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Am Bodensee – Leseprobe aus “Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman”

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“Gemütliche Spaziergänge am Ufer entlang, auf einer Bank am See sitzen und Schwäne und Enten und Blesshühner beobachten und in der Sonne ihren Lauten und der Melodie meiner Aufzeichnungen lauschen, das wäre es gewesen. Dann ein Bummel durch die Altstadt. Ein Guten-Abend-Bier in einem der vielen Biergärten in milder Abenddämmerung. Oder geruhsame Abstecher mit dem gereinigten und wohlriechenden Auto ins Hinterland. In Gaienhofen vor Hesses Haus sitzen und eine Zigarette rauchen. Wie die Mönche vor langer Zeit im Kräutergarten auf der Reichenau die Gedanken gerade so gehen lassen, wie sie kommen. Oder mit dem Schiff stromabwärts und bei Schaffhausen den Rheinfall bestaunen. Gischt wie ein Lächeln im Gesicht und die Gewissheit im Herzen, dass es immer so sein wird. Das Leben ein ruhiger langer Fluss, und wenn etwas rasend den Bach runtergeht, dann ist es keine Tragödie, sondern ein Naturschauspiel, ein Postkartenmotiv.

Das wäre es gewesen, das wäre genauso gewesen, wie Imperia es mir versprochen hatte: Bleib’ auf deinem Platz, und du wirst die Welt in Händen halten! Ein wenig Konstanz wird dir gut tun! Aber eigentlich hätte ich wissen können, was von den Versprechungen einer Frau zu halten ist.

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Historisches: Es geschah Anno Domini 1983 – “Eine Gesellschaft”, die erste Kurzgeschichte von Ralf Boscher

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Eine Gesellschaft

1. Mit der ihm eigenen ruhigen Arroganz gab Hermann der Maior Domus einige letzte Anweisungen und sorgte dafür, dass alles nach den Wünschen seiner Herrin hergerichtet wurde. Unter seinem strengen Blick eilten zwischen den Säulen der in weißem Marmor gehaltenen Halle weißgekleidete Bedienstete geschäftig hin und her. Manche hielten in ihren behandschuhten Händen silberne Schüsseln angefüllt mit kulinarischen Delikatessen aus allen Teilen der Erde. Andere trugen in kleinen Gruppen die Blumendekoration an die vom Maior Domus dafür ausgesuchten Stellen. Wieder andere stellten begleitet von Gezwitscher eine Voliere mit Singvögeln auf. Instrumente wurden herumgetragen, der Violinist des Kammermusikensembles spielte sich ein. Endlich klatschte Hermann in die Hände. Stille trat ein. Einen kurzen Moment verstummten sogar die Vögel. Es war Zeit, dass jeder an seinen Platz ging. Das Fest konnte beginnen.

Limousinen fuhren vor. Portiers bemühten sich um die geschätzten Gäste: Würdevoll öffneten sie die Wagentüren und verhalfen den Damen der Gesellschaft zu einem angenehmen und angemessenen Ausstieg, geleiten sie und ihre Männer oder Begleiter in die Villa hinein. Kammermusik erklang dezent aus wohl gepflegten Instrumenten. Die Empfangshalle erstrahlte durch die vielen Lichtreflexe, die die Geschmeide der Damen zauberten. Champagner wurde gereicht. Leise unterhielt sich die wachsende Zahl Gäste. Der Umgang war würdevoll und dezent. Nur selten war ein leises Lachen zu hören, während alle auf das Erscheinen der Hausherrin und Gastgeberin warteten.

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Der Liebesbrief – eine Silvester-Kurzgeschichte. Erotik, Thrill zum neuen Jahr…

Ungekürze Kurzgeschichte aus dem Buch “Tiefer in die Dunkelheit. Erotik, Thrill, Horror” von Ralf Boscher.
Ralf Boscher - Tiefer
Der Liebesbrief

Es ist dunkel geworden, ein Glas Rotwein steht neben mir, und ich bin müde. Es ist ein wohliges Müde-Sein, weiß ich doch genau, warum ich es bin, habe ich doch wegen Dir nur so wenig Schlaf bekommen. Du. Ich denke an Dich. Gerade habe ich erneut versucht, Dich anzurufen, Deine Stimme zu hören. Aber ich konnte Dich nicht erreichen, und so schreibe ich Dir wieder einmal, von Dir, von uns, horche Deiner Stimme in mir nach, lausche auf Deine Worte, Deinen Tonfall, der nach mir greifenden Händen klingt, nach Deinen Lippen auf den meinen, Deinem Körper ganz nah …, und versuche, Dich mit meinen Worten zu berühren.

Zwei Wochen sind vergangen, seitdem sich unsere Wege kreuzten, zwei Wochen, in denen ich kaum an etwas anderes denken konnte als an unsere herrliche Nacht, unsere Silvesternacht, in der wir uns gegenseitig auf den Grund gingen und tief unter der Haut spürten. Du. Ich. Wir. Unser Begehren des anderen. Unsere Lust, das Begehren des anderen zu spüren, unsere Lust, den anderen das eigene Begehren hören zu lassen. Ach Du, wie ich Dich in der Silvesternacht erleben durfte, Du, mich hingebungsvoll in Dir, in Deinem Leben willkommen heißend …

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An der Schwelle. Abschied. Mordsroman-Aktion zum Jahresende

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Rückblick. Bald schreiten wir wieder über eine Jahresschwelle. Was nehmen wir mit aus dem sich verabschiedenden Jahr? An Freude und Glück, an Kummer und Schmerz? An Hoffnungen für das kommende Jahr? Was lassen wir zurück? Würden wir gerne zurücklassen, wenn wir es denn könnten? An der Schwelle. Abschied. Hoffentlich im Herzen lächelnd. Gelassen betrachtend, was war. Gelassen erwartend, was kommt. Morgen. Dann.

Als Schriftsteller möchte ich das Jahr gerne mit einer Aktion für alle Leserinnen und Leser verabschieden. Somit gibt es meinen zweiten Roman „Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman“ als eBook bei Amazon vom 29. bis zum 31. Dezember kostenlos. Viel Lesefreude – und ein frohes, glückliches, gesundes neues Jahr! Eurer Ralf

»Werd’ ich nie vergessen, diesen Anblick! Und dann seh’ ich mich um: Alles verbrannt, verrußt, verraucht, aber der Kleine hier…«. Er tätschelte Hassos Kopf. »Der Kleine hier, völlig intakt. Steht einfach in der Ecke ‘rum. Nicht ein Brandfleck. Das gibt doch Anlass zur Hoffnung und ist Ansporn, sage ich!«, sagte Gerdas Mann und sah uns der Reihe nach an, während Vater ihm noch einen Kurzen einschenkte. »Hoffnung und Ansporn sage ich. Denn wenn so etwas geschehen kann…!« Er schwenkte Hasso vor unseren Gesichtern. »Dann lohnt es sich immer die Arschbacken zusammenzukneifen und rein ins Feuer. Denn beim nächsten Mal ist es vielleicht nicht nur ein Plüschhund, sondern ein Kind, das man ‘rausholt, nicht wahr!«

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Ein Pub in Clonakilty oder der brennende Engel, John Connolly – Rezension

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Kennt Ihr das De Barra in Clonakilty (Geburtsstadt des irischen Freiheitskämpfer Michael Collins)? Ein gemütlicher Pub, damals 2001 noch verraucht und meist Freitags der Auftrittsort von Noel Redding (verstorben 2003), ehemals Bassist der Jimi Hendrix Experience. Dort an der Theke des De Barra, einen Tag nachdem ich Noel Redding live gesehen hatte, erzählte mir ein Einheimischer bei einem Guinness (oder zwei) mit hörbarem Stolz in seiner Stimme von einem jungen irischen Schriftsteller. So gut, nein besser wie Stephen King (über den wir ins Gespräch gekommen waren, er hatte Friedhof der Kuscheltiere in meiner Manteltasche gesehen, meine Reiselektüre).

John Connolly würde der junge Ire heißen, seine Romane seien düster, sehr spannend, viel Gewalt, dämonisch ginge es zu. Kurz: Er weckte mein Interesse, und wieder daheim erinnerte ich mich an diesen Buchtipp. Das schwarze Herz. Gekauft. Verschlungen. Das dunkle Vermächtnis. Gekauft, verschlungen. Der Ire im Pub hatte nicht untertrieben (obwohl ich Connolly nicht über King stellen würde): sehr düster geht es in den Romanen zu, die in Charlie Parker eine Hauptfigur haben, die von dunklen Schatten getrieben ist wie kein anderer „Serienheld“, den ich kenne. Getrieben vom Verlust seiner ersten Frau und seines Kindes, von der Rache an den Schuldigen, getrieben vom Bösen, welches ihn, den ehemaligen Cop, jetzigen Privatdetektiv, ob in menschlicher oder dämonischer Form immer wieder findet.

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