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Smaugs Einöde – wie passend. Filmkritik

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Was für ein passender Titel. Dabei habe ich ein Faible für Drachen. Und auch den „Kleinen Hobbit“ mag ich sehr. Als Buch. Als kleinen, feinen, spannenden, eng gestrickten Roman.

Aber was ist hier geschehen?

Jacksons Verfilmung des „Herr der Ringe“ fand ich sehr gelungen, weil er es meiner Meinung nach geschafft hatte, vieles von dem, was mir an Tolkiens „Herr der Ringe“ nicht gefiel, außen vor zu lassen. Dieses Langatmige, Ausgedehnte, dieses allzu ins Details gehende Beschreiben von für die Handlung unwichtigen Dingen – auch wenn sie für die zugrunde liegende Mythologie (die erschaffene Welt) vielleicht bedeutsam sind.

Und bei seiner Verfilmung von „Der kleine Hobbit“?

Hier ging Jackson den umgekehrten Weg: Er hat den „Kleinen Hobbit“ auf „Herr der Ringe“-Niveau aufgeblasen. Ringdisiert.

Dies empfand ich so beim ersten Teil – und trotz des angehobenen Actionlevels empfinde ich es auch beim zweiten Teil der Hobbit-Verfilmung.

Dabei hatte ich mich so auf den zweiten Teil gefreut – hey Smaug, neben Fuchur und Grisu der coolste Drache, den ich in noch jungen Jahren kennengelernt habe. 5. Klasse. Schullektüre – und „Der kleine Hobbit“ war so ziemlich die einzige Schullektüre, die ich mit Begeisterung gelesen habe.

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Aus dem Kapitel „Hells Bells“, Leseprobe aus dem Romanmanuskript „Der Knochenturm“

Etwas, an dem ich arbeitete… (aus Boschers Werkstatt)
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Das war guter Stoff. Stoff, mit dem sie arbeiten konnte. Und allmählich kristallisierte sich ein Plan heraus, der ihrer dunklen Sehnsucht nach Rache gerecht wurde. Wenn er denn aufginge, würde in Aldekerk nichts mehr so sein wie zuvor. Geformt von ihrem Schmerz würde das Dorf sein, jetzt und immerdar – und was sie über die Sprösslinge erfahren hatte, ließ sich wunderbar in ihren nächsten Roman, den Roman ihres Lebens, vielleicht den letzten Roman ihres Lebens, einbauen. Die Geschichte ihrer Rache.

Lisa hatte gleich mit ihrem ersten Roman, einem Fantasy-Liebesroman, einen Treffer gelandet, die Fortsetzungen waren sogar noch erfolgreicher gewesen. Sie hatte großes Glück gehabt. Der richtige Stoff, die richtige Schreibe zur rechten Zeit. Sie hatte einen Nerv getroffen und vor allem junge Mädchen (und deren Mütter), wenn man denn den Analysen des Verlages glauben mochte, rissen ihr die Bücher aus den Händen.

Den ersten Roman hatte sie in den vielen einsamen Stunden ihrer Jugend verfasst, aber nie jemandem zu lesen gegeben, weil sie Angst vor negativen Reaktionen hatte. Aber Monate nachdem sie Aldekerk verlassen hatte, setzte sie auf ihr Manuskript all ihre Hoffnungen.

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Imperias Lachen, Leseprobe aus dem Kapitel “Der Ritt über den Bodensee”, entnommen dem Roman “Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman”

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Ein wenig Konstanz wird dir gut tun! hatte sie mir gesagt, und: Bleib’ auf deinem Platz, und du wirst die Welt in Händen halten! Was ich aber nun in Händen hielt, war mitnichten die Welt, und gut ging es mir damit auch nicht. Einen Moment lang hoffte ich noch, dass ich mich irrte. Dem aber war nicht so. Auf ihren hochgereckten Händen aus Stein wurden weltliche wie geistliche Macht ein Raub der Flammen. Ihre Asche verwehte der Wind. Auch ihre gewaltigen, nur halb von dem gewagt geschnittenen Kleid bedeckten Brüste brannten. Das sah aus, als würden Feuerwürmer aus ihrem Ausschnitt kriechen. Ihr Gesicht war in der Hitze kaum auszumachen. Aber ihre Brüste brannten nicht nur. Vielmehr hoben und senkten sie sich, wie es bei Menschen der Fall ist, die schwer atmen, und nicht allein, dass sie also atmete, sie hatte darüber hinaus ihren Platz auf dem Podest verlassen und kam über den Steg, an dessen Ende sie normalerweise hoch über dem Hafen thronte, langsamen, gemessenen Schrittes auf mich zu. Sie hatte ja Zeit. Ich lief ja nicht weg. Lauf weg! Lauf doch endlich weg, du Idiot! schrie es zwar in mir, aber ich war unfähig, von der Bank aufzuspringen.

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Der Schrei – Zweiter Teil des Kapitels aus „Engel spucken nicht in Büsche. Roman über Liebe, Tod und Teufel“

Ralf Boscher - EngelDer Schrei

II.

Eines späten Nachmittags hatten die Schwestern, weil die Station heillos überbelegt war, einen jungen Mann mitsamt Bett zu Hannes ins Zimmer geschoben, den sie bislang, meist aus Rücksicht auf die anderen Patienten, alleine gelassen hatten.

In seiner Andacht gestört, steigerte Hannes sich in lautes Beten hinein, woraufhin ihm Schwester Renate eine kräftige Beruhigungsspritze gab und er weg dämmerte.

Es wurde Abend. Der junge Mann war während des Fernsehens eingeschlafen, der Apparat lief noch. Durch das wechselnde, bläuliche Licht des Fernsehbildes flackerte es im Zimmer wie bei einem Gewitter; und als Hannes aufwachte, da schien ihm, als donnere es, und der laut eingestellte alte Apparat dröhnte die dunkle Stimme des Sprechers hervor:
„Vakuumaspiration!“

Es lief ein Dokumentarfilm über Schwangerschaftsunterbrechungen. Hannes sah eine halbnackte, anästhesierte Frau mit gespreizten Beinen auf einem gynäkologischen Stuhl sitzen. Dann fuhr die Kamera in ihren Unterleib. Er starrte in die Gebärmutter einer Schwangeren, und die nächste Einstellung zeigte einen Embryo in Großaufnahme. Düsteres Orgelszenario hörte Hannes im Hintergrund. Wie eine Schlange sich windend, bedrohlich, weil fremd wirkend in dem warm ausgeleuchteten, umsorgenden, mütterlichen Organ, schob sich ein roter, steriler Schlauch ins Bild. Der Kamera-Ausschnitt wechselte, und Hannes blickte, nun aus der angenommenen Perspektive des Embryos, auf die Spitze des für den Betrachter aus dieser Sicht riesig aufragenden Schlauches. Hannes sah die Schlange auf sich zukommen, wie Michael dereinst den Drachen, und nässte ins Bett.

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Buchvorstellung: “Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman”

Ralf_Boscher_Krimi_Mordsroman_Abschied

Bin ich ihm auf den Leim gegangen, indem ich seine Briefe, seine bei unserem Treffen geäußerten Drohungen ernst nahm? Indem ich hinter seinen Geschichten, seinem ganzen Gehabe, einen dunkel dräuenden, bedrohlich wahren Kern vermutete? Aber vielleicht bestand in Wahrheit nie eine wirkliche Bedrohung. Vielleicht war er nur ein wunderlicher Kauz, der einen Narren an mir gefressen hatte. Alles nur Fiktion, Teil seines Spiels. Wie auch immer. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Mir genügte es zu wissen, dass seine Hände so wenig fiktiv waren wie meine eigenen. Hände, die zupacken könnten, eine Bremsflüssigkeit ablassen, ein Feuer legen, ein Messer greifen…

„Der etwas andere Roman… Die einzelnen Charaktere sind gut herausgearbeitet und beschrieben, glaubhaft, wenn auch manchmal völlig abgedreht. Die zum Ende des Romans forcierten Elemente aus Krimi, Horror und Psychothriller münden in einem gewaltigen Finale der Haupthandlung; die Rahmenhandlung endet ebenfalls dramatisch. “Eine gute Geschichte. Eine Geschichte, die es wert war, veröffentlicht und gelesen zu werden” – diesem Zitat aus der Nachbemerkung schließe ich mich gerne an.“ (Peka auf Amazon).

„Skurriler Krimi… Schräge Charaktere, eine “mordsmäßig spannende Story” (Leser) und dazwischen philosophisch verstiegene Gedankengänge – das liest sich gut und frisch, ist manchem Rezensenten aber dann doch “too much”. Ausprobieren!“ (Johannes Zum Winkel auf xtme).

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Amouröses an der Uni – Deleted Scene aus “Abschied ist ein scharfes Schwert. Ein Mordsroman”

Ralf_Boscher_Krimi_Mordsroman_Abschied
Miriam war mir im Seminar über Phänomenologie aufgefallen. Zurück zu den Sachen! Klar, warum lange drum herumreden. Als ich sie auf einer der wöchentlich stattfindenden Asti-Diskos zusammengesunken in der Ecke sitzen sah, kam ich gleich mutig zur Sache (hatte mich zuvor nicht gerade, was den Alkohol angeht, in phänomenologischer Enthaltsamkeit geübt): „Geht es Dir nicht gut, kann ich Dir helfen?!“ Sie war einige Stunden zuvor von ihrem Freund verlassen worden, sah aber auch mit ihren verweinten Augen sehr ansprechend aus (was ich natürlich nicht nur dachte, sondern auch hervorhob). Miriam war sehr redselig in ihrem Kummer, zeichnete sich auch ansonsten durch besondere Zungenfertigkeit aus, soweit dies unter dem erheblichem Alkoholeinfluss meinerseits noch objektiv festzustellen war. Deswegen hätte ich diese Erfahrung gerne unter günstigeren Bedingungen wiederholt, wozu es aber wegen Schulterzuckens ihrerseits nicht kam. Sie wolle nichts überstürzen. Ihr Freund würde es sich sicher anders überlegen, wäre nicht das erste Mal, und würde Morgen mit Blumen vor ihrer Tür stehen. „Man sieht sich!“, meinte Miriam beim Abschied noch zu mir.

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Architeuthis oder der verstrahlte 48 Meter Riesentintenfisch – Rezension: „Der Rote“ von Bernhard Kegel

Quelle: http://www.lightlybraisedturnip.com/giant-squid-in-california/

Quelle: The Lightly Braised Turnip

Millionenfach über Facebook geliket, von Zeitungen und Fernsehstationen aufgegriffen, etwa von „Der Welt“ unter der Überschrift: „Das Rätsel um den verstrahlten Riesen-Tintenfisch“ (vom 10. Januar 2014): Das zunächst vom Onlineportal „The Lightly Braised Turnip“ verbreitete Bild eines gigantischen, 48 Meter langen Riesentintenfischs an einem Strand von Santa Monica, Kalifornien. Vermutete Ursache der furchterregenden Größe: „radioaktiver Gigantismus“ und die Atomkatastrophe von Fukushima.

Und auch wenn dieses Foto ein Fake ist – dass es solche Giganten der Tiefsee tatsächlich gibt, wird mittlerweile als erwiesen angesehen: „Abdrücke mit etwa fünfzig Zentimeter Durchmesser an gefangenen Pottwalen lassen auf eine Größe der Krake von ungefähr fünfzig Meter schließen“ (Zitat: Ankündigung des Films „Riesenkraken – Monster der Meere“ von Jo Sarsby am 14. Januar 2014 auf Phoenix).

Der_Rote_Bernhard_Kegel
Ein faszinierendes Thema. Die Tiefsee, von der wir weniger wissen als vom Weltraum, und die dort lebenden riesigen Kopffüßer. Eine Faszination, die mich zu Bernhard Kegels Roman „Der Rote“ greifen ließ.

Kennt Ihr den Schwarm? Ich bislang noch nicht (damit befinde ich mich wahrscheinlich in kleiner Gesellschaft, sagen wir mal, von der Größe eine Fußballmannschaft). Jedenfalls hatte das den Vorteil, dass ich Bernhard Kegels Roman „Der Rote“ (gerne beworben im Stil von „Sie fanden den Schwarm toll, dann lesen Sie…“) lesen und schätzen lernen konnte, ohne Schätzing im Kopf.

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Ruhe im Kartong oder: WG-Leben kann so grausam sein

Ralf_Boscher_Krimi_Mordsroman_Abschied
Ja, ich muss zugegeben, dass ich mir zu dieser Zeit ein wenig Sorgen um mein sonniges Wesen machte. Die Tabletten, welche ich gegen meine Rückschmerzen schluckte, machten es wahrscheinlich auch nicht besser. Zu allem Überfluss erhielt ich zwei meiner Manuskripte von Verlagen dankend zurück, womit ich nun überhaupt nicht gerechnet hatte, war ich doch davon ausgegangen, dass ich mir den Verlag würde aussuchen können. Und Udo, ja Udo trieb es in diesen Tagen, da ich bei den Frauen kein Glück hatte, wie ein Wahnsinniger bei uns in der WG. Ausgerechnet Udo, um den doch die Frauen sonst immer einen solchen Bogen machen, wie er mit seiner Matte um den Friseur. Und wenn ich in der WG schreibe, dann meine ich auch in der WG.

Es musste doch wirklich nicht der Kühlschrank sein, und gerade zu der Zeit, da ich zumeist – wie Udo es doch mittlerweile wissen müsste – von der Arbeit nach Hause komme und gerne noch ein letztes Bier in der Küche trinke. Also, das Letzte, was ich in einer solchen Nacht noch sehen möchte, ist Udos Arsch, eingerahmt von zwei Beinen, die in der Luft hängen, untermalt von einem geradezu obszönen, so lauten Klatschen, dass ich dies eigentlich schon – wenn ich nicht so müde gewesen wäre – im Flur hätte hören müssen. Mal ganz abgesehen von Udos angestrengtem Keuchen, dem Geklirre und Geschepper im Kühlschrank und der hörbaren Freude von Udos Bekanntschaft an dieser ganzen Aktion. Als hätte dies noch nicht gereicht, schäumte mein Bier zudem über, das ich mir dann – als die Küche wieder frei war – genehmigen wollte.

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Dendritenflipper – eine Szene mit Lichterblinken und Pling

Ralf Boscher - Engel

Alex Unbehagen stieg mit jeder Stufe, die er im Hausflur hinabging, und plötzlich, auf dem Fuß der Treppe, hatte Alex die Frage. Und nur einen Schritt weiter hatte er auch die Antwort.

Wann hatte Helen eigentlich den Unfall? so lautete die drängende Frage, und sie ging zusammen mit dem bohrenden Unbehagen in genau der Antwort auf, die er am wenigsten hören wollte: An dem Abend, an dem ich sie abgekanzelt habe! Er schlug die Tür des alten Audi zu, drückte die Zigarette aus, startete, gab Gas und KLACK! schoss er los. Sein schlechtes Gewissen katapultierte ihn in einen ganzen Apparat von Schuldgefühlen. Dendritenflipper: Überall blinkten Lichter, und PLING! stieß ihn das Vonsichselbstenttäuschtsein durch den Raum, durch den er, konfus sich um alles andere als um seine Achse drehend, raste.

Er knallte vor das ZU SPÄT! und das BRÜLLEN des Schaffners ertönte wieder: ABGELAUFEN! Abgelaufen! dröhnte es in Alex Ohren, während eine Art magnetischer Sog ihn auf der Stelle festhielt. Abrupt hörte das Dröhnen auf, Farben wechselten rasend schnell und der Sog löste sich. Alex bekam einen Schlag von hinten und schoss wieder quer durch den Flipper. AN DEM ABEND, DA ICH SIE ABGEKANZELT HABE! sang quäkend eine etwas leiernde Automatenstimme und bei: ICH HAB’ ES NOCH NICHT MAL GEWUSST! gab es ein Freispiel.

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