Cyber-Angriffe – oder: Eigentlich wollte ich über Vampire schreiben…

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Cyber-Angriff
Endlich brach die Sonne durch den Nebel über dem Bodensee, das nachmittägliche Licht fiel durch das Fenster auf meinen Schreibtisch, auf dem einige Notizen zu meinem neuen Roman auf mich warteten. Ich fuhr meinen Rechner hoch, startete meine Textverarbeitung, öffnete den Ordner „Roman_3_Midlife_Crises_Vampir_Roman“. Doch bevor ich am aktuellen Kapitel weiterarbeiten würde, wollte ich mich noch um meinen Blog kümmern und einen neuen, am Vortag geschriebenen Artikel posten – da alles vorbereitet war, eine Angelegenheit von wenigen Minuten. Dachte ich.

Ich startete Firefox. Öffnete die Einlog-Seite zu meinem Blog – und eine Fehlermeldung erschien auf weißem Hintergrund: „Seite nicht erreichbar“. Ich versuchte es wieder, und erneut war die gewohnte Seite, um mich bei meinem Blog-Adminbereich einzuloggen, nicht erreichbar. Das war ärgerlich, aber beunruhigte mich in den ersten Minuten noch nicht. Hole ich mir erst einmal einen Kaffee. Nur ein kleines technisches Problem bei meinem Anbieter. Schnell behoben. Manchmal sind ja auch Internetseiten kurzzeitig nicht erreichbar. Zweimal in die Sonne zwinkern, Seite erneut aufrufen und es klappt. Es klappte nicht. „Seite nicht erreichbar“, auch nach einem weiteren Kaffee.

Jetzt war ich beunruhigt.

Ich versuchte einen anderen Browser. Das gleiche unbefriedigende Ergebnis. Ich loggte mich in mein WordPress.com-Konto ein, versuchte auf diesem Weg, den Admin-Bereich meines Blogs zu erreichen. Zwecklos. In diesen Momenten war nicht daran zu denken, an meinem Roman weiterzuarbeiten, „Seite nicht erreichbar“ nahm meine Gedanken ganz ein – und eine unschöne Erfahrung begann sich in den Vordergrund zu drängen:

„Sehr geehrte(r) Besucher(in), leider kam es kürzlich zu einem gezielten Cyber-Angriff auf die Forensoftware der eBook-Gemeinde.

Dieses Forum wurde ehrenamtlich betrieben. Aus mangelnden zeitlichen und finanziellen Mitteln für die Wiederherstellung des Forums und Identifizierung vorhandener Sicherheitslücken muss das Forum leider geschlossen werden.

Das Team der eBook-Gemeinde bedankt sich für Ihr Verständnis.“

Diese Nachricht vom vergangenen Herbst hat mich geschockt. Weil ich mir nur im Ansatz vorstellen konnte, wie viel Arbeit es gekostet haben muss, dieses Forum aufzubauen – und diese Arbeit war nun zunichte gemacht worden. Weil der Schritt, das Forum komplett dicht zu machen, radikal war – und ich bis dato noch nie von so einem Schritt gehört hatte. Vor allem aber auch, weil mir mein liebstes Marketinginstrument nun genommen worden war.

Ich war sehr froh gewesen, dass ich im weltweiten Netz für mich mit der eBook-Gemeinde die ideale Anlaufstation für meine Social Media-Aktivitäten als Autor gefunden hatte. Ein gut besuchtes Forum (über 13.000 Besucher im Monat), einfach zu bedienen, übersichtlich – und ein Interesse meiner Arbeit gegenüber, das mich sehr glücklich machte. So konnte ich mich neben den hohen Anklickraten meiner geposteten Neuigkeiten, Blogeinträge, Aktionen, über schnell steigende Besucherzahlen auf meinem Profil freuen. Die Berücksichtigung meiner eBooks bei den Buchtipps, eine Interview-Anfrage taten ihr Übriges, dass ich mich bei der eBook-Gemeinde sehr wohl fühlte. Ich erreichte wesentlich mehr Leserinnen und Leser, ein Vielfaches mehr als auf allen anderen Kanälen.

Dann eines Abends, ich wollte mich in mein Profil einloggen, die schockierende Nachricht: „Leider gibt es die eBook-Gemeinde nicht mehr…“ Also gab es auch meine Postings nicht mehr, meine Antworten auf andere Beiträge, meine Leseproben, Buchtipps, das Interview mit mir – alles weg. Mein bis dato bestes Marketinginstrument – weg.

Weg. Und aufgrund dieser Erfahrung war ich, während mittlerweile die spätnachmittägliche Sonne durchs Fenster schien, bei der Mitteilung „Seite nicht erreichbar“ schließlich sehr beunruhigt. Deswegen gab ich in die Suchzeile von Google den Namen meines Providers und die Wörter „Wordpress“ und „Cyberangriff“ ein – und „Holla die Waldfee!“: Mehrere Angriffswellen auf die Server allein im Jahr 2013, nicht nur bei meinem Anbieter, sondern vielen großen Providern. Das war mir nicht bewusst gewesen.

Und lag da der Hase im Pfeffer? Ja, es war ein aktueller Cyber-Angriff auf die Server meines Providers, wie ich dann am Telefon erfuhr. Aufgrund der sofort eingeleiteten Sicherheitsmaßnahmen seien alle Admin-Oberflächen von WordPress, Joomla, etc. vorübergehend nicht erreichbar. Das Problem sei aber bald gelöst. Das empfand ich als beruhigend: Denn dafür ist ja ein Provider mit seinem ganzen Know-How da, dass er auch solche Probleme löst. Zudem würde ich meinen Blog bald wieder erreichen können. Das empfand ich als beunruhigend: So viele Möglichkeiten das Internet für Autoren, gerade auch für Indie-Autoren, bietet, so viele Gefahren lauern auch. Gefahren, gegen die Spam-Kommentare und illegal zum Download angebotene eBooks ein Klacks sind. Gefahren, die einen vom Schreiben abhalten. Das Internet ist voll von Blutsaugern. Und so hat man sich um solche Dinge wie die Impressumspflicht zu kümmern. Man muss sich mit solchen Sachen wie Double-Opt-In beschäftigen. Beschäftigt sich viele Stunden mit Sicherheit im Internet und lernt so schöne Sachen wie .htaccess etc. kennen.

Und so postete ich, nachdem die Einlog-Seite meines Blogs wieder erreichbar war, erst einmal nicht meinen neuen Beitrag, schrieb auch nicht weiter an meinem Roman, sondern änderte zum zweiten Mal (zum ersten Mal bei Einrichtung meines Blogs) meinen User-Namen und mein Passwort. Überprüfte noch einmal anhand von einschlägigen Tipps einer der unzähligen Seiten zu diesem Thema meine Sicherheitsstandards.

Also schrieb ich die ersten Zeilen dieses Tages erst lange nachdem die Sonne über dem Bodensee untergegangen war. Was zur Hölle? Die Fensterscheibe unseres Schlafzimmers explodierte förmlich, ein Riesenradau. Und nur einen Wimpernschlag später schwang er sich bereits durch das zerbrochene Fenster hinein. Ein ausgewachsener Vampir in all seiner nackten, unverstellten Grässlichkeit.

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