Die Katze lässt das Mausen nicht

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Was für ein schöner Tag, um im Garten zu sitzen und zu lesen. Die strahlende Sonne zaubert schönstes Licht durch das Laub des Walnussbaumes, dessen Blätter im milden Wind sich leise bewegen. Ein Specht hinterlässt auf der Suche nach Futter sein klopfendes Hallo auf dem mächtigen Baumstamm. Ringsherum zwitschern Vögel in den Büschen. Ein Lächeln erreicht mich von meiner Liebsten, die neben mir auf einem Gartenstuhl sitzt und ebenfalls liest. Und unsere Katze döst im Schatten des Schmetterlingsbaumes.

Ignorieren, ausschimpfen oder loben? Um diese drei Alternativen drehen sich die Beitrage, die ich in der Sonne auf meinem Tablet lese. Ergebnisse meiner Internetrecherche „Katze Mäuse“, um zu erfahren, was wir dagegen tun könnten, dass unsere Katze ständig Mäuse in die Wohnung bringt.

Am Morgen dieses Tages hatte ich zwei tote Mäuse im Flur gefunden. Macht mit dem Spatz am Vorabend, der toten Maus nur wenig später am Abend im Bad vier tote Tiere innerhalb von 24 Stunden.

Was also tun, wenn die Katze ständig Mäuse (manchmal einen Vogel, einmal eine Fledermaus, einmal einen Frosch) bringt? Eine häufig gestellte Frage, auf die es leider keine eindeutige Antwort gibt. Erstaunlich eigentlich angesichts der langen gemeinsamen Geschichte von Mensch und Katze (oder ist dies nur der menschlichen Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen geschuldet? Die Katze das mysteriöse Wesen…). Wie auch immer, einen Hauch von Eindeutigkeit finde ich nur in der Frage nach dem Wieso: Eine Katze bringt Mäuse, um ihren menschlichen Mitbewohnern, Futtergebern, Bei-Bedarf-Schmusern ein Geschenk zu machen.

Demnach fühlt sich unsere Katze bei uns sehr wohl, beschenkt sie uns doch sehr häufig. Ist doch auch schön, dass zu wissen! Und in diesem Wissen die getöteten Mäuse im Flur, vor den Zimmertüren, im Wohnzimmer etc. wegzuräumen, wäre ja an sich nicht so schlimm. Tote Mäuse, frei zugänglich hindrapiert, sind nicht das Problem. Bei solchen Geschenken wäre mir die Uneinigkeit der Katzen-Experten egal, und ich würde an einem solch schönen Tag nicht im Internet recherchieren, sondern einen spannenden oder interessanten Roman lesen. Kurz: Ob loben, schimpfen oder ignorieren, Hauptsache Beute tot.

Doch tot…, das ist Problem. Denn jedes mäusetote Geschenk wird flankiert von quicklebendigen Nagern, die unsere Katze zwar in die Wohnung bringt, sie dann aber laufen lässt – und die sich dann natürlich hinter Schränken, in Schränken etc. verstecken, dort abwarten, bis die Katze ihr Interesse verliert, sich dann auf die Suche nach Essbarem machen – und später, wenn das gefundene Essbare seinen natürlichen Weg geht, so manche Hinterlassenschaft hinterlassen.

Geschenke? Oder ist unsere Katze manchmal schlicht zu unerfahren, zu ungeschickt, um die Beute, die sie im Garten gefangen hat, im Haus zu töten?

Wer nur einmal unseren Exorzisten bei der Jagd beobachtet hat, gesehen hat, wie schnell unsere Katze, wenn sie denn will, ihre Beute tötet (und auch verzehrt), wird den Gedanken an Unerfahrenheit, Ungeschicktheit, nicht teilen.

Ich habe einen interessanten Beitrag zu dem Thema gefunden: „Katzen schleppen Mäuse in ihr Revier, um ihren schwächeren Freunden oder ihren Jungen Futter zu bringen. Wenn Kitten schon etwas älter sind, dann bringen die Mütter die Mäuse lebend, um so den Jagdinstinkt der Kitten zu trainieren und zu fördern. “ (Lucian, 07.06.2012, 12:33).

Also: Ich vermute, sie will uns etwas beibringen. Übernimmt vielleicht so etwas wie eine „Mutterrolle“ in unserer Gemeinschaft. Fürsorglich wäre sie demnach. Eine Überlegung, die sehr gut mit ihrem Verhalten in Einklang zu bringen ist, wenn unsere Jüngste einmal krank ist. Denn dann weicht unsere Katze nicht von ihrer Seite, kuschelt sich an sie, legt sich wie eine lebendige Wärmflasche auf ihren Bauch. Demnach bringt sie also die Mäuse hinein und lässt sie laufen, damit wir lernen, diese zu erjagen und zur Strecke zu bringen. Daher also ihre offensichtliche Freude, wenn ich neben ihr auf dem Boden herumkrieche, mit einem Stock unter dem Kleiderschrank herumfuhrwerke, um die Maus aus ihrem Versteck zu holen. Wenn ich eine Maus durchs Wohnzimmer jage. „Mauz, Mauz!“ „Fang sie, fang sie!“ Ist das Enttäuschung im Blick der Katze, da ich die Maus entwischen ließ? Soviel dazu, dass der Mensch die dominante Spezies ist.

Während ich im Sonnenschein diesen Überlegungen nachhänge, streckt sich unsere Katze unter dem Schmetterlingsbaum, lässt bei einem herzhaften Gähnen ihre Fänge sehen. Dann erhebt sie sich und schlendert gemächlich zu dem leeren Blumentopf an der Hauswand, um aus diesem ein paar Schlücke abgestandenen Wassers zu nehmen. Ich merke, dass auch ich Durst habe. Ich frage meine Liebste, ob auch sie etwas trinken wolle. Gerne. Einen Kaffee. Also gehe ich in die Küche, um ihr einen Kaffee zu bereiten und mir ein Glas Wasser einzuschenken. Ich öffne den Schrank, in dem wir den Kaffee, Kaffeefilter und einige Gläser aufbewahren, greife hinein – und plötzlich springt eine Maus hervor, die sich – wie ich später sehe – durch den Deckel des Nutella-Glases geknabbert hat, um an die Schokolade zu kommen. Die Maus springt auf meinen Handrücken. Während eine umfassende Gänsehaut von dort aus über meinen Arm, dann über meinen Hals zum Rücken kriecht, sich über diesen bis zu meinem Steiß ausbreitet, springt die Maus mir entgegen, rutscht an meiner Brust herunter, lässt sich in Höhe meines Bauch zu Boden fallen und huscht gen Küchenbuffet davon. Eine einzige fließende Bewegung, vielleicht hatte ich mittlerweile doch von unsere Katze gelernt, da ich die Packung mit den Kaffeefiltern ergriff und diese aus dem Handgelenk heraus nach der Maus warf – und diese traf, bevor sie sich unter dem Buffet verkriechen konnte.

Da lag sie also. Vom Treffer niedergestreckt, betäubt. Ich war doch tatsächlich stolz – und keine Katze weit und breit, um diesen Erfolg zu honorieren und aufgrund dessen einzusehen: Hey, Mauz, ich brauche keine Mäuse mehr anzubringen. Jagen können sie jetzt selbst! Wobei. Um dies zu erreichen müsste ich unter den gestrengen Augen unserer Katze der Maus wohl den Kopf abbeißen. Erst dann ist der Erfolg wirklich gesichert…

Ich brachte die Maus in den Garten, zeigte sie meiner Liebsten, die mit einer deutlich sichtbaren Gänsehaut auf ihrem Arm ihre Verbundenheit demonstrierte und trug die Maus in die hinterste Ecke des Grundstücks, ließ sie, die sich mittlerweile wieder regte, ins Gebüsch entschwinden. Von unserer Katze war weit und breit nichts zu sehen. Gut. Vielleicht lernen ja auch Mäuse, und diese wandert ganz weit weg. Und ihre Nachkommen haben eine genetische Abneigung, sich unserem Grundstück zu nähern. Dann ging ich zurück Richtung Küche, wollte doch meiner Liebsten einen Kaffee machen und mir ein Glas Wasser holen.

Schon als ich vom Garten ins Haus trat, hörte ich den Radau. Mauz, Mauz! Took, took, took! Flatter, flatter, mauz. Unsere Katze hatte einen Buntsprecht, vielleicht sogar den, den ich noch nicht lange zuvor gehört hatte, gefangen, in unsere Küche gebracht und dort fliegen lassen. Interessiert beobachte sie, während sie auf der Fensterbank hockte und zur Anregung des Geschehens locker noch dem Vogel schlug, wie der prächtige Specht am Fensterglas flatterte, mit seinem Schnabel gegen das Glas hämmerte. Dann kam ich dazu. Unsere Katze legte den Kopf schräg, sah mich an. Sollte das heißen: So jetzt beweise dich!?

Ich fing den Vogel. Biss ihm nicht den Kopf ab. Ich ließ ihn draußen fliegen, während unser Exorzist missmutig Laut gab. Und ich wusste, weitere Lektionen werden folgen…

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