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Pavillonimplosion und Pflanzenexplosion – von den Schwingen des Sturmadlers gestreift

Sturmadler
Bisher sind wir hier am Bodensee von den ganz groben Unwettern verschont geblieben. Gott sei Dank. Der Sturmadler, der aus den Bergen herabstößt und die Schwüle, die über dem See liegt, mit seinen Schreien zerreißt, hat uns bislang mit seinen Schwingen nur einige Male gestreift. Aber selbst das war jedes Mal heftig genug – so wie in jener Nacht.

Ich erwache, ohne im ersten Moment den Grund dafür zu erkennen. Draußen ist alles ruhig. Alles scheint so zu sein, wie es sein soll. Nur dass ich wach bin und spüre, dass mein Herz schneller schlägt. Plötzlich höre ich ein entferntes Rauschen, ein Branden, ein Geräusch, als wenn ein nahender Zug die Luft vor sich herschiebt. Ein durchaus unheimliches Geräusch, das näher kommt. Schnell näher. Das lauter wird. Und lauter. Und dann ein Schlag. Eine Windböe, welche die Fenster zittern lässt. Die zu einem Dauerwind anhebt, der wild ums Haus streicht. Erste Gegenstände höre ich draußen auf den Boden krachen. Morsche Äste brechen. Ich sehe aus dem Fenster. In diesem Augenblick blitzt es, für einige Momente sehe ich nichts, dann schiebt sich der riesige, im Wind ächzende Schatten des Walnussbaumes im Nachbarsgarten in mein sich normalisierendes Blickfeld. Es donnert einmal, als gäbe es kein Morgen, und nun öffnet der Himmel seine Schleusen. Einem Sturzbach gleich strömt der Regen auf die Erde. Es blitzt noch einmal – und da sehe ich unseren hübschen, ein wenig altmodischen Pavillon. Nicht einmal eine Woche zuvor von zwei Leuten in anderthalb Stunden langer, beharrlicher Arbeit zusammengeschraubt. Der Pavillon tanzt über den Rasen, als wäre er einer diese Ginsterbüsche aus einem Western.

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Töte den Drachen! Teil 3. Fortsetzung-Kurzgeschichte in drei Teilen – eine Lovestory der dramatischen Art

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Dritter Teil der Kurzgeschichte
Töte den Drachen!
von Ralf Boscher

(hier geht es zum ersten Teil)

 

7.

Als ich mich endlich aus der Toilette traute, drückte ich dem nächstbesten Jecken mit einer Flasche Fusel einige Euro in die Hand und schloss mich mit dem Hochprozentigen in der vagen Hoffnung wieder auf dem Klo ein, das Gesehene ertränken zu können. Als dies offensichtlich nichts half, beschloss ich, der grausamen Wahrheit männlich ins Antlitz zu blicken. Wobei, vielleicht hatte ich mich ja auch geirrt? Vielleicht war ich so sehr auf Eva fixiert gewesen, dass ich sie sah, wo es sie nicht zu sehen gab? Ja, so hoffte ich, mein Kummer hat mir einen grausamen Streich gespielt. Eva feiert ganz woanders in unschuldiger Runde Karneval, fragt sich dabei sehnsüchtig, traurig, warum sie mich nur nicht dabei haben wollte…

Als ich wieder mit der Maske bedeckt in den Saal zurückkehrte, waren die Veränderung in der Anordnung der Dreiergruppe nur marginal. Eva – und ja, es war nicht zu leugnen, sie war es – hatte lediglich auf den Schoß des anderen Teufels gewechselt. Und da alle Faktoren, die sie zuvor lachen machten, nach wie vor vorhanden waren, lachte sie wohl nur aus dem Grunde nicht, da nun sie eine dicke Zigarre im Mund hatte und dichten Qualm ausblies.

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Töte den Drachen! Teil 2. Fortsetzung-Kurzgeschichte in drei Teilen – eine Lovestory der dramatischen Art

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Fortsetzung der Kurzgeschichte
Töte den Drachen!
von Ralf Boscher

(hier geht es zum ersten Teil)

 

5.

Ich habe die Kraft meiner Drachen tötenden Männlichkeit überschätzt oder die Kraft des Problems unterschätzt. Fortan sahen wir uns beinahe jeden Tag, was hieß, ich besuchte sie in ihrer Wohnung, wir sahen fern oder spielten Kniffel oder Ähnliches – und mit jedem Tag wurde es schwerer, mein einmal gegebenes Wort zu halten. Wenn es wenigstens einen Fortschritt gegeben hätte, wenn Eva nur so zum Beispiel weniger fest zugebissen oder manchmal nicht so hart zugeschlagen hätte. Aber wir drehten uns beständig im Kreis. Jedes Mal, wenn ich zu ihr kam (wir trafen uns nur bei ihr und nur dann, wenn wir uns zuvor verabredet hatten. Gemeinsames Ausgehen, spontane Besuche waren für Eva Ausdruck einer Nähe, die sie – noch nicht – ertrug) war es so, als wenn wir von vorne beginnen mussten. Okay, es heißt, der Weg sei das Ziel. Aber kann man mir verübeln, dass sich derlei Weisheit bei mir nicht einstellen wollte? Wenn sie mir wenigstens erlaubt hätte, sie zu küssen,

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Töte den Drachen! Teil 1. Fortsetzung-Kurzgeschichte in drei Teilen – eine Lovestory der dramatischen Art

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Töte den Drachen!

1.

Weglaufen wollte ich. Ach, wäre ich doch weggelaufen, als ich es noch vermochte.
Ich glaube, dass ich dies nicht konnte, lag daran, dass ich es nie verkraftet habe, den kleinen, verletzten Hund in meinen Armen sterben zu sehen. In seine vor Schmerz weit aufgerissenen Augen blicken zu müssen, ohne etwas tun zu können. Wie alt war ich damals? Vielleicht 5. Vielleicht etwas älter. Ich war auf dem Weg zu meinem besten Freund. Wie oft hatten mir meine Eltern eingebläut: Schau links, schau rechts, und noch einmal links, wenn du über die Hauptstraße gehst. Und wie ich jedes Mal schaute. Aber dieser kleine Hund hatte nicht geschaut. Mit zerbrochenen Knochen lag er im Straßengraben. Ich sah ihn, als ich noch einmal nach links blickte. Sein Hinterlauf war zerquetscht, er blutete aus mehreren Wunden, jaulte herzerweichend. Ich eilte zu ihm. Doch wusste ich nicht, was ich tun sollte. Ich streichelte seinen Kopf, rief um Hilfe. Aber kein Erwachsener kam. Und während ich seinen Kopf streichelte und der kleine Hund mich mit seinen weit aufgerissenen, feuchten Augen anblickte, spürte ich verzweifelt, dass sich seine zarte Brust immer langsamer hob und senkte. Ich sah es in seinen Augen. Er starb. Ich nahm ihn vorsichtig in meine Arme, benetzte sein Gesicht mit meinen Tränen, hoffte, dass meine Berührung, ihn durchhalten lässt, bis jemand vorbeikommt, der ihm helfen kann. Doch niemand kam. Niemand half ihm. Und so starb er, nachdem er mir ein letztes Mal in die Augen geblickt hatte. Er jaulte nicht mehr, seine kleine Brust hörte einfach auf, sich zu heben und zu senken. Sein Blick brach, und ich brauchte Stunden, bis ich ihn losließ. Erst als meine besorgten Eltern nach mir suchten, weil ich auch nach Einbruch der Dunkelheit noch nicht wieder daheim war, und sie mich im Straßengraben fanden… – erst als meine Mutter mich in den Arm nahm, hörte ich auf, dem kleinen Hund über den Kopf zu streicheln. Doch sein letzter Blick ließ mich nicht los.

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Das Jojo-Herz – Leseprobe aus Boschers Roman über Liebe, Tod und Teufel


Leseprobe aus dem Roman „Engel spucken nicht in Büsche: Roman über Liebe, Tod und Teufel“ von Ralf Boscher (aus dem Kapitel “Das Jojo-Herz”).

 

Das Jojo-Herz

I.

 

Etwa zur selben Zeit, da Krish schreiend erwachte, wurde Tanja beerdigt. Der Pfarrer, der sie getauft hatte, bei dem sie die erste heilige Kommunion empfangen und der sie zur Firmung begleitet hatte, begrub sie auch.

Den Sonntag zuvor hatte er aus gegebenem Anlass über ein, bei vielen seiner Schäfchen seiner Meinung nach in Vergessenheit geratenes Jesuswort gepredigt: Wer ohne Sünde sei, werfe den ersten Stein! Denn es war bekannt geworden, was mit der kleinen Stewens geschehen war, und vor allem unter welchen Umständen. Daraufhin waren einige Gemeindemitglieder an den Pfarrer herangetreten und hatten es als seine Pflicht bezeichnet, hier eindeutig und unmissverständlich, unmissverständlich! Stellung gegen Abtreibung zu beziehen. Es sei geradezu eine moralische Notwendigkeit, der kleinen Stewens das kirchliche Begräbnis zu verweigern, habe sich ihre Familie auch noch so verdient um die Gemeinde gemacht, und sei das alles auch noch so tragisch, denn solcherlei Frauen seien wegen ihrer sündigen Tat unweigerlich, unweigerlich! aus dem Schoß der Kirche zu entfernen.

 

II.

 

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Die Seite 99 aus „Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman“

Ralf_Boscher_Krimi_Mordsroman_Abschied
Die Idee bei einem unbekannten Roman die Seite 99 zu lesen, um sich von der Qualität zu überzeugen, geht auf den britischen Autor Ford Maddox Ford (u.a. „Keine Paraden mehr“) zurück. Gefällt einem diese Seite, will man erfahren, was auf den 98 Seiten zuvor geschah, wird man neugierig auf das, was noch folgen mag. Das erste Mal von dieser Idee von Maddox habe bei Béla Bolten gelesen. Auf der Internetplattform Seite 99 findet Ihr viele entsprechende Leseproben.

Und hier nun die Seite 99 meines zweiten Romans „Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman“:

“Sie hätte mich ja auch wirklich sehr gern. Richtig verliebt hätte sie sich in mich. Doch dann sagte sie, in einem Tonfall, als wäre dies das Selbstverständlichste auf der Welt, ja, gerade als sie ihre liegende Haltung verlassen hatte und auf mir sitzend ihre Arme und Beine um mich schlang, da meinte sie mir ins Gesicht lächelnd: »Ich habe meinem Freund die letzten Tage so viel von dir erzählt, er ist schon ganz gespannt, dich kennenzulernen!«

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Buchvorstellung: Engel spucken nicht in Büsche. Roman über Liebe, Tod und Teufel

Ralf Boscher - Engel
Es war nach Mitternacht. Ein kräftiges, ein leuchtendes, ja beinahe ein brennendes Rot schoss hervor. Krish konnte sie riechen. Er spürte den Hauch ihres Atems auf seinem Arm. Ihm schauderte. Seine Augen tasteten über die Leinwand. Der dicke Borstenpinsel zuckte hinterher. Wo mochte Helen sein? Seit drei Jahren etwa kannte er sie jetzt, und sie war in dieser Zeit öfter, nur einen kurzen Abschiedsbrief hinterlassend, für einige Wochen verschwunden. Aber dieses Mal erschien ihm die Zeit ihrer Abwesenheit unerträglich lang.

Anfangs hatten ihn Zeilen wie: Mach’ Dir keine Sorgen, Liebster, bin wieder on the road! Weiß’ nicht, wann ich wiederkomme! zutiefst getroffen. Auch wenn Helen ihm jedes Mal versichert hatte, zurückzukommen, so hatte ihn ihr eigensinniges Handeln zunächst sehr gekränkt.
Aber dieses Gefühl hatte von Mal zu Mal an Raum in seinem Herzen verloren. Denn schließlich war sie bisher wirklich jedes Mal zu ihm zurückgekehrt. Um so stärker war stattdessen die Sehnsucht nach ihr in Krish gewachsen.

Doch nun verspürte Krish zum ersten Mal neben dieser schon fast schmerzhaften Sehnsucht eine Empfindung, die er bislang nicht mit Helen in Verbindung gebracht hatte. Denn noch niemals zuvor hatte er sich um sie gesorgt.

Leserinnen- und Lesermeinungen zu Ralf Boschers erstem Roman:

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Am Niederrhein – Leseprobe aus “Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman”

Brigittenhauschen

“Kassandra war auch so eine. Ich meine, auch sie wurde befragt. Denn sie war die beste Freundin von Julia gewesen. Und so trafen wir uns vor dem Zimmer unseres Psychologen, und da wir uns über Julia flüchtig kannten, kamen wir zuerst ins Gespräch und dann vom Höcksken aufs Stöcksken.

Das mit Julia ging ihr auch an jenem Tage nah. »Ich hab‘ überhaupt nicht gemerkt, dass es ihr so dreckig ging«, weinte sie in meinem Arm, als wir in meinem Auto saßen, »Sie war doch frisch verliebt!«, seufzte Kassandra.

Dem traurigen Anlass, der uns zusammengeführt hatte, und auch dem Ort entsprechend, den ich – auf Kassandras Bitte hin – angesteuert hatte, nämlich einen Feldweg in Sichtweite jenes nun stoppeligen Feldes, auf dem Julia in goldreifem Weizen ihr Ende gefunden hatte, legte ich meine Doors-Cassette in das Autoradio ein. This ist the end my only friend sang Jim Morrison, aber in diesen Minuten fing die Geschichte zwischen Kassandra und mir an.

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Buchvorstellung: “Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman”

Ralf_Boscher_Krimi_Mordsroman_Abschied

Bin ich ihm auf den Leim gegangen, indem ich seine Briefe, seine bei unserem Treffen geäußerten Drohungen ernst nahm? Indem ich hinter seinen Geschichten, seinem ganzen Gehabe, einen dunkel dräuenden, bedrohlich wahren Kern vermutete? Aber vielleicht bestand in Wahrheit nie eine wirkliche Bedrohung. Vielleicht war er nur ein wunderlicher Kauz, der einen Narren an mir gefressen hatte. Alles nur Fiktion, Teil seines Spiels. Wie auch immer. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Mir genügte es zu wissen, dass seine Hände so wenig fiktiv waren wie meine eigenen. Hände, die zupacken könnten, eine Bremsflüssigkeit ablassen, ein Feuer legen, ein Messer greifen…

„Der etwas andere Roman… Die einzelnen Charaktere sind gut herausgearbeitet und beschrieben, glaubhaft, wenn auch manchmal völlig abgedreht. Die zum Ende des Romans forcierten Elemente aus Krimi, Horror und Psychothriller münden in einem gewaltigen Finale der Haupthandlung; die Rahmenhandlung endet ebenfalls dramatisch. “Eine gute Geschichte. Eine Geschichte, die es wert war, veröffentlicht und gelesen zu werden” – diesem Zitat aus der Nachbemerkung schließe ich mich gerne an.“ (Peka auf Amazon).

„Skurriler Krimi… Schräge Charaktere, eine “mordsmäßig spannende Story” (Leser) und dazwischen philosophisch verstiegene Gedankengänge – das liest sich gut und frisch, ist manchem Rezensenten aber dann doch “too much”. Ausprobieren!“ (Johannes Zum Winkel auf xtme).

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