Schlagwort-Archive: Horror

Imperias Lachen, Leseprobe aus dem Kapitel “Der Ritt über den Bodensee”, entnommen dem Roman “Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman”

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Ein wenig Konstanz wird dir gut tun! hatte sie mir gesagt, und: Bleib’ auf deinem Platz, und du wirst die Welt in Händen halten! Was ich aber nun in Händen hielt, war mitnichten die Welt, und gut ging es mir damit auch nicht. Einen Moment lang hoffte ich noch, dass ich mich irrte. Dem aber war nicht so. Auf ihren hochgereckten Händen aus Stein wurden weltliche wie geistliche Macht ein Raub der Flammen. Ihre Asche verwehte der Wind. Auch ihre gewaltigen, nur halb von dem gewagt geschnittenen Kleid bedeckten Brüste brannten. Das sah aus, als würden Feuerwürmer aus ihrem Ausschnitt kriechen. Ihr Gesicht war in der Hitze kaum auszumachen. Aber ihre Brüste brannten nicht nur. Vielmehr hoben und senkten sie sich, wie es bei Menschen der Fall ist, die schwer atmen, und nicht allein, dass sie also atmete, sie hatte darüber hinaus ihren Platz auf dem Podest verlassen und kam über den Steg, an dessen Ende sie normalerweise hoch über dem Hafen thronte, langsamen, gemessenen Schrittes auf mich zu. Sie hatte ja Zeit. Ich lief ja nicht weg. Lauf weg! Lauf doch endlich weg, du Idiot! schrie es zwar in mir, aber ich war unfähig, von der Bank aufzuspringen.

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Best of… eine Horrorstory über Schönheitswahn – Leseprobe

Ralf Boscher - Best of
Bring mir ihre Haare! Ihren Mund! Bring mir ihre Augen! forderte die Stimme Zoe auf. Wir wollen sie, wir brauchen sie! Und Zoe lächelte, was der Wut, die sich in ihrem Gesicht spiegelte, etwas Diabolisches verlieh, sah sich kurz um, Niemand zu sehen, gut!, und trat einen Schritt nach vorne, nun kaum mehr vom Gebüsch gedeckt, trat auf einen Ast, der laut knackend zerbrach, woraufhin Sarah sich umdrehte.

Doch bevor Sarah mit ihren schönen Augen sehen konnte, wer oder was sich ihr näherte, schlug Zoe mit Kraft und Präzision zu. Für sie fühlte es sich an, als hätte im letzten Moment vor dem Schlag eine helfende Hand nach dem Ast gegriffen und diesen genau auf jene Stelle von Sarahs Hinterkopf gelenkt, die optimale Wirkung bei möglichst geringer Zerstörung versprach. Sie war überrascht, wie leicht ihr dies von der Hand ging. Ein dumpfes Ploch, ein kurzes Aufstöhnen, und Sarah sackte ohnmächtig zur Seite. Einen Moment lang blieb Zoe mit dem Ast in der Hand über Sarah stehen. Kein Blut war zu sehen. Sarah lag auf der Seite, als würde sie schlafen. Allerdings hatte sie ihre Augen geöffnet, was Zoe einen Augenblick lang erschaudern ließ. Vielleicht hatte sie ja doch zu fest zugeschlagen?

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Buchvorstellung: “Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman”

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Bin ich ihm auf den Leim gegangen, indem ich seine Briefe, seine bei unserem Treffen geäußerten Drohungen ernst nahm? Indem ich hinter seinen Geschichten, seinem ganzen Gehabe, einen dunkel dräuenden, bedrohlich wahren Kern vermutete? Aber vielleicht bestand in Wahrheit nie eine wirkliche Bedrohung. Vielleicht war er nur ein wunderlicher Kauz, der einen Narren an mir gefressen hatte. Alles nur Fiktion, Teil seines Spiels. Wie auch immer. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Mir genügte es zu wissen, dass seine Hände so wenig fiktiv waren wie meine eigenen. Hände, die zupacken könnten, eine Bremsflüssigkeit ablassen, ein Feuer legen, ein Messer greifen…

„Der etwas andere Roman… Die einzelnen Charaktere sind gut herausgearbeitet und beschrieben, glaubhaft, wenn auch manchmal völlig abgedreht. Die zum Ende des Romans forcierten Elemente aus Krimi, Horror und Psychothriller münden in einem gewaltigen Finale der Haupthandlung; die Rahmenhandlung endet ebenfalls dramatisch. “Eine gute Geschichte. Eine Geschichte, die es wert war, veröffentlicht und gelesen zu werden” – diesem Zitat aus der Nachbemerkung schließe ich mich gerne an.“ (Peka auf Amazon).

„Skurriler Krimi… Schräge Charaktere, eine “mordsmäßig spannende Story” (Leser) und dazwischen philosophisch verstiegene Gedankengänge – das liest sich gut und frisch, ist manchem Rezensenten aber dann doch “too much”. Ausprobieren!“ (Johannes Zum Winkel auf xtme).

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Kalter Kaffee – eine Kurzgeschichte

Kaffee
Kalter Kaffee

Nerven wie Drahtseile sollte haben, wer zur Weihnachtszeit bei einem Partyservice arbeitet. Von wegen, Fest der Liebe! Bring’ mir meinen Drink’, sonst setzt es Hiebe! Manche Gäste sind wie verwöhnte Kinder, die schon zu lange auf das Christkind warten.

Aber der Gast ist Kunde, und der Kunde ist bekanntlich König. Freundlich lächelnd brachte ich also auch an jenem Abend Bier um Bier, schließlich war ich das grinsende Servicetier. Servierte flink einen Kaffee. Bitte? Ach nein, Sie wollten einen Tee. Nein? nun wollen Sie doch lieber einen Sekt, fragen, wie wohl der Gänsebraten schmeckt? Glauben Sie mir, an dem ist noch keiner verreckt!

Natürlich dachte ich dies nur im Eifer des Gefechts und lächelte dabei. Ich lief wie am Schnürchen, die Maschine stampfte und glühte. Beflissen führte ich meinen Bleistift über den Notizblock, Diener wie ich, und gehorsam nahmen wir die Bestellungen auf. Wir gingen lächelnd über jede noch so dumme Frage und dämliche Bemerkung hinweg, spielten alles herunter, was uns beleidigen könnte, um der guten Laune des Gastes keinen Stich zu versetzen.

Doch in der Phantasie, für einige Momente des Aufatmens, warf ich die Ketten zu Boden, und dort rammte ich – welch’ köstliches Bild! – den Bleistift dem nuschelnden, nörgelnden oder arrogant uns ignorierenden Gast wuchtig in die gekrönte Stirn.

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Buchvorstellung: „Tiefer in die Dunkelheit. Erotik, Thrill, Horror“

Ralf Boscher - Tiefer

Daphne schloss die Augen und lächelte. Der letzte klare Gedanke, bevor er das Vibrieren seiner Finger wieder verstärkte, war der, dass sie den Stadtwald gar nicht so groß in Erinnerung hatte. Die Fliegen, die über seinem Kopf kreisten, bemerkte sie nicht. Bemerkte nicht die Würmer, die bei jedem seiner Schritte aus dem feuchten Waldboden krochen. Die Käfer, die sich von dem dichten Farn fallen ließen. Die Spinnen, die ihre Nester und Jagdlöcher zurückließen und auf 8 Beinen ihnen folgten. All das Getier, das schließlich um sie herum kreuschte und fleuschte, bemerkte sie nicht, während der Lord sich seinem Ziel näherte.

„…Wer Fantasy, Horror, Sex in Büchern mag, kommt hier bestimmt auf seine Kosten.“ (Nach(t)lese auf Amazon).

„…Ich bin eine Liebhaberin von Horrorgeschichten, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie mit Andeutungen spielen und (zur Gänze) auf blutige oder schockierende Mittel verzichten. Ebenso verhält es sich mit erotischer Literatur. Auch dort genügen vage Hinweise, um eine knisternde Spannung zu erzeugen. Der Autor Ralf Boscher fordert den Leser bisweilen dazu heraus, fehlende Beschreibungen der Situation mit der eigenen Fantasie auszufüllen. Das gilt sowohl für die erotischen Elemente als auch für das Grauen, welches sich zunächst kaum spürbar manifestiert, um sich dann nur wenig deutlicher (aber dafür umfassend) seine Bahn zu schlagen…“ (Nephthys auf fantasy-foren.de).

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Futter für die Bestie – Zweiter Teil der Geschichte

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Zweiter Teil der ungekürzten Kurzgeschichte “Futter für die Bestie” aus der dann ebenso benannten Gruselgeschichten-Anthologie des Schreiblust-Verlages. Den ersten Teil findet Ihr hier…

Futter für die Bestie

II.

Mary bleibt am Rand der Lichtung stehen. Ihr ist nicht wohl in der Haut, nervös tritt sie von einem Bein auf das andere. Meine Güte, denkt sie beim Anblick der Skelette, im ersten Moment mehr erstaunt, als erschrocken, bin ich hier etwa auf einem Tierfriedhof gelandet, oder was? Sie beginnt, zu frieren. An diesem herrlichen Spätsommertag. Blauer Himmel, die Sonne scheint, Vögel zwitschern in den Bäumen. Aber sie hat sich den ganzen Weg über schon nicht gut gefühlt. Warum mußte Arko auch ausbüxen! Und wie das hier riecht. Eine Gänsehaut läuft ihr über den Armrücken. Und nun ist sie nicht mehr nur nervös, jetzt ist ihr unheimlich zu Mute. Plötzlich weiß sie, daß sie hier weg muß. Hier stimmt etwas nicht! Um das zu wissen, mußte ihr niemand von den Spaziergängern erzählen. Aber Arko macht noch immer keine Anstalten, zu ihr zu kommen. Und um keinen Preis auf der Welt will sie auf die Lichtung hinaus. Mary weiß sich nicht anders zu helfen, als ihn anzuschreien:

„Arko! Komm sofort her!“

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Futter für die Bestie – Erster Teil der Geschichte

Futter_Bestie_Cover
Erster Teil der ungekürzten Kurzgeschichte “Futter für die Bestie” aus der dann ebenso benannten Gruselgeschichten-Anthologie des Schreiblust-Verlages.

Futter für die Bestie

Zur Mittagszeit kamen einige Spaziergänger aus dem Bruch zurück und redeten sich in der Gastwirtschaft bei Schnaps und Alt den Schrecken von der Seele. Niemand nahm sie wirklich ernst. Der Wind kann schon tückisch sein! hieß es. Da kann man schon mal das Gefühl haben, daß plötzlich jemand hinter einem steht und einem kalt in den Nacken atmet! Und nach einigen Korn waren die Spaziergänger ebenfalls so weit, das unheimliche Gefühl, von etwas beobachtet zu werden, was man nicht selbst sehen kann, als Einbildung abzutun. Keiner glaubte, daß etwas dran sein könnte an den alten Geschichten, die sich früher um das Tote Rahm und das Galgenrahm rankten. Damals. Bevor Männer aus den umliegenden Dörfern die Sümpfe am Rande der Aldekerker Platte trocken legten, um Ackerland zu schaffen. Als es im Bruch weder Straßen noch Brücken gab, und es in Nächten ohne Elektrizität leicht fiel an Dämonen und Geisterstimmen zu glauben, die unvorsichtige Seelen von den schmalen Pfaden weg in die Sümpfe locken.

I.

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Lord of the Flies, aus: “Tiefer in die Dunkelheit. Erotik, Thrill, Horror”. Leseproben

Ralf Boscher - Tiefer

Daphne liebte ihren Körper, sie sah sich gerne im Spiegel an, drehte und wendete sich, folgte mit ihren Augen ihren Händen, die über ihre Haut strichen, probierte immer neue Anblicke aus, die sie mit ihrer Digitalkamera aufnahm – ob nun nackt oder in Outfits, die ihre körperlichen Vorzüge betonten. Dann bearbeitete sie die Bilder, um sich selbst in unterschiedlichem Licht zu sehen, hob mit verschiedenen Helligkeiten immer neue Facetten ihres Leibes hervor oder betonte mit Schwarz-Weiß-Bildern ihre Figur, die Mann um Mann an ihrem Profil in der Flirtline hängen bleiben ließ, wie Fliegen an den klebrigen Streifen einer Fliegenfalle.

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Epilog auf eine Schwiegermutter – eine Horrorstory in Versen

Epilog_Schwiegermutter
EPILOG AUF EINE SCHWIEGERMUTTER

Du wolltest nur sein Bestes,
Ich war dir nicht gut genug.
War nur zweite Wahl für dich,
Nettes Lächeln, blond, nicht klug.

Du wolltest nur sein Bestes,
Mochtest nicht, wie ich die Wäsche gemacht,
Nicht ordentlich genug gefaltet,
Über mein Bügeln hast du nur gelacht.

Du wolltest nur sein Bestes,
Mein Kochen hat dir nicht gepasst,
Kochte anders nur als du,
Schmeckte es ihm, hast du mich gehasst.

Du wolltest nur sein Bestes,
Deswegen zogst du bei uns ein,
Das Zimmer gleich neben unsrem,
Was anderes durft‘s nicht sein.

Du wolltest nur sein Bestes,
Deswegen kam ich zu dir in der Nacht,
Du sprichst sogar im Schlaf,
Aber da hatte ich ‘was mitgebracht.

Du wolltest nur sein Bestes,
Ja, selbst im Schlafe tust du‘s kund,
Ich nahm das Küchenmesser
Schnitt dir die Zunge aus dem Mund.

Du wolltest nur sein Bestes,
Und das Beste, das bin ich,
Kochen und Bügeln sind ihm egal,
Deswegen tötete ich dich.

Du wolltest nur sein Bestes,
Und das hat er nun bekommen,
Hat geholfen, dich zu vergraben,
Dann hat er mich genommen.

Du wolltest nur sein Bestes,
Und dein Bestes hast du ihm gegeben,
Wir haben nun unsere Ruh,
Für sein Glück gabst du dein Leben.

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