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XXL Leseprobe – Gelobt sei, was hart macht, aus: Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman

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Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman

Erstes Kapitel

Gelobt sei, was hart macht

1.

Am Tage meiner Geburt regnete es. Hunde und Katzen, sagte mein Opa. Das schlimmste Unwetter seit Langem. Ein einziges Blitzen und Donnern. »Brandt, dem alten Sack, hat es die Scheune weggefackelt!«, erzählte er. Und während die Freiwillige Feuerwehr ausrückte, um dem Blitzschlag geplagten Bauer Brandt beizustehen, tat ich im baufälligen Krankenhaus der kleinen Gemeinde am Niederrhein meinen ersten Schrei. Doch mochte es draußen auch gießen, als wäre das Ende der Welt angebrochen, ich trug die Sonne im Herzen. Vater hat kurz nach meiner Geburt ein Photo geschossen: meine Mutter, noch gezeichnet von den Strapazen der Geburt, im Hintergrund ein provisorisch aufgestellter Eimer, um von der Decke tropfendes Wasser aufzufangen, und ich, ich, in die Kamera strahlend wie ein sonnenfrischer Frühlingsmorgen.

Gleichwohl war nicht alles eitel Sonnenschein. Ich war ein schwächliches Kind mit weichen, leicht zu beschädigenden Knochen, die nicht in der rechten Weise wachsen wollten. Man hat meinen Wachstumsversuchen rabiat nachhelfen müssen. Einen stummen Zeugen dieser Zeit bewahre ich noch heute auf: den Abdruck eines Kinderrückens aus Gips, wie er hätte sein sollen, versehen mit mehreren Gurten, die mich an diese Form fesselten, und zwei auf der Unterseite quer genagelten Holzlatten, die verhinderten, dass ich mitsamt meiner Idealform aus dem Bett falle.

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