Monatsarchive: Dezember 2013

Mehr als Klischees… meine wissenschaftliche Baustelle: Topik. Eine Rezension

Lothar_Bornscheuer_Topik
Es gibt Menschen, über welche man auch im Zeitalter von Google und weltweiter Vernetzung nur wenig erfährt. Was von ihnen als Person bleibt, bleibt im Privaten. Wertvolle Erinnerungen, nur den Vertrauten anvertraut. Was von ihrem Denken bleibt, ist manchmal ein Werk.

Topik. Zur Struktur der gesellschaftlichen Einbildungskraft, Frankfurt/Main 1976 (Suhrkamp) von Lothar Bornscheuer

Lothar Bornscheuer war ein deutscher Literaturwissenschaftler, Hochschullehrer und Buchautor. Topik war eines seiner Hauptthemen, sein Buch von 1976 ist sein umfassendster und spannendster Beitrag zur Thematik „Topik“.

Was ist Topik?
Topik beschäftigt sich mit Topoi. Laut Wikipedia versteht man unter „einem Topos (Plural Topoi; altgr. τόπος topos „Ort“, „Gemeinplatz“; lat. locus communis) … einen Ort im übertragenen Sinn, aber auch eine Formkategorie. Im modernen Verständnis bedeutet Topos Gemeinplatz, stereotype Redewendung, vorgeprägtes Bild, Beispiel oder Motiv (z. B. navigatio vitae, das „Lebensschiff“)“.

Topik als die Lehre von den Topoi beschäftigt sich demnach mit dem Auftreten dieser Gemeinplätze, Motive, kurz Klischees, vor allem in Literatur und Kunst. Das ist richtig, aber auch falsch. Denn Topik, so wie sie Bornscheuer analysiert, geht es nicht allein um Klischees, sondern vielmehr um die Vorurteils-Struktur menschlicher Wahrnehmung und Produktivität (als Mensch, Künstler, Wissenschaftler). Topik ist diese Vorurteils-Struktur – und gleichzeitig ihre Kritik.

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Ein haariger Heiligabend – “Ho! Ho! Ho! oder Tante Marthas Hintern”, eine unbesinnliche Weihnachtsgeschichte

Ungekürzte Kurzgeschichte aus Ralf Boschers eBook “Ein haariger Heiligabend. Drei unbesinnliche Geschichten zur Weihnachtszeit”

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Ein haariger Heiligabend

Es traf mich völlig unvorbereitet. Wenn es bereits November gewesen wäre, oder wenigstens Ende Oktober, ja dann hätte ich damit gerechnet, aber doch nicht Mitte Oktober. Ich hatte gerade die Obsttheke im Supermarkt hinter mir gelassen und bog Richtung Tiefkühlkost ab, da sah ich sie. Eine ganze Palette. Lebkuchen. Ich versuchte noch, meinen Blick abzuwenden, aber es war zu spät. Und es geschah, wie es jedes Jahr seit diesem verhängnisvollen Heiligabend damals geschah. Ich sah das Bild vor mir.

Meine Therapeutin hatte es bei mir mit Desensibilisierung versucht, schließlich wollte ich einmal eine Familie gründen und würde es meinen Kindern schuldig sein, ihnen ein schönes Weihnachtsfest zu bereiten. Da konnte ich doch nicht bei der kleinsten weihnachtlichen Kleinigkeit zusammenbrechen. Aber all ihre Versuche, mich allmählich an Weihnachten zu gewöhnen, zum Beispiel indem sie mir winzig kleine Weihnachtsmänner in der Absicht in die Hand gab, mich durch den Anblick gewissermaßen abzuhärten und mich so aus dem Bann des Bildes zu befreien, fruchteten nicht. Da mochte sie auch noch so beruhigend auf mich einreden, ich begann zu zittern, mein Puls raste, mir brach der Schweiß aus, ich sah das Bild vor meinem inneren Auge und zerquetschte so manchen Schokoweihnachtsmann in meiner sich verkrampfenden Hand. Die Therapie scheiterte. Und so war ich dem Anblick der Lebkuchen hilflos ausgeliefert.

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Da gehst Du dahin alter Freund

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Deine Ankunft war in Lichterglitzern gehüllt, als ein dunkler, mächtiger Schatten kamst Du zu mir inmitten von Freude und Strahlenglanz. Gänzlich unerwartet wurdest Du nun zu einem Teil meines Lebens, ein Geschenk, ein treuer Freund mit gewissen Allüren, der mich dann 5 Jahre begleiten sollte.

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Historisches: Der Zauberer in Blau. Oder: meine Ankunft am Bodensee

Sonnenuntergang Bodensee
1995 zog ich an den Bodensee, die Landschaft, der See, die historische Altstadt von Konstanz und die schönen Orte in der Nähe hatten mich gleich für sich eingenommen. Aus dieser Zeit stammt die kleine Geschichte, die ich – unverkennbar – für den Südkurier, die Tageszeitung hier, geschrieben habe. Die Fotos von „Goldenen Bodensee“ entstanden etwas später.

Der Zauber in Blau

Ohne Gepäck kam ich in Konstanz an. Der Blick auf die Konstanzer Bucht, eingerahmt von Seestraße und altem Kloster, berührten mich tiefer noch als beim ersten Mal, als ich langsam über die Rheinbrücke fuhr: Denn an diesem Freitagnachmittag kam ich nicht als Tourist, Konstanz sollte meine neue Heimat werden. Endlich betrat ich nach einer langen Zugfahrt Konstanzer Boden. Was zu meinem Glück noch fehlte, waren meine eigenen vier Wände.

Goldener Bodensee - Blick auf Mainau
Leider hatte ich nur dieses eine Wochenende Zeit, etwas Bezahlbares zu finden. Und leider war der Wohnungsmarkt nicht gerade übersättigt mit bezahlbaren Wohnungen. So führte mich mein erster Weg hoch zur Universität. Dort suchte ich die schwarzen Bretter nach „meiner kleinen Wohnung“ ab. Erfolglos.

Nach diesem Fehlschlag zog ich mit gemischten Gefühlen durch die Konstanzer Kneipen: die Seekuh, das K9, das Radieschen. Immer in der Hoffnung, dass auf einem Aushang im Eingangsbereich mein neues Zuhause auf mich wartete. Dem war leider nicht so. Alleine saß ich bei einem Bier und keine gute Fee sprach mich an, kein Zauberer zog eine Wohnung aus seinem Hut.

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Das Jesus-Komplott aka Im Antlitz des Herrn – das Making of… Entstehungsgeschichte eines Romans

Bela_Bolten_Antlitz_Herrn_altes_Cover
Geschichten rund um Kirche, Vatikan und Glauben finde ich per se sehr interessant, die Themen rund um die alten Geschichten, mit denen ich aufgewachsen bin, die düsteren Auswüchse, die durch Menschenhand aus lächelnden Wurzeln entstanden, fesseln meine Aufmerksamkeit (mit eine der Wurzeln der Entstehung meines ersten Romans rund um einen fanatischen Geistlichen). Und so hat mich Béla Boltens Roman, der da noch mit „Im Antlitz des Herrn“ betitelt war, gepackt. Spannende Lektüre.

Auf xtme findet sich jetzt ein von Béla Bolten verfasster interessanter Gastbeitrag zur Entstehungsgeschichte des Romans, der mittlerweile umbenannt ist und nun „Das Jesus-Komplott“ heißt, ein passender Titel, reißerischer wie der alte Titel ebenso wie das Cover heute reißerischer ist (das alte, hier von mir abgebildete Cover, gefiel mir besser).

Hier die Entstehungsgeschichte auf xtme lesen…

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Zweite Leseprobe: Midlife Crisis Vampir Roman – aus Ralf Boschers Werkstatt.

Zweite Leseprobe aus dem Romanprojekt von Ralf Boscher „Midlife Crises Vampirroman“, aus dem Kapitel Von Vampiren und der großen Liebe:

Ralf Boscher - zweite Leseprobe neuer Roman
Geliebt habe ich sie, vom ersten Augenblick an! Meine eigene Oma war ja eher ein ausgewachsener Drachen. So der Typ Frau, der eine Wohnung betritt und noch vor dem ersten Hallo mit dem Finger über die obere Kante des erstbesten Bilderrahmens an der Wand streicht, um nach Staub zu fahnden. Und egal wie sehr meine Mutter vor jedem Besuch meiner Oma die Wohnung putzte, wienerte, entstaubte, meine Oma, ihre Schwiegermutter, fand immer, was sie insgeheim hoffte: Ein Zeichen der Unzulänglichkeit ihrer Schwiegertochter, ein Zeichen dafür, dass ihr alles geliebter Sohn, sie, seine Mutter, den Schoß, der alles ist, nie hätte verlassen dürfte. So wenig es mir damals auch gefiel, in ein Dorf zu ziehen – die Verwandlung meines Vaters, sein Aufblühen, jetzt da seine Mutter etliche Kilometer weit entfernt war, versöhnte mich mit der Entscheidung, an der Niederrhein zu ziehen.

Da meine zweite Oma wie meine Opas so früh gestorben war, dass ich mich nicht an sie erinnern konnte und sie somit auf mein Bild, was eine Oma sei, keinen positiven Einfluss haben konnte, war ich von Peters Wunsch, mir seine Oma vorzustellen, nicht sonderlich angetan.

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Erotik und Schreiben… Heute auf der Tagesordnung: eine erotische Szene für den neuen Roman

Erotik und Schreiben

Erotik und Schreiben


Heute Abend soll geschehen, was die Woche über nicht geschah. Die Arbeit des Tages, die einen einnimmt – und von der man viel zu viel mit nach Hause nimmt. Der Alltag, der einen beschäftigt. Was ist nicht alles zu tun, zu bedenken. Die Wäsche, die aufzuhängen ist. Die Böden, die gesaugt werden müssen. Und was nicht alles an einem Tag geschieht, das besprochen werden sollte, besprochen wird… Alles wichtig, aber heute, jetzt, alles nichtig, denn nun sollte es gelingen, einfach mal loszulassen. Nicht zu denken. Nichts zu tun. Jedenfalls nichts anderes, als das Eine. Und so soll es heute geschehen.

Wichtig ist, denke ich, die richtige Musik. Ein anregendes Ambiente. Vielleicht ein Glas Rotwein, der dann im Schein der Kerzen warm schimmert. Wichtig ist es, den Tag hinter sich zu lassen. Früher war dies vielleicht anders. Da geschah vieles spontan. Kopf und Herz waren nicht so angefüllt mit Dingen, die erledigt werden müssen. Da ließ man sich einfach mitreißen. Plötzlich war die richtige Stimmung da. Nichts schob sich zwischen dieses spontane Vibrieren und das es tun. Doch heute hängt man erst einmal die Wäsche auf. Erledigt wichtige Anrufe. Erledigt Dinge. Um sich den Freiraum zu schaffen, der sich schwerer nur spontan einstellt.

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Wenn der Johanniter 5x klingelt – und was einem noch so beim Warten auf den Bus durch den Kopf geht

Sicherheitshinweise_Rollator_Bus
Fahrradfahren verlernt man nicht, heißt es. Und wenn mein geliebter 50ccm Roller weiter so oft muckt, dann werde ich mich wohl daran machen müssen, diese Binsenweisheit zu überprüfen, um die 7 Kilometer reine Fahrstrecke (die Strecke auf der Fähre Meersburg – Konstanz nicht gerechnet) zur Arbeit hinter mich zu bringen.

Aber etwas, das man nach gewisser Zeit wohl verlernt, ist den ÖPNV entspannt zu benutzen. 20 Minuten auf den Bus warten. Früher eine Übung in Gleichmut. Heute… In den Bus steigen, riechen. Früher reflexhaftes Abschalten relevanter Gehirnareale, heute… Teenager am Handy. Früher eine Gelegenheit neue Wörter zu lernen, heute… Körpernähe zu Fremden, früher… und heute…

Und das nach pi mal Daumen 33 Jahren nahezu täglichen Benutzens des ÖPNV, den Zügen und Bussen zum Gymnasium am Niederrhein, der Schwebebahn in Wuppertal auf dem Weg zur Uni oder sonst wohin, den Bussen in Konstanz, der Fähre über den Bodensee (mit anschließender Busfahrt). Da sollte man doch auch nach 5 Jahren des motorisierten Individualverkehrs nicht so empfindlich reagieren…

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