. Nicht zu denken. Nichts zu tun. Jedenfalls nichts anderes, als das Eine. Und so soll es heute geschehen.

Wichtig ist, denke ich, die richtige Musik. Ein anregendes Ambiente. Vielleicht ein Glas Rotwein, der dann im Schein der Kerzen warm schimmert. Wichtig ist es, den Tag hinter sich zu lassen. Früher war dies vielleicht anders. Da geschah vieles spontan. Kopf und Herz waren nicht so angefüllt mit Dingen, die erledigt werden müssen. Da ließ man sich einfach mitreißen. Plötzlich war die richtige Stimmung da. Nichts schob sich zwischen dieses spontane Vibrieren und das es tun. Doch heute hängt man erst einmal die Wäsche auf. Erledigt wichtige Anrufe. Erledigt Dinge. Um sich den Freiraum zu schaffen, der sich schwerer nur spontan einstellt.

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Midlife Crisis Vampir Roman – aus Ralf Boschers Werkstatt. Ein erstes Kapitel

Leseprobe, ein erstes Kapitel aus dem Romanprojekt von Ralf Boscher „Midlife Crises Vampirroman“

Midlife Crisis Vampir Roman
Hengst und Stute

1. Nicht von schlechten Eltern! Das war sein erster Gedanke an diesem Morgen des 2. Januar, gefolgt von einem Lächeln und einem Griff unter die Bettdecke. Der erste verheißungsvolle Moment, den das neue Jahr für ihn bereithielt, nachdem er das alte Jahr sternhagelvoll verlassen hatte und Neujahr eine einzige Quälerei mit Kopfschmerzen, Brand und einer nachhaltig verstimmten Marina gewesen war. Wann hatte ich eigentlich das letzte Mal eine Morgenlatte? Ach egal, was lange währt, wird endlich gut, sagte er sich angesichts des angenehm spannenden Gefühls in seiner Pyjamahose und hob ein wenig seine 44 Jahre alten Hüften an. Angenehm. Sehr angenehm. Sehr unvorsichtig. Der Schmerz fuhr ihm ins Kreuz. Die gottverdammte Matratze. Der gottverdammte Schreibtischjob. Seine gottverdammte Trägheit. Schon seit Jahren stand Mehr Sport! auf seiner Liste guter Vorsätze ganz oben. Gleich hinter Weniger Zigaretten! Weniger Alkohol! Noch vor Mehr auf Marina eingehen! Für das angebrochene Jahr hatte er die Liste in seinem Geiste kopiert. Was lange währt, wird vielleicht endlich gut. Marina war in dieser Beziehung weiter als er: Sie hatte an Neujahr ihre Laufschuhe entstaubt und war eine Stunde gelaufen.

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