Archiv der Kategorie: Boschers Schreibe

Leseproben aus den eBooks und Taschenbüchern von Ralf Boscher. Einblicke in die Texte, an denen Boscher zur Zeit arbeitet.

Winzkriecher – Deleted Scene aus „Engel spucken nicht in Büsche. Roman über Liebe, Tod und Teufel“

Winzkriecher - eine Urlaubsgeschichte
Winzkriecher

Nackt setzte er sich auf die kalte Klobrille, stützte seine Hände auf seine Oberschenkel und betrachtete sich in dieser Pose lange in dem Spiegel, den er vor geraumer Zeit direkt davor an die Wand geschraubt hatte. Stolz tastete er mit den Augen seinen flachen, muskulösen Bauch ab, dem man das gerade verzehrte üppige Mahl nicht ansah. Dann spannte er seine Brustmuskulatur ein wenig an, und darüber vergaß er fast seinen Stuhlgang. Aber auch nur fast. Schließlich ließ er von seinen Betrachtungen ab und konzentrierte sich auf die Kontraktion der Enddarmmuskulatur und die Erschlaffung seines Schließmuskels bei gleichzeitiger Betätigung der Bauchpresse: neben schweißtreibendem Training und gutem Essen gehörte eben auch ausgiebiger, gesunder Stuhlgang zu einem gelungenen Tag.

Mit Grausen dachte er an die Erlebnisse seiner bisher einzigen Urlaubsreise zurück. Dabei hatte er sich damals noch nicht einmal weit von der Heimat entfernt: Frankreich. Aber wenn diese wenigen hundert Kilometer schon genügten, ihm eine seiner Lebensgrundlagen quasi unter dem Hintern wegzuziehen, dann war dieses eine Mal bereits viel zu weit gewesen.

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Verbunden, umschlungen Rose und Wolf sich küssen – Liebesgedichte

Lange bevor ich die erste Prosageschichte zu Papier gebracht habe, schrieb ich Gedichte. Poesie der Freude, der Trauer, Wut, Angst - und auch Liebeslyrik. Und auch wenn ich seit Jahren vor allem Prosa schreibe, fließen mir doch immer mal wieder einige Verse aus der Feder. Die Liebesgedichte sind im Laufe der Jahre entstanden. Das neueste Gedicht „Gefunden“ habe ich im Herbst 2013 geschrieben.

Die Liebesgedichte sind im Laufe der Jahre entstanden. Das neueste Gedicht „Gefunden“ habe ich im Herbst 2013 geschrieben.

Ihre Augen

Sie zogen mich tief in sie hinein,
Und ich brachte ihr meine Augen dar.
Sie suchte mich, sie suchte sich
In meinem Blick,
Und dann
Fanden wir uns.

 

 

 

Zwischen Himmel und Erde

Eingetaucht in das Laken lagst Du nackt
Unter dem Abendhimmel Deines Haares,
Und weich bog sich Dein Körper meinem Blick,
erzählte mir nächtliche Geschichten,
geschwungen eingeschrieben
in den Fluss Deiner Weiblichkeit.

Mit Sternen geschrieben

Ich gab es dem Wind mit,
Damit er es Dir ins Ohr flüstert.
Spürst Du die Tropfen auf Deiner Haut,
Fühlst Du, was sie Dir von mir erzählen?

Könnt‘ ich’s doch den Donner brüllen lassen,
Mit Blitzen es in Wolken schreiben!
Nein, nein! Leise … heimlich … Dein …
Kannst Du es aus den Sternen herauslesen?

 

Ungesagt

Ich hätt‘ ihr gern einen Liebesbrief geschrieben,
Von ihren Haaren, ihren Lippen, hab‘ ich gedacht,
Von ihren Händen und Blicken im Fahrstuhlschacht
Könnte ich schreiben.
Aber ich träumte und träumte, sah sie in mir,
Sah sie an, sah ihr zu, brachte nichts zu Papier.
Und was ich erblickte, ist ungesagt geblieben.

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Historisches: Lesungen – Literatur ist geil oder Futter für die Bestie im Secondhand

Lesungen… das heißt Lampenfieber, die spannende Frage, ob ich das Publikum packe, die Freude, wenn ich spüre, ja, jetzt habe ich die Anwesenden gepackt. Was für ein Gefühl, wenn diese unglaubliche Verbindung zwischen Lesendem und Hörenden hergestellt ist, eine ganze eigene Art von Kribbeln, auch ein Gefühl der Macht, wenn man spürt, wie sie mit dem Text mitgehen, wenn man die Reaktionen der Zuhörer voraussagen kann „Gleich lachen sie, gleich stöhnen sie auf, gleich gefriert ihn das Lächeln im Gesicht, nun werden sie aufatmen…“ Wie wichtig dabei auch Humor ist, ein gewisses Augenzwinkern, vermitteln einige der Bilder, und mein Video zu meinem Gedicht „Epilog“. Denn dies ist ja bei einer Lesung unter anderem das Schöne: Hier ist der Dichter nicht alleine, hier gibt es ganz direkt Feedback. Ich denke: Ich sollte wirklich wieder einmal lesen.

Ein Rückblick:

Literatur_ist_geil_qlt_Artikel
„Unter anderem gibt es ein Wiedersehen mit der Krähe des Todes, Tante Marthas Hintern, dem in Weihnachtslieder vernarrten Metzger und einem liebeslüsternen Briefeschreiber. Achtung: auch dieses Mal wird gesungen. “ (so lautete ein Teil der Ankündigung der letzten „Literatur ist geil“-Lesung im Lebensart, dem Weinfachgeschäft der Spitalkellerei, welches es in dieser Form leider nicht mehr gibt).

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Ein haariger Heiligabend – „Ho! Ho! Ho! oder Tante Marthas Hintern“, eine unbesinnliche Weihnachtsgeschichte

Ungekürzte Weihnachts-Kurzgeschichte aus Ralf Boschers eBook / Taschenbuch „Tiefer in die Dunkelheit. Von Frauen, Männern und Monstern“

Haariger_Heiligabend_Ralf_Boscher
Ein haariger Heiligabend

Es traf mich völlig unvorbereitet. Wenn es bereits November gewesen wäre, oder wenigstens Ende Oktober, ja dann hätte ich damit gerechnet, aber doch nicht Mitte Oktober. Ich hatte gerade die Obsttheke im Supermarkt hinter mir gelassen und bog Richtung Tiefkühlkost ab, da sah ich sie. Eine ganze Palette. Lebkuchen. Ich versuchte noch, meinen Blick abzuwenden, aber es war zu spät. Und es geschah, wie es jedes Jahr seit diesem verhängnisvollen Heiligabend damals geschah. Ich sah das Bild vor mir.

Meine Therapeutin hatte es bei mir mit Desensibilisierung versucht, schließlich wollte ich einmal eine Familie gründen und würde es meinen Kindern schuldig sein, ihnen ein schönes Weihnachtsfest zu bereiten. Da konnte ich doch nicht bei der kleinsten weihnachtlichen Kleinigkeit zusammenbrechen. Aber all ihre Versuche, mich allmählich an Weihnachten zu gewöhnen, zum Beispiel indem sie mir winzig kleine Weihnachtsmänner in der Absicht in die Hand gab, mich durch den Anblick gewissermaßen abzuhärten und mich so aus dem Bann des Bildes zu befreien, fruchteten nicht. Da mochte sie auch noch so beruhigend auf mich einreden, ich begann zu zittern, mein Puls raste, mir brach der Schweiß aus, ich sah das Bild vor meinem inneren Auge und zerquetschte so manchen Schokoweihnachtsmann in meiner sich verkrampfenden Hand. Die Therapie scheiterte. Und so war ich dem Anblick der Lebkuchen hilflos ausgeliefert.

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Historisches: Der Zauberer in Blau. Oder: meine Ankunft am Bodensee

Sonnenuntergang Bodensee
1995 zog ich an den Bodensee, die Landschaft, der See, die historische Altstadt von Konstanz und die schönen Orte in der Nähe hatten mich gleich für sich eingenommen. Aus dieser Zeit stammt die kleine Geschichte, die ich – unverkennbar – für den Südkurier, die Tageszeitung hier, geschrieben habe. Die Fotos von „Goldenen Bodensee“ entstanden etwas später.

Der Zauber in Blau

Ohne Gepäck kam ich in Konstanz an. Der Blick auf die Konstanzer Bucht, eingerahmt von Seestraße und altem Kloster, berührten mich tiefer noch als beim ersten Mal, als ich langsam über die Rheinbrücke fuhr: Denn an diesem Freitagnachmittag kam ich nicht als Tourist, Konstanz sollte meine neue Heimat werden. Endlich betrat ich nach einer langen Zugfahrt Konstanzer Boden. Was zu meinem Glück noch fehlte, waren meine eigenen vier Wände.

Goldener Bodensee - Blick auf Mainau
Leider hatte ich nur dieses eine Wochenende Zeit, etwas Bezahlbares zu finden. Und leider war der Wohnungsmarkt nicht gerade übersättigt mit bezahlbaren Wohnungen. So führte mich mein erster Weg hoch zur Universität. Dort suchte ich die schwarzen Bretter nach „meiner kleinen Wohnung“ ab. Erfolglos.

Nach diesem Fehlschlag zog ich mit gemischten Gefühlen durch die Konstanzer Kneipen: die Seekuh, das K9, das Radieschen. Immer in der Hoffnung, dass auf einem Aushang im Eingangsbereich mein neues Zuhause auf mich wartete. Dem war leider nicht so. Alleine saß ich bei einem Bier und keine gute Fee sprach mich an, kein Zauberer zog eine Wohnung aus seinem Hut.

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Historisches: Ralf Boscher und die Presse…

Meine erste Veröffentlichung, für mich ein historisches Highlight: Vom Höcksken aufs Stöcksken

Meine erste Veröffentlichung, für mich ein historisches Highlight: Vom Höcksken aufs Stöcksken

Ich habe mal ein wenig in meinem Archiv geblättert – und es ist nicht von der Hand zu weisen, 2004 war ein sehr aktives und auch erfolgreiches Jahr, ein für meine anschließende Arbeit bedeutendes Jahr: Denn 2004 habe ich meine erste eigene Veröffentlichung auf den Markt gebracht, meinen Kurzgeschichtenband „Vom Höcksken aufs Stöcksken. Zartes und Hartes in Geschichten und Gedichten“. Damals noch ganz klassisch als gedrucktes Buch. Ebooks waren noch in weiter Ferne. Einige hundert Exemplare des mittlerweile vergriffenen Buches wechselten in Leserhand und auch die Presse am Niederrhein und am Bodensee interessierte sich für meine Arbeit. Hier Kostproben aus Boschers Archiv:

Am 20. September 2004 wurde Ralf Boscher in den Redaktionsräumen der Rheinischen Post in Geldern von Herrn Michael Klatt interviewt. Der Artikel erschien am 22.10.2004:

Rheinische_Post-Autorenportrait_Ralf_Boscher

Am 10. September wurde Ralf Boscher von Karin Stei, Redakteurin beim Anzeiger Südwest, in Konstanz interviewt. Der Artikel erschien am 3. November 2004:

Anzeiger_Artikel_Ralf_Boscher

Auch die Konstanzer Tageszeitung Südkurier brachte am 16.07.2004 einen Artikel (hier liegt mir leider nur der Text vor):

Wenn Imperia vom Sockel steigt
Der Horror-Schriftsteller Ralf Boscher lebt und schreibt in Konstanz

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Lange bevor ich die erste Prosageschichte zu Papier gebracht habe, schrieb ich Gedichte. Poesie der Freude, der Trauer, Wut, Angst - und auch Liebeslyrik. Und auch wenn ich seit Jahren vor allem Prosa schreibe, fließen mir doch immer mal wieder einige Verse aus der Feder. Die Liebesgedichte sind im Laufe der Jahre entstanden. Das neueste Gedicht „Gefunden“ habe ich im Herbst 2013 geschrieben.

Beitrag des Monats: Verbunden, umschlungen Rose und Wolf sich küssen – Liebesgedichte

Herzlich Willkommen auf Boschers Blog, dem Autorenblog von Ralf Boscher.

Hier bloggt jemand, der einfach gerne erzählt, vom Besonderen im Alltäglichen, von Katzen, Krebs und Kaffee, von Liebe, Lust und natürlich Laubbläsern. Ein Schriftsteller-Blog. Ein
„Vom Höcksken aufs Stöcksken“-Tagebuch.

Auf Boschers Blog findet Ihr Leseproben aus Ralf Boschers Romanen, vollständige Kurzgeschichten, humorvolle Miniaturen aus dem Alltagsleben, Rezensionen, Interviews mit Autorinnen und Autoren (u.a. B.C. Schiller, Hanni Münzer, Béla Bolten, Nika Lubitsch) und allerlei Lesenswertes zu folgenden Themen:

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Historisches: Vom Höcksken aufs Stöcksken

Cover_Hoecksken

…Transzendentalerotik am Abend einer philosophischen Tagung…
…Horror rund um einen in Weihnachtslieder vernarrten Fleischer…
…von Winzkriechern, oder: der Eingang zur Hölle ist ein Klo…
…was geschehen kann, wenn nur einer in der WG Sex hat…
…Geschichte vom Bierdeckel und den Apokalyptischen Reitern über Wuppertal…
…als der Mähdrescher das Mädchen fand und in einem Dorf
am Niederrhein die Blaue Kugel fiel…

außerdem ein sprechender Bleistift,
ein schweigender Papagei,
das Jojo-Herz
und vieles mehr auf

141 dramatischen, rührenden, erotischen, gruseligen, skurrilen, poetischen Seiten.

Das Cover wurde gestaltet von: kreativ|werk|staDt

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, mein Buch „Vom Höcksken aufs Stöcksken*“ ist nun AUSVERKAUFT!

Vielen Dank für all das positive Feedback, das mich seit Erscheinen meines Buches erreicht hat – es freut mich sehr, Ihnen spannenden, rührenden, skurrilen, erotischen Lesegenuss geboten zu haben!

Ihr Ralf Boscher

(*ein Ausdruck der soviel bedeutet wie: Vom Hundersten aufs Tausendste kommen…)

Rezensionen:

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Historisches: Boschers Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften – eine Chronik

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Boschers kurze Erzählung Aldekerk im Rücken erschien zunächst in der Zeitschrift „Literatur am Niederrhein. Zeitschrift für Literatur niederrheinischer Autoren“ und wurde dann im Herbst 2002 erneut abgedruckt in der Anthologie „Dichter Nebel am Niederrhein. Ein Lesebuch hiesiger Autoren“, herausgegeben von M. Kura/J. Schmidt, Buchverlag SeitenWind Grevenbroich (ISBN 3-9806290-5-8).

Buchbesprechung aus der Rheinischen Post/Gelderland vom 28.12.2002:
„Reizvolle Anthologie im Grevenbroicher Verlag SeitenWind Dichter Nebel am Niederrhein
NIEDERRHEIN. ‚Er ist ganz erfüllt von dieser Hochstimmung, die ihn da plötzlich erfasst hat. Nun beginnt ein neues Leben. Denkt er. Und rast seinem Heimatdorf, der Kirche entgegen.‘ So endet Ralf Boschers Kurzgeschichte Aldekerk im Rücken. Heimat ist viel – nicht nur auf diesen drei Seiten, sondern auf allen rund 150 in ‚Dichter Nebel am Niederrhein‘. Diesen Titel hat der SeitenWind-Verlag aus Grevenbroich seiner neuen Anthologie gegeben. Die positiven Reaktionen auf die Erstausgabe ‚Zwischen Heine und Altbier haben zu diesem zweiten Band geführt. 36 Autoren sind, teilweise mit mehreren Beiträgen, vertreten. Einige, wie beispielsweise Hiltrud Leenders (vom Krimi-Trio Leenders/Bay/Leenders), Herbert Sleegers und Peter Klusen, sind Routiniers in der niederrheinischen Literaturszene und mitunter preisgekrönt. Andere machen in dem Buch ihre ersten schriftstellerischen Gehversuche. Herausgekommen ist eine reizvolle Mischung von Unbekanntem und Etabliertem, von Alltäglichem und Subtilem, von Banalem und Geheimnisvollem. 150 Seiten, die sich in einer Nacht weglesen lassen“

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