Schlagwort-Archive: Glosse

„Schau doch mal Alter, was für ein Panorama…“

Schau_Alter_Panorama
Originalton auf der Fähre nach einem offensichtlich entspannten Ausflug am Bodensee mit dem Fahrrad: „Schau doch mal Alter, was für ein Panorama…“

Nach einem wie gewohnt stressfreien Arbeit als Werbetexter, der neben viel Freude an kreativer Textarbeit auch die Befriedigung gut auf wichtige Deadlines zugeschnittene Arbeitsabläufe mit sich brachte, fuhr ich um kurz vor 19 Uhr von Konstanz mit der Fähre nach Meersburg. Die Alpen mit ihrem vom Bodensee aus gesehen visuellen Höhepunkt, dem Säntis, waren gut zu sehen. Föhn schien im Anzug. Der Tag war bisher klimatisch unbeständig gewesen. Der Wind trieb die Wolken wild vor sich her über den See. In einem Moment strahlte die Sonne. Im nächsten Augenblick drohte ein Regenguss. Stand man im Wind, so fröstelte es einem. Im nächsten Moment erhitzte einen für ein paar windstille Atemzüge die durch die Wolken brechende Sonne. Doch nun am frühen Abend schwebten kaum noch Wolken über den Bodensee. Die Sonne hatte sich durchgesetzt. Blau. In welchem Blau strahlte der See. Und so nah die Berge…

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Auch Du Brutus? Von Rauchern und Nichtrauchern

Raucher_Nichtraucher
Ach die Nichtraucher, zur Zeit gibt es immer mehr von ihnen. Das ist wie mit der Grippe. Nur später. Nicht im Herbst. Sondern nach Neujahr. Jahr für Jahr kommt diese Welle. Und geht meist schnell wieder vorbei. Ganz ohne Impfen. Dabei wäre es natürlich vernünftig, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Und natürlich ist es vernünftig, mit dem Rauchen aufzuhören. Nie zu beginnen. Und so handeln alle, die mit dem Rauchen aufhören, sehr vernünftig. Der Mensch ist das „animal rationale“. Also nachgedacht, und gut ist. Kommt in Wellen, wie gesagt. Dieses vernünftige Nachdenken – und vor allem, sich seine Vernunft zur Richtschnur seines Handelns zu machen. Adé Zigarette. Und weil in diesem Jahr die Welle bei vielen noch nicht am Strand der Rückfälligkeit gebrochen ist, ist das „Aufhören“ auch jetzt noch Thema. Wie gesagt, es ist eine Epidemie. Selbst er, den man seit Jahrzehnten nur als Raucher kannte – basta, fini. Auch Du Brutus?, denkt man, während er mit den Schultern zuckt, an seiner Cola Zero nuckelt (noch so eine Epidemie) und man selbst mannhaft sein Bier nimmt und hinaus in die Kälte geht.

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Oh Gott, sie haben die Verpackung verändert

Damenbinden_Verpackung_geaendert
Früher oder später trifft es wahrscheinlich die meisten Männer. Das erste Mal, da ihn, sagen wir auf der Arbeit, zum Beispiel eine sms erreicht: „Schatz, bringst Du mir bitte Binden mit“ (oder Tampons oder Slipeinlagen…). Und so fährt man nach der Arbeit ahnungslos zum nächstgelegenen Drogeriemarkt, geht lächelnd wohlgemut durch die Auslagen, bis man das Regal für Frauenhygienartikel findet.

„Schatz, bringst Du mir bitte Binden mit“

Ja, aber gerne doch. Doch welche?

Erst steht man staunend vor dem Regal. Was es nicht alles gibt! Normal, Ultra dies, ultra das. Maxi. Mini. Mit Flügeln. Ohne Flügel. Ohne Duft oder mit Duft. Mit diesem oder jenem Duft. Und die ganze Auswahl wird potenziert durch die verschiedenen Anbieter. Wohin man auch blickt, Pastelltöne in betäubender Vielfalt.

Dann überkommt einen eine gewisse Panik, während man mit dem inneren Augen ins heimische Bad wandert. Wie sieht noch einmal die nun offenbar leere Packung Binden daheim aus? Waren da nicht Grüntöne? Oder doch eher ein leichter Stich ins Bläuliche? Pink? Ja, Pink. Richtig pink oder doch eher eine Nuance Altrosa? Oh Gott, und welcher Anbieter?

Man könnte nun natürlich zum Handy greifen und die fehlenden Informationen bei seiner Frau abrufen. Aber gibt man sich eine solche Blöße?

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Was ich an Frauenzeitschriften nicht leiden kann

Frauenzeitschriften
Um es gleich festzustellen: Ich lese gerne Frauenzeitschriften. Nicht nur beim Arzt. Habe ich immer schon getan. Es gibt eine Menge Nützliches zu erfahren. Über Frauen. Und über Allerlei. Interessante Geschichten, spannende Lebensläufe – da blättere ich gerne hinein.

Aber was ich überhaupt nicht leiden kann: All diese eingeklebten Pröbchen, Duft-Appetizer, die Nase-Neugierig-Macher. Puh. In ihrer Mischung manchmal schwer zu ertragen. Was da für Dämpfe zwischen den Seiten aufsteigen. Appretur, Lackfarben-Ausdünstungen sind nichts dagegen. Olfaktorischer Overkill. Und mit tränenden Augen liest sich schlecht. Zudem: Wie soll man denn da einfach mal durchblättern, wenn die Zeitschrift immer zur nächsten eingeklebten Probe springt? Wenn immer diese Doppelseiten aufklappen, wo auf der einen Seite Werbung mit einem geruchsintensiven Lesezeichen prangt…

Man nimmt ein Heftchen zur Hand und fast automatisch landet man bei einer dieser Doppelseiten – und je dicker die eingeklebte Probe ist, umso zwangsläufiger. Und ich habe nicht den Eindruck, dass die Artikel daneben die je interessantesten des Heftchens sind. Vielleicht alleine schon deswegen nicht, weil nichts von der Werbung ablenken soll…

Das empfinde ich als penetrant. Ob es nur mir als Mann so geht? Eine repräsentative Umfrage der Frauen im Haus hat ergeben: Nein. 100% Zustimmung.

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Ein Schriftsteller beim „Perfekten Dinner“ – Boscher zum Casting eingeladen

Perfektes_Dinner
Mich erreichte eine sehr nett formulierte E-Mail, Betreff „Anfrage für Das perfekte Dinner am Bodensee“. Inhalt: „Bei meiner Recherche bin ich auf Sie gestoßen. Als Schriftsteller wären Sie ein spannender Kandidat für uns. Vielleicht kochen Sie ja auch gerne.“ Absender: die Produktionsfirma, welche für einen privaten Sender die Sendung „Das Perfekte Dinner“ herstellt.

Boscher beim „Perfekten Dinner“? Im TV? Warum nicht?

Ich bin natürlich geschmeichelt – „ein spannender Kandidat“… und was sich für Perspektiven ergeben… Wie viele Zuschauer hat wohl die Sendung? Wie vielen Menschen könnte ich mich als Schriftsteller präsentieren… Ich eloquent, charmant witzig am Herd werkelnd. Jeder Handgriff untermalt von literarischen Bonmots – nicht übertrieben natürlich. Eben gerade genau richtig dosiert, dass der Zuschauer neugierig wird. Ach, von diesem sympathischen und gut aussehenden Kerl möchte ich aber wirklich etwas lesen…

Und wohl dosiert würde natürlich das Menü sein, meiner Schriftsteller-Laufbahn folgend: Eine leckere Vorspeise vom Niederrhein, die mir Anlass geben würde, eine kleine Anekdote zum Besten zu geben, aus welcher Idee heraus die Niederrhein-Kapitel meines zweiten Romans entstanden sind (und die Ideen des Romans, an dem ich zur Zeit arbeite). Um dann überzuleiten zu den Bodensee-Kapiteln meines Romans und einem entsprechend für die Region typischen Gericht als Hauptspeise. Bevor letztendlich die Speisefolge mit einer bergischen Kaffeetafel gekrönt wird, die mir Anlass gibt, auf meinen ersten Roman einzugehen (und Hinweise zu den Wuppertal Kapiteln meines zweiten Romans einzustreuen).

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Das sind so die Momente… Fähre voll und meine Romanidee ist auch futsch

Faehreschnellkurs

Ich hatte so ein paar Ideen für einen Vampirroman – mehr als ein paar Ideen, einzelne Kapitel sind bereits geschrieben. Ja, und dann…

Als ich damals an meinem ersten Roman schrieb, in dem ein wichtiges Thema „Abtreibung“ ist, habe ich mich geweigert, John Irvings „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ zu lesen, obwohl er damals mein Lieblingsautor war (und auch heute noch einer meiner Alltime-Faves ist). Einige Jahre zuvor hatte er dieses wirklich tolle Buch (wie ich heute weiß, da ich es schließlich glücklicherweise sofort nach Fertigstellung meines Romans doch gelesen habe) veröffentlicht, und nachdem ich die anderen greifbaren Bücher von ihm schon verschlungen hatte, schlich ich um „Gottes Werk“ herum wie der Teufel um eine sündige Seele. Aber ich riss mich zusammen. Kaufte zwar das Taschenbuch – aber ich las es nicht. Denn bei ihm wie bei mir war ein Thema „Abtreibung“, und ich hatte einen Höllenschiss, mich zum einen von meinem Lieblingsautor beeinflussen zu lassen (ich Narr damals, glaubte ganz naiv an so etwas wie „originäre Schöpfung“, an meinen eigenen gänzlich „unbeeinflussten“ Roman), zum anderen fürchtete ich, kein eigene Zeile mehr aufs Papier zu bekommen, wenn ich gelesen hätte, wie Irving das Thema anpackt.

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Hut ab! Vorbilder – nicht nur bekannt aus Funk und Fernsehen

Vorbilder_Leuchtturm
Menschen, die – oftmals unter Einsatz des eigenen Lebens – anderen Menschen helfen. Schriftsteller, deren Bücher von vielen Menschen gelesen und geliebt werden. Musiker, die mit ihren Songs ganze Generationen berühren. Wissenschaftler, die die kompliziertesten Sachverhalte auf den Begriff bringen. Sportler, die so begabt und gut trainiert sind, dass sie Höchstleistungen verbringen. Ein junges Mädchen, das es mit selbst gefilmten Beautytipps-Videos zum Youtube-Star schafft. Und… Oder…

Leuchttürme, die anderen Menschen einen gangbaren Weg zeigen.

Menschen, die in einer Welt, die reich an Armut jeglicher Art ist, die Fülle dessen zeigen, was es bedeuten kann, Mensch zu sein. Menschen, die bewundert werden. Die für andere Menschen Vorbilder sind. Denen nachgeeifert wird.

Aber man muss gar nicht weit gehen oder in die Ferne sehen, um solch besondere Menschen zu erleben. Menschen, deren Handlungen und Haltung einen berühren. Die man bewundert und für sich selbst als vorbildlich empfindet.

Ein junges Mädchen zum Beispiel, das dem Gruppendruck widersteht – und das auf dem Schulhof, auf dem Schulweg, auf einer Party die wieder und wieder angebotenen Zigaretten ausschlägt.

Ein Junge, der der eigenen Angst widersteht und „Nein!“ sagt gegen den Hass und sich schützend vor den hilflosen Fremden stellt. Ein mutiger Junge, der auf der Straße, im Bus, in der Bahn, im ganz realen Leben „Nein zum Fremdenhass! sagt und sich so selbst der Gefahr durch den wütenden Mob aussetzt.

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Vom Höcksken aufs Stöcksken… Von LPs zu YouTube, von „Balls To The Wall“ bis „Darm mit Charme“…

Youtube_Topik
Ich bin ein echter Fan von Musik-Assoziationsabenden. War ich immer schon, schon zu Schallplatten-Zeiten. Nette Menschen zu Besuch, man plaudert bei einem Getränk über dies, über das. Lächeln hier, Lächeln dort. Einer sagt etwas, das nach „Hoooh ho hoooo!“ klingt (vielleicht war es auch nur der etwas unartikulierte Hinweis, aufs Klo zu müssen). Jedenfalls sagt ein anderer: „Das erinnert mich jetzt aber an Balls To The Wall.“ „An was?“ „Sag bloß, Du kennst Accept nicht?“

Ja, und schon geht er los, der Streifzug durch die Musikgeschichte, durch die Plattensammlung. Die einen headbangend zu „Balls To The Wall“ („Sign of Victoryyyyyyyyyyyyyyyy!“), die anderen kopfschüttelnd ob einer generellen Abneigung gegenüber grandiosem Heavy Metal. „Ist ja schon irgendwie stumpf!“ Pah. Die nächste LP wird aus dem Regal gezogen. „Stumpf, pah! Die bauen sogar Beethoven ein! Hört euch das mal an…“ Und schon wandert „Metal Heart“ auf den Plattenteller. Was das Kopfschütteln nur bedingt eindämmt, aber zu noch mehr Headbangen führt. „Apropos Beethoven…“ – wird dann der nächste Ball ins Spiel geworfen – „Kennt jemand Difficult to Cure?“ „Kennen?“, so der Herr über die umfangreiche Plattensammlung, in dessen Bude wir gesellig zusammensitzen. „Ich hab die Live-Aufnahme mit Orchester da, Tokyo Budokan 1984!“

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Ralf Boscher, sind Sie zufrieden mit ’10 Stück Mäusefallen‘?

Mäusefallen_Luna
Eigentlich wollte ich heute Abend, nachdem ich aus der Werbeagentur an meinen privaten Schreibtisch heimgekehrt bin, über Musik schreiben. Aber dann flatterte diese nette E-Mail des allgegenwärtigen Amazon Kunden-Service in mein Postfach – und ich erinnerte mich an den heutigen Morgen, als ich – noch vor dem ersten Kaffee – auf etwas Weiches getreten bin. Also schreibe ich nun über Mäuse, also über Werbung.

Werbung ist toll. Klar, muss ich ja auch sagen. Arbeite schließlich in der Werbebranche. Aber Spaß beiseite. Werbung ist wirklich toll. Ohne sie wüsste ich überhaupt nicht, wohin mit meinen ganzen wohlverdienten Mäusen. Womöglich würde ich sie, ohne all die dezenten Informationen über die diversen Möglichkeiten, meine Mäuse zu verteilen, gar in der „Mäusefalle Sparkonto“ belassen. Nicht auszudenken. Welch Verlust an Lebensqualität! Wobei: Letztens habe ich eine sehr schön gemachte Werbung für Sparkonten gesehen, da kam ich doch beinahe in Versuchung… Aber das war bei der nächsten Werbung schon vorbei. Das ist ja das Schöne daran. Eine Werbung kommt nie allein. Wenn ich nicht per se – also deswegen per se, weil ich ja selbst in der Werbung arbeite – annehmen würde, dass hinter jeder Werbung wohlmeinende Menschen stecken, dann könnte beinahe der Eindruck entstehen, dass es hier um eine Art Verteilungskampf geht. Geht es natürlich nicht. Es geht um Information. Und es geht um Animation. Werbung will den Menschen zum Handeln bringen. Und das ist doch etwas Gutes, oder? Wer nicht handelt, der hinterläßt keine Spuren auf der Erde. Wer nicht selbst handelt, dem wird das Handeln aus der Hand genommen. Handeln ist also gut. Handeln ist die Quintessenz unseres Zusammenlebens. Handeln ist Wirtschaft. Und was wäre Wirtschaft ohne Werbung?

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