Schlagwort-Archive: Horror

Am Bodensee – Leseprobe aus “Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman”

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“Gemütliche Spaziergänge am Ufer entlang, auf einer Bank am See sitzen und Schwäne und Enten und Blesshühner beobachten und in der Sonne ihren Lauten und der Melodie meiner Aufzeichnungen lauschen, das wäre es gewesen. Dann ein Bummel durch die Altstadt. Ein Guten-Abend-Bier in einem der vielen Biergärten in milder Abenddämmerung. Oder geruhsame Abstecher mit dem gereinigten und wohlriechenden Auto ins Hinterland. In Gaienhofen vor Hesses Haus sitzen und eine Zigarette rauchen. Wie die Mönche vor langer Zeit im Kräutergarten auf der Reichenau die Gedanken gerade so gehen lassen, wie sie kommen. Oder mit dem Schiff stromabwärts und bei Schaffhausen den Rheinfall bestaunen. Gischt wie ein Lächeln im Gesicht und die Gewissheit im Herzen, dass es immer so sein wird. Das Leben ein ruhiger langer Fluss, und wenn etwas rasend den Bach runtergeht, dann ist es keine Tragödie, sondern ein Naturschauspiel, ein Postkartenmotiv.

Das wäre es gewesen, das wäre genauso gewesen, wie Imperia es mir versprochen hatte: Bleib’ auf deinem Platz, und du wirst die Welt in Händen halten! Ein wenig Konstanz wird dir gut tun! Aber eigentlich hätte ich wissen können, was von den Versprechungen einer Frau zu halten ist.

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Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? Nikolaus, Knecht Ruprecht und die höllische Nacht

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Früher habe ich mit den anderen Kindern aus der Nachbarschaft oft „Wer hat Angst vor’m Schwarzen Mann“ gespielt. „Niemand!“ hieß es damals jedesmal, und trotzdem mussten alle vor dem „Schwarzen Mann“ fliehen. So waren die Spielregeln. Und das Ende jeder Runde war gekommen, wenn der „Schwarze Mann“ – und seine stetig wachsende Helferschar – alle Kinder gefangen hatte. Es war ein Spiel, und wir hatten damals viel Spaß dabei.

Kein Spaß war es, wenn unsere Eltern mit dem „Schwarzen Mann“ drohten, der die unartigen Kinder zu sich hole. Und wenn dann am Abend des 6. Dezember diese finstere, bedrohliche Gestalt in die Häuser unseres Dorfes kam, um alle die Kinder, über die im goldenen Buch seines Begleiters Schlimmes zu lesen war, mit seiner Rute zu strafen, hatte nicht nur ich eine Höllenangst vor dem Knecht Ruprecht.

Meiner Meinung nach beruht dieser Brauch auf der Vorstellung des Jüngsten Gerichtes: für die „Seligen“ gibt es Zuckerbrot, die „Verdammten“ werden bestraft. Worauf ich hier aber vor allem hinaus will, ist, dass die von mir als böse empfundene Person als dunkle Gestalt auftrat. Und im Kontrast zum freundlichen Nikolaus, mit seinem weißen Bart und den ebenso weißen Haaren, wirkte Knecht Ruprecht sogar noch düsterer, noch bedrohlicher.

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Advent, Advent – Lesetipps

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Nun beginnt sie also wieder, die erwartungsfrohe Ankunftszeit. Für die literarische Untermalung der Vorweihnachtszeit habe ich einige Lesetipps aus meinem Fundus:

Für die Freunde des genüsslich-humorvollen Chaos’: Die Kurzgeschichte „Ein haariger Heiligabend“.

Noch mehr genüssliches Vorweihnachts-Chaos: Die Erzählung „Die Grenze des guten Geschmacks“.

Eine weihnachtliche Horrorstory (Kekse, Knochensäge und Weihnachtslieder…): „Oh Du Fröhliche“.

Viel Lesevergnügen!

Ralf Boscher

PS Downloadtipp: Als E-Book gibt es die obigen drei Geschichten bei Amazon zusammen für nur 99 Cent – bitte weiter empfehlen (hier ansehen).

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Oh Du Fröhliche – eine weihnachtliche Horror-Kurzgeschichte

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Oh Du Fröhliche

 Kurzgeschichte von Ralf Boscher

 

Leise summend legte er die gesäuberte Knochensäge an ihren Platz zurück. Oh Du Fröhliche! Bereits seit Stunden ging ihm die Melodie im Kopf herum. Er hatte konzentriert gearbeitet und sich nur wenige Pausen gegönnt. Es sollte alles perfekt werden. Das war er seinen Kunden schuldig. Das erwarteten sie von ihm. Gerade zu Weihnachten. Und weil alle wussten, dass er sie nicht enttäuschen würde, hatte er wie jedes Jahr eine Menge an Vorbestellungen abzuarbeiten. Er lächelte, und wischte sich mit dem Handrücken einen Blutspritzer von der Wange. Der Ruf als bester Fleischer der Stadt kam nicht von ungefähr. Er nahm ein langes Messer zur Hand, spitzte seine Lippen und pfiff munter vor sich hin. Oh Du Fröhliche! Sein Blick schweifte verträumt durch den Raum und verweilte dann einige Momente auf dem Fleischwolf. Und in diesem Jahr würde er etwas ganz Spezielles für seine Kunden haben. Dann machte er sich wieder an die Arbeit. Routiniert setzte er seine Schnitte, und wie so oft, wenn ihm der metallische Geruch des Blutes in die Nase stieg, erinnerte er sich lebhaft an seinen Vater. Sein ermutigend lächelnder Vater, der sich seine riesigen Hände an seiner blutverschmierten Schürze abwischte, und über den Fleischblock gebeugt, seinem Sohn die Feinheiten seiner Arbeit erklärte. Sauber trennte er die Eingeweide heraus und legte sie in eine separate Metallschüssel. Er hatte lange gebraucht, bis ihm der durchdringende Geruch keine Übelkeit mehr verursachte. Aber sein Vater hatte Geduld mit ihm gehabt. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!, pflegte er zu sagen, wenn sein Sohn wieder einmal an die frische Luft musste, um seinen Magen zu beruhigen.

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“Ich kill dich”, Stuffkamp Cola und Heavy Metal: Aus dem Roman-Manuskript “Der Knochenturm” von Ralf Boscher

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Etwas, an dem ich arbeitete, mein Niederrhein Horror-Roman “Der Knochenturm”… (aus Boschers Werkstatt)

Erstes Kapitel: Hells Bells

[...]

„Ich habe es dir gesagt, ich kill Dich, du Pisser, ich versprech’ es dir, ich hab dich mit ihr gesehen, du kleiner Wichser bist so gut wie tot!“

Und nun lag Peter mit vor Schmerz pochendem Unterleib vor Cuypers und seinen zwei lachenden Kumpels auf dem Rahmer Kirchweg und in Cuypers Augen glimmte eine Brutalität auf, welche die Möglichkeit, dass er sein Versprechen ernst meinte, schrecklich real werden ließ. Cuypers beugte sich vor, schlug Peter mit dem Handrücken aufs Auge, dann griff er in Peters Haare, zog ihn hoch, nah an seinen Mund: „Weißt du, du Wichser, ich habe sie geküsst, und sie hat mir ihre geile Zunge in den Hals geschoben!“, sagte er, „Mary ist der schärfste Fick, den ich seit langem vor’m Rohr hatte. Mein Gott diese Titten! Und sie ist Jungfrau! Und du Pizzafresse glaubst, du könntest mir da in die Quere kommen?!“

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Historisches: Das Geschwulst – Horror-Kurzgeschichte von Ralf Boscher

Historisches: Ich habe wieder einmal ein wenig in meinem Archiv geblättert. Lange ist es her, dass ich diese Kurzgeschichte schrieb. Hier das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. “Das Geschwulst”, geschrieben 1990.

GeschwulstDas Geschwulst

Dieser Schmerz war anders als gewöhnlicher Kopfschmerz, und er spürte dies, ja er wusste das wohl auch, aber wahrhaben wollte er es nicht. Er wollte gewöhnliches Kopfweh haben, (nimm ne Pille und weg sind sie), und wirklich: Anfangs ließ der Schmerz bald nach, verschwand, und er vergaß.

Aber im Laufe der nächsten Zeit litt er immer häufiger an einem schmerzhaften Druck im Kopf. Dennoch machte er sich eigentlich keine Gedanken, zumal der Schmerz weiterhin nach kurzer Zeit nachließ.

Dann wurden die schmerzfreien Perioden kürzer. Zudem dauerte es nun Tage, bis dieser Kopfschmerz ihn verließ. Jetzt gelang es ihm nicht mehr, den Schmerz zu ignorieren. Wenn er mit anderen zusammen war, wenn sie mit ihm redeten, ihn ansahen, ihn berührten, wenn sie sich im gleichen Raum aufhielten, drängte sich der Schmerz zwischen ihn und die anderen Menschen. Er fühlte sich isoliert und unsicher. Wie normal ihm doch alle erschienen. Wie beneidenswert.

Aber als die Tage der Qual vorbei und die Schmerzen abgeklungen waren, machte sich mit der Erleichterung wieder Gedankenlosigkeit breit. Und noch einige Zeit verging.

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“Mr. Crowley”, Leseprobe aus dem Roman-Manuskript “Der Knochenturm” von Ralf Boscher

Der_KnochenturmEtwas, an dem ich arbeitete, mein Niederrhein Horror-Roman “Der Knochenturm”… (aus Boschers Werkstatt)

Zweites Kapitel: Mr. Crowley

[...]

V.

Am nächsten Tag war Peter pünktlich zur Stelle. Mary und seine Freunde hatte er den ganzen Tag nicht gesehen. Aber das war Wochentags nichts Ungewöhnliches. Schule und Hausaufgaben nahmen viel Zeit in Anspruch. Einmal hatte er kurz mit Mary telefoniert, und so schön es war, ihre Stimme so lieb an seinem Ohr zu hören, so sehr rumorte auch das schlechte Gewissen in seinem Bauch. Einen kurzen Moment war er versucht gewesen, Mary von Elisabetha zu erzählen. Er wollte keine Geheimnisse vor Mary haben. Es war einfach nicht richtig. Aber die Versuchung, Elisabetha wiederzusehen, war stärker gewesen. Selbst wenn sie ihm nicht das Versprechen abgenommen hätte, nichts zu sagen, er hätte geschwiegen. Er wollte wieder spüren, was er in ihrer Nähe gespürt hatte – ohne Mary zu verlieren. Und so hatte er sich mitsamt seinem Geheimnis im Herzen nach Einbruch der Dunkelheit auf den Weg gemacht. Sein Vater war noch bei einem Kunden. So musste er nur seine Mutter anlügen, welcher er erzählte, er sei zur Bandprobe.

Die Obereyllerstraße lag verlassen da, als er vor der Rattenburg, welche verdeckt von Bäumen inmitten eines weitläufigen verwilderten Parks im Dunkeln lag, von seinem Fahrrad stieg. Nebel kam vom nahen Bruch auf, waberte dicht über die angrenzenden Felder.

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Buchvorstellung: Best of… und andere schaurige Kurzgeschichten von Monstern und Kindern

Ralf Boscher - Best of
Sie lachte laut auf. Auch der Spiegel lachte. Das hatte ihm gefallen. Das war doch mal Einsatz! In diesem Moment schlug Alex das erste Mal mit der Axt gegen die Tür: „Ich komm Zoe!“, schrie sie, und holte mit der Axt wieder aus, während Zoe sich mit der Nagelschere erneut eine Haarsträhne abschnitt…

„Diese drei Kurzgeschichten haben es wirklich in sich und greifen dabei auch noch aktuelle Themen wie den Schönheitswahn der Kinder und Jugendlichen auf… Jede Story für sich ist spannend und regt, anders als viele andere Horrorgeschichten, zum Nachdenken an. Gesellschaftliche Probleme in eine Horrorgeschichte gepackt; eigentlich traurig, dass die Storys so viel Wahrheit enthalten. … Wer auf Horrorgeschichten steht, der wird nicht enttäuscht sein. Der Autor schafft es ein schillerndes Kopfkino zu erzeugen…“ (Kathrin Bolte, Rezension auf Amazon).

“Was haben ein Spiegel, ein Stück Holz und ein totes Haustier gemeinsam? Sie alle sind die Hauptdarsteller in Ralf Boschers neuen Kurzgeschichten. Alltägliche Dinge und Begebenheiten werden hier in Horrorszenarien verpackt, die den Leser länger beschäftigen als vielleicht gedacht…” (Kubine, Rezension auf Lovelybooks)

Best of… und andere schaurige Kurzgeschichten von Monstern und Kindern

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Aus dem Kapitel „Hells Bells“, Leseprobe aus dem Romanmanuskript „Der Knochenturm“

Etwas, an dem ich arbeitete… (aus Boschers Werkstatt)
Der_Knochenturm

Das war guter Stoff. Stoff, mit dem sie arbeiten konnte. Und allmählich kristallisierte sich ein Plan heraus, der ihrer dunklen Sehnsucht nach Rache gerecht wurde. Wenn er denn aufginge, würde in Aldekerk nichts mehr so sein wie zuvor. Geformt von ihrem Schmerz würde das Dorf sein, jetzt und immerdar – und was sie über die Sprösslinge erfahren hatte, ließ sich wunderbar in ihren nächsten Roman, den Roman ihres Lebens, vielleicht den letzten Roman ihres Lebens, einbauen. Die Geschichte ihrer Rache.

Lisa hatte gleich mit ihrem ersten Roman, einem Fantasy-Liebesroman, einen Treffer gelandet, die Fortsetzungen waren sogar noch erfolgreicher gewesen. Sie hatte großes Glück gehabt. Der richtige Stoff, die richtige Schreibe zur rechten Zeit. Sie hatte einen Nerv getroffen und vor allem junge Mädchen (und deren Mütter), wenn man denn den Analysen des Verlages glauben mochte, rissen ihr die Bücher aus den Händen.

Den ersten Roman hatte sie in den vielen einsamen Stunden ihrer Jugend verfasst, aber nie jemandem zu lesen gegeben, weil sie Angst vor negativen Reaktionen hatte. Aber Monate nachdem sie Aldekerk verlassen hatte, setzte sie auf ihr Manuskript all ihre Hoffnungen.

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